Im Plausch mit: KYTES

KYTES Interview MUSIKMUSSMIT
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  • Beitrag zuletzt geändert am:3. Oktober 2016
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Man nehme eine Schülerband aus München, lässt sie ein paar Jahre austoben und schwupp, erhält man die KYTES – Fertig verpackt, frisch für den internationalen Wettbewerb! Gerade mal ein Jahr hat die vierköpfige Truppe gebraucht, um mit beiden Beinen fest im Indie-Business zu stehen. Zwölf Monate, in denen sie auf Festivals wie dem MELT! oder dem SXSW in Austin (USA) spielten, mal eben einen Song für einen Werbespot rausschmetterten, und und und.

Am 16. September 2016 war es nun endlich soweit und sie präsentierten uns stolz ihre neue Platte „Heads and Tales“. Am selben Abend noch wurde dieses Ereignis feierlich im Kaffee Burger in Berlin begangen. Wir nutzten die Gelegenheit und hielten ein Pläuschchen mit dem charmanten Vierer.

Nele und die KYTES Interview MUSIKMUSSMIT
KYTES + Nele

 

Eure Karriere basiert ja mehr oder weniger auf „Blind Freddy“, Eurer Schülerband – Wann war für Euch der Punkt, an dem ihr gemerkt habt, dass ihr etwas ändern müsst; dass da ein neues Konzept her muss? Gab’s da ein bestimmtes Ereignis?
Michi: Ja, das gab es. Wir waren im Studio und wollten unser zweites Album aufnehmen und haben dann gemerkt, dass das einfach nicht so wird, wie wir uns das vorgestellt haben und dass wir irgendwie etwas ändern müssen. Dann haben wir unseren Produzenten gewechselt und festgestellt, dass sich ebenso der Sound verändert hat und wir auch nicht mehr die vier Spacken aus der Schülerband sind (…) Wir sind mit der Zeit gewachsen und wollten einfach ernster genommen werden.

Und mit dem neuen Konzept musste dann natürlich auch ein neuer Name her. Wie kam’s zu „KYTES“? Was hat Euch inspiriert?
Michi: Ja genau, also wenn wir dann mal von 0 losstarten (…) Ich bin richtig viel gesurft und ja, keine Ahnung, irgendwann dann einfach nicht mehr, keine Zeit gehabt, und dann hab’ ich an einem Kitesurfworkshop teilgenommen, das war mega cool. Und so sind wir auf KYTES gekommen.
Timothy: Wir haben auch mal auf einem Snowboardevent gespielt und einen Typen kennengelernt, der eine Surfschule in Südfrankreich hat – Da dürfen wir dann immer hinfahren, vorausgesetzt wir spielen 1-2 Mal die Woche. Das ist echt cool.

Welches Ereignis war der Punkt, an dem ihr gemerkt habt, dass ihr es geschafft habt – Oder gab es diesen Punkt noch gar nicht?
Timothy: Ich glaube, das MELT! Festival war so ein Punkt, wo wir gesagt haben, dass es echt krass ist, dass wir das innerhalb eines Jahres geschafft haben und dass wir dann doch irgendwie so weit gekommen sind. Das war schon so ein kleiner Traum, der in Erfüllung gegangen ist.
Michi: Aber so, dass wir denken „Jetzt haben wir’s geschafft“ – Der Punkt war noch nicht da, nein. Wir sind einen Schritt weiter in die richtige Richtung, aber geschafft (…) ich finde, da gehört mehr zu.

Hat sich denn auch im privaten Bereich etwas bei euch geändert?
Timothy: Auf jeden Fall! Wir hatten alle noch so einen kleinen Job nebenbei, der Tommy zum Beispiel, also unser Bassist, musste mit seiner Arbeit aufhören (…) und das hört sich jetzt alles voll traurig an, aber eigentlich ist das voll geil, da wir jetzt alle nur noch Band machen, haha.

Euer neues Album „Heads and Tales“ besteht ja in erster Linie aus rockigen gute Laune Songs, aber auch ruhigeren Titeln wie „In the Morning“ – Hattet ihr einen roten Faden, was das Album betrifft?
Thomas: Wir hatten eine Art Würfel an Songs, der innerhalb eines kürzeren Zeitraums entstanden ist. Der älteste Song zum Beispiel ist „I Got Something“. Den gibt’s auch schon als Grundidee seit über zwei Jahren und Tracks wie „Sirens“ sind erst in diesem Jahr entstanden. Es gab also mehrere Schreib- und Produzierphasen, aber wir haben beim Produzieren im Studio am Ende dann schon darauf geachtet, dass sich ein roter Faden durchzieht und nicht komplett unterschiedlich wird. Das haben wir auch ganz gut geschafft, finde ich.
Timothy: Und ich würde sagen, dass wir insgesamt darauf geachtet haben, dass wir wirklich gute Songs schreiben. Es gibt so viele Bands, die 30-40 Songs schreiben und davon dann die 10 Besten auswählen und man sich immer noch denkt „Ok, die sind jetzt nicht so krass“ und dann wollen wir auch gar nicht wissen, wie die anderen 30 Songs klingen… „Heads and Tales“ beweist schon, dass wir uns sehr viel Mühe gegeben haben, was das Songwriting betrifft. Unser rote Faden ist… Es sind gute Songs!
(Der Rest lacht)

Wovon habt ihr euch denn am meisten inspirieren lassen?
Timothy: Ich glaube, dass uns ganz viele Bands inspirieren, die wir hören – The Foals, Tame Impala, Phoenix, The Strokes, Alt-J… Aber vor zwei Jahren waren wir auch in einer Skihütte für eine Woche lang, irgendwo in Bayern. Das war ganz cool; wir waren weit weg von allem und konnten eine Woche schreiben. Letztendlich ist es schon sehr lange her, aber da sind viele Grundideen für Songs entstanden, das war sehr inspirierend.
Kerim: Wir waren auch auf vielen Konzerten – Wenn man andere großartige Bands spielen sieht, dann kriegt man auch schon wieder Bock, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Warum sollte man denn euer Album hören?
Michi: Also wer auf Indie steht, kriegt guten, neuen Indie-Rock! 13 coole, neue Songs von uns.
Timothy: Genau, wer Lust auf neue Musik hat – wir sind ja doch noch irgendwie Newcomer – sollte sich uns mal anhören. Die Leute, die halt so’n bisschen offen sind und auch mal andere Genres hören und sagen „Oh, das ist voll der gute Sound, obwohl ich eigentlich gar nicht so auf Indie stehe“ (…) Das wär’ cool.

Was macht ihr denn, wenn ihr mal keine Musik zusammen macht – Seid ihr auch außerhalb der Band eine vierköpfige Familie?
Michi: Das Ding ist, da wir uns sowieso wegen der Band 5-6 Mal pro Woche sehen, gibt’s gar nicht mehr so viel Zeit, die man sonst miteinander verbringen könnte! Aber dafür, dass es dafür so wenig Zeit gibt, sehen wir uns trotzdem noch voll oft, auch wenn wir uns eigentlich gar nicht sehen (…)
Timothy: Was machen wir sonst, ja keine Ahnung. Ich würde auch was mit anderen machen, aber ich habe keine Freunde.
Michi: Deswegen haben wir auch die Band gegründet – „Hey Jungs, warum gibt´s Euch eigentlich?“ Wir haben sonst keine Freunde…
Timothy: „Was verbindet euch Vier eigentlich?“ Ja, wir haben alle vier keine Freunde!
Michi: …Und jetzt hat jeder von uns Drei!
Thomas: …Und sie sind sogar per Vertrag an mich gebunden, haha…

Wenn ihr jetzt an die Zukunft denkt, habt ihr euch Ziele gesetzt? Wo seht ihr euch in 5 Jahren?
Thomas: Wir wollten uns vor allem das Ziel setzen, dass wir raus aus Deutschland kommen. Ich will jetzt nicht sagen, dass uns in Deutschland nun schon jeder kennt und wir schon alles gespielt haben, was wir spielen können, das natürlich nicht, aber wir sehen uns eher so als internationale Band. Und in 5 Jahren denke ich, dass wir schon bekannter als nur in Deutschland sein werden.
Michi: Wir würden uns gerne international etablieren, um auch mal wieder eine Band zu sein, die aus Deutschland kommt und die irgendwann vielleicht mal mithalten kann mit Bands wie Phoenix oder Foals; also sowas in der Art wäre schon echt cool!

Wart ihr denn damals, als ihr mit 14/15 Jahren angefangen habt, schon begeistert von dem, was ihr macht?
Michi: ….Na voll!
Kerim: Ich hatte erst seit drei Monaten Gitarrenunterricht; wir hatten alle noch gar keine Erfahrung und dann haben wir innerhalb eines Tages unseren ersten Song gespielt.
Timothy: Der hieß „Summer in my Pants“.
Michi: Vielleicht hauen wir den irgendwann nochmal raus, haha…
Thomas: Das ist die Überraschung heute! „Und jetzt kommt der Song, den ihr natürlich alle kennen müsst, der Allererste, den wir geschrieben haben!“
Michi: Auch in Originalversion, also schlecht gespielt!

Was ist das Tollste und was ist das Schlimmste, was euch im Laufe eurer Karriere passiert ist?
Timothy: Das Schlimmste… Also wir hätten fast aufgehört.
Michi: Wir waren dumm; wir wollten gleich alles machen und direkt ein ganzes Album aufnehmen, anstatt erstmal 1-2 Songs auszuprobieren und haben dann schlussendlich viel Kohle weggehauen. Wir haben dann begriffen, dass alles scheiße wird und dann hatten wir kein Geld und auch kein Album. Das war echt eine schwierige Phase, wo dann aber auch dieser KYTESwandel angefangen hat und wir uns gesagt haben: Ok Jungs, was brauchen wir? Wir brauchen jetzt erstmal vier Tracks, und zwar richtig geile produzierte Tracks. Was brauchen wir noch? Ok, wir brauchen noch eine Bookingfirma, wir brauchen ein Label, wir brauchen Leute, die uns helfen; die sich in der Musikbranche auskennen, um irgendwie Fuß zu fassen.
Thomas: Wir hatten halt vor dem Nichts gestanden. Wir hatten nur noch die Klamotten, die wir anhatten! Aber uns angetan hat das nichts, wir haben uns wieder hochgearbeitet.
Michi: Das Schönste ist halt wirklich, dass – obwohl wir so viel Pain hatten, was das Aufnehmen des Albums betraf – wir es doch irgendwie geschafft haben. Ach, und der Moment, in dem wir wussten ok, wir können nach Amerika fliegen…
Thomas: Das Schönste ist, dass wir alle gesund sind! (…) Nein, das Schönste ist, dass wir sagen können, dass es das Schlimmste war, dass wir ein bisschen Geld verloren haben. Es passiert so viel schlimmes Zeug und ja, keine Ahnung, wir fahren auch echt viel mit dem Auto und da kann auch immer mal etwas passieren.

Platten und oder Künstler_innen, die in keinem Plattenschrank fehlen dürfen?
Thomas: Kasabian von Kasabian auf jeden Fall!
Timothy: Blink 182 von Blink 182 – Es dürfen nur Selftitles, oder was, haha? …Die Beatles!
Michi: Mando Diao mit Ode to Ochrasy!

Habt ihr eine Art Glücksbringer, der auf keiner Tour fehlen darf?
Michi: Ja, Leni!
Timothy: Genau Leni, unsere Tourmanagerin.
Thomas: Voll süß (…) Schade, sowas hört sie ja nie…

In der Hoffnung, dass Leni dies hier liest!
Ich hatte wirklich sehr viel Spaß mit den Jungs und auch ihr Konzert am Abend war erste Sahne – Tanzbare, Gute-Laune-Musik! Wer jetzt neugierig auf KYTES geworden ist oder die Truppe ein Stückchen weiter lieben gelernt hat, hat noch bis Ende Oktober Zeit, ihnen persönlich einen Besuch abzustatten!

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Mehr Informationen

KYTES Tourdaten
27. September 2016, Hannover, Lux
28. September 2016, Kassel, Goldgrube
29. September 2016, Braunschweig, Eulenglück
30. September 2016, Magdeburg, Rockstudio
01. Oktober 2016, Chemnitz, Atomino
02. Oktober 2016, Berlin, Musik und Frieden
04. Oktober 2016, Leipzig, Täubchenthal
05. Oktober 2016, Dresden, Groovestation
07. Oktober 2016, Graz, PPC
08. Oktober 2016, Innsbruck, Weekender
09. Oktober 2016, Wien, Flex Café
12. Oktober 2016, Bocholt, Alte Molkerei
13. Oktober 2016, Münster, Gleis 22
14. Oktober 2016, Aachen, Musikbunker
15. Oktober 2016, Bremen, Tower
16. Oktober 2016, Düsseldorf, FFT
17. Oktober 2016, Köln, Blue Shell
20. Oktober 2016, Würzburg, Cairo
21. Oktober 2016, Augsburg, Kantine
22. Oktober 2016, Bayreuth, Kneipenfestival
23. Oktober 2016, Darmstadt, Centralstation
24. Oktober 2016, Stuttgart, Keller
27. Oktober 2016, Regensburg, Heimat
28. Oktober 2016, München, Muffathalle
29. Oktober 2016, Nürnberg, Pop Festival
30. Oktober 2016, Passau, Zeughaus

Ich werde am 02. Oktober 2016 dabei sein und von ihrem Konzert im Musik und Frieden berichten; in Vorfreude auf ein Wiedersehen!

Nele

Ständig auf Achse & meistens bei Festivals. Ich finde großen Gefallen am Gestalten, mich faszinieren Menschenmassen, ich hab’ nen Hang zur Dramatik und verfalle dem Schweren, so wie ich das Leichte liebe.   Am liebsten sind mir Indie und Elektro, doch ab und zu verirrt sich auch mal Trap in meine Playlist. Von mir werdet ihr Ankündigungen, Berichte und Empfehlungen über, von und für Bands wie La Femme oder Tocotronic, aber auch Künstler wie Weekend Wolves, ja womöglich sogar Rammstein, lesen. Von allem eben so 'n bisschen. Ach, und Festivals sind mir das Liebste! Lasst Euch überraschen, dies das (…)

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