Puls Festivsl 2018 in München Review MUSIKMUSSMIT

Restlos ausverkauft: PULS Festival 2018 in München | Review

PULS Festival am 01. Dezember 2018 im BR Funkhaus München (Indoor)
Text und Fotos: Isabel Zech

Am vergangenen Wochenende waren wir beim PULS Festival des Bayrischen Rundfunks in München, bei dem es neben Preisen und guter Musik auch interessante Diskussionen hab. 

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Lasst mal quatschen über Musik.

Was meine ich eigentlich mich Diskussionen? Noch bevor das Puls Festival 2018 in die nächste Runde startete, wurde zur Podiumsdiskussion zum Thema „Radio und Streaming – Eine Hassliebe ohne Zukunft?“ mit einigen Musikmenschen geladen.

Bei der Diskussion, oder fachlich korrekter: beim Panel, trafen sich insgesamt sechs Vertreter*innen vom Radio, Streaming Plattformen und einem Musiklabel für eine gute Stunde im BR Funkhaus in kleiner Runde zum Thema „Radio trifft Streaming – Eine Hassliebe ohne Zukunft?“. Neben einem Moderator von Puls waren an diesem Abend zu Gast jeweils ein Vertreter*in von Sony Music, Amazon Music, Napster, Fritz Radio, BR und Puls.

Bereits bei der Begrüßungsrunde wurde man sich schnell einig, dass man in der Musikbranche weniger gegeneinander, sondern viel mehr miteinander arbeitet, egal auf welcher Seite man steht. Die Musiklabels freuen sich natürlich, wenn ihre Musiker*innen von Radio und Streaming Plattformen wie Spotify oder Napster gepusht werden und somit Bekanntheit erlangen. Streaming Plattformen bieten mittlerweile auch Podcasts und Playlists aus dem Radio an und das Radio selber nutzt diese Plattformen für sich. Was das Radio von allen unterscheidet, ist die gebündelte und persönliche Informationsvermittlung über Musik, Künstler*innen und deren Laufbahnen. Alles in allem arbeitet man hier also Hand in Hand.

Doch hat Radio noch eine Zukunft? Ist Streaming die neue Zukunft, die das Radio in weniger als zehn Jahren ersetzen wird? Das hofft tatsächlich keine*r der Teilnehmer*innen auf der Bühne. Es bestärkt sich viel mehr der Gedanke (vor allem ausgesprochen durch Sophie Dezlhofer vom Bayrischen Rundfunk), dass Radio sich verändern muss, um mitzuhalten. In erster Linie muss Radio einen Zahn zulegen, um auch wieder beim jungen Publikum anzukommen.

Nach der einstündigen Runde geht die Diskussion, bei der sich alle die meiste Zeit ganz gut verstanden haben, mit der zutreffenden Aussage von Sony Music Content Communication Manager Daniel Finke zu Ende: Wie auch in anderen Branchen orientiert man sich am Ende (leider) an den Zahlen.

 

Genug gequatscht, jetzt spielt die Musik

Um nach dieser Ansage die Musik wieder in den Vordergrund zu bringen, ging es im Anschluss mit der Nominierung von Musikerin Noora als „Newcomer des Jahres“ und Sängerin LEA als „Durchstarter*in des Jahres“ beim elften NEW MUSIC AWARD der ARD weiter. Mit insgesamt neun Newcomer*innen setzten sich die beiden Preisträgerinnen beim diesjährigen Award durch und performten im Anschluss vor Publikum im BR Funkhaus. Vor ihnen gewannen bereits Bands wie Bonaparte, Kraftklub und im vergangen Jahr die Kytes den Award. Wir hoffen also auf zwei neue Durchstarter*innen.

Entdeckung des Abends

Wie war’s denn eigentlich beim PULS Festival?

Nach diesem laaangem Vorabendprogramm öffneten sich endlich um 20 Uhr auch für alle anderen Festivalbesucher*innen die Türen der legendären Orchesterstudios des Münchner Funkhauses. Das PULS Festival konnte beginnen! Und es war vor allem eines dieses Jahr: VOLL, denn das Festival war restlos ausverkauft.

Schön zu sehen, dass die Leute auch nach dem erfolgreichen und absoluten heißen Sommer 2018 immer noch Lust auf Mucke hatten und sich für die (noch) nicht allergrößten Bands und Solokünstler*innen in die bayrische Hauptstadt wagten.

Da es einige Überschneidungen beim Timetable gab, konnte man leider nicht alle Bands live erleben. Den Auftakt an diesem kalten Samstagabend machten (für uns) The Whiskey Foundation, eine Bluesrock Band aus dem bayrischen Kapitol, die schon als Vorband bei AC/DC auftraten. Ihrem Look nach haben sie sich beim Backpacken in der Südsee kennen gelernt. Im wahren Leben haben sich die fünf jungen Männer aber als Straßenmusiker zusammengetan und sich nach der Geschmacksrichtung einer hochprozentigen Jamsession benannt.

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Surma

Anschließend schauten wir bei Multiinstrumentalistin Surma rein, einer Noise-/Experimental-Künstlerin, deren Sound an die isländischen Musiker*innen wie Sigur Ros und Björk erinnert und Elemente aus dem Postrock und Ambiente einfließen lässt. Obwohl die Leute im Raum in Laberlaune waren, hörte die Masse irgendwann wieder zu, als die kleine zierliche Frau mit dem lustigen Haarschnitt vor Keyboard und Mischpult und ihrer kindlichen Stimme den Sound laut aufdrehte.

Die vielleicht coolste Entdeckung an diesem Abend waren Dream Wife, die ich leider nur von draußen auf dem großen Screen wegen überfülltem Saal im Innenhof anschaute – naja, besser als nix. Die drei Riot-Girls spielen seit 2015 eine Mischung aus Punk und Indierock mit feministischer Message. Mit der Gitarre können sie umgehen. Definitiv lohnenswert sich diese Damen nochmal live anzuhören.

Mehr Gedränge gab´s bei ME+MARIE im „Ballroom“, die eher zu den bekannteren Acts des Abends zählen. Ich kannte nur den Song „You Don’t Know“ in und auswendig, aber auch das restliche Set war ein einziger Ohrwurm.

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Me + Marie

Die in Deutschland schon etwas bekanntere Slacker-Queen Ilgen-Nur war um 22.30 Uhr im Studio 2 zu sehen und zu hören. Was wie miese Laune rüberkommt, ist eigentlich eine schüchterne und super sympathische Hamburgerin, die ich dieses Jahr schon als Vorband für Tocotronic in Stuttgart live sehen durfte. Ilgen und ihre Band lieferten auch dieses Mal wieder vor vollem Saal ab und spielten zwischen „Matter of Time“ und „Cool“ auch ein paar neue Songs.

Nach Ilgen-Nur ging es rüber zu When Saints Go Machine, die aus ihrem Sammelsorium aus genreüberschneidenden Songs spielten und das Publikum mal mehr, mal weniger heftig mitrissen. Als die neuen Indie-Punk-Dudes der Band Leoniden um kurz vor zwölf nebenan im Studio 2 auf die Bühne kamen, leerte sich der Saal rapide. Naja, man wollte eben vor allem neue Newcomer*innen sehen – das wurde auch When Saints Go Machine klar.

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When The Saints Go Machine

 

Um halb kamen dann endlich die Headliner aka die alten Hasen von MGMT auf die Bühne und brachten bei Songs wie „Little Dark Age“, „Electric Feel“ und schließlich dem Dauerbrenner „Kids“, was mittlerweile schon gute zehn Jahre alt ist, das ganze Studio zum Mitgrölen. Die Afterparty mit DJ Mac Beginner ließen wir sausen, aber nach sieben Stunden Konzert war das auch okay.

 

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Mein Fazit

Dank dem Puls Festival entdeckte ich mal wieder neue Musik und hatte keine Angst, die richtig dicken Acts zu verpassen. Dennoch war es zeitlich zu eng getaktet, weswegen man sich vieles nicht anschauen konnte, was jedoch unter anderem auch an den überfüllten Hallen lag. Wer zuletzt kam, hatte hier leider Pech, konnte sich aber die Live-Aufnahme wenigstens direkt nebenan im Hof zwischen buntem Diskokugel-Arrangement und Bratwurst anschauen. Das Highlight des Abends war, wie schon vor zwei Jahren, der absolut geile Sound im BR Funkhaus. An den kommt bisher einfach nix ran.

Line-Up Puls Festival 2018 in Erlangen und München (Indoor)


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