Raina Sokolov-Gonzalez aus New York City im Interview MUSIKMUSSMIT

Vorgestellt: Raina Sokolov-Gonzalez | RnB aus New York

„(…) die Menschheit hat schon immer Kunst als ein Mittel genutzt, um ihre Menschlichkeit auszudrücken, um schlafende Köpfe und Seelen zu wecken.“

Text: Claudia Dünckmann | Foto: Rafe Scobey-Thal

Ich habe viele Anläufe gebraucht, um diesen Blog-Post zu schreiben. Alle Formulierungen von „schönste Entdeckung der letzten Monate“ bis „außergewöhnliche Künstlerin“ über „intelligente Musik“ waren dabei. Nachdem ich die Sätze geschrieben hatte, löschte ich sie sogleich. Nicht gut genug. Passt nicht. Das geht besser. Bis ich nach drei Wochen immer noch keinen Satz fertig hatte. Das passiert mir selten. Ich kann eigentlich immer meinen Senf dazugeben. Wenn das einmal nicht so ist, dann läuten bei mir die Glocken. Newcomer-Alarm! Manchmal läuten die Glocken so laut, dass ich nicht mehr schreiben kann. Deswegen verzeiht mir einfach den einen oder anderen schrägen Satz.

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Darf ich vorstellen: Raina Sokolov-Gonzalez

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Die Jazz/R’n’B-Sängerin tauchte mit ihrer Single „Riptide“ das erste Mal auf meinen Radar auf. Es brauchte genau vier Sekunden bis alles andere, was ich tat, unwichtig war. Vier Sekunden bis ich ihre glasklare Stimme hörte. Sie ist kraftvoll und das nicht nur wegen der Lautstärke. Ihre blitzsaubere Technik, mit der sie sich von einem dunklen Raunen bis zu den oberen Oktaven singen kann. Und die Feinheiten in der Intonierung. All das macht ihre Stimme unverkennbar.

Auch nach hundertmal hören werden ihre Songs nicht langweilig. Sie sind getrieben von eindringlichen Synthesizern, melodisch begleitet von dynamischen Pianoklängen und durchdrungen von Trompeten. Im Ganzen ergibt das eine kreative Neuinterpretation von Jazz, die Lust auf mehr macht. Bisher veröffentlichte die in Brooklyn-ansässige Komponistin „nur“ vier Singles. Die erste und auf Spotify meist gestreamte Single heißt „Unarmed“. Als nächstes plant sie eine EP; danach folgt hoffentlich bald das Debütalbum.

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Authentisch und nahbar

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Im Interview erklärte Raina, dass ihr Schaffungsprozess damit beginne, dass sie am Klavier sitze und das spiele, was sie gerade fühle. In diesem Sinne kann man ihre Musik auch als ungefilterten Ausdruck ihres emotionalen Zustands verstehen. Das macht sie so wunderbar authentisch – nicht nur als Sängerin, sondern auch als Mensch. Außerdem sprach ich mit Raina über ihre musikalischen Gene, was hinter der Single „Unarmed“ steckt und die magische Wirkung von Musik. Das Originalinterview in Englisch, das ich mit ihr am Telefon führte, findet ihr am Ende des Artikels.

 

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Stell dich doch denjenigen, die von dir noch nichts gehört haben, kurz vor: wer bist du und wo kommst du her?
Hallo zusammen! Ich heiße Raina Sokolov-Gonzalez und bin eine Sängerin / Komponistin aus New York City.

Hast Du dieses Jahr anders begonnen als 2018? Worauf freust du dich besonders in 2019?
Dieses Jahr fing definitiv anders an! Letztes Jahr war ich gerade dabei, meine erste Single „Unarmed“ zu veröffentlichen. Vier Singles sind noch hinzugekommen. Momentan konzentriere ich mich eher auf Konzerte, musikalische Kooperationen sowie aufs Netzwerken. Natürlich arbeite ich an weiteren Produktionen und freue mich auf neue Projekte.

Wolltest Du schon als kleines Kind Musik machen? Was ist deine früheste musikalische Erinnerung? Was war der ausschlaggebende Moment, der dich den Musik-Weg gehen ließ?
Als kleines Kind wollte ich Tierärztin werden – glaube ich. Musik war immer ein großer Teil meines Lebens. Meine Eltern sind beide Berufsmusiker – meine Mutter ist eine bekannte Jazzmusikerin und mein Vater musizierender Poet. Mein Bruder macht ebenso Musik. Mit ihm habe ich die Singles „Unarmed“, „Riptide“ und „Falcon“ produziert. Ich bin also in einer sehr musikalischen Welt aufgewachsen; ich singe und musiziere immer mit meiner Familie.

Wenn ich zurückblicke, dann fallen mir immer die langen Autofahrten ein und wie meine Mutter, mein Bruder und ich immer sangen und improvisierten. Ich habe dabei viel gelernt und heute kann ich sagen, dass das auch einen Großteil meiner Musikausbildung ausmacht.

Es gibt keinen konkreten Moment, in dem ich davon überzeugt war, unbedingt Musik machen zu müssen. Vielmehr empfinde ich eine tiefe Anziehungskraft. Musik schreiben und machen ist etwas, was ich unbedingt tun muss.

Dein Name klingt multikulturell. Haben dich die verschiedenen Kulturen beeinflusst?
Ja, der Name ist schon sehr lang. Sokolov kommt von meiner Mutter, die russisch-jüdische Wurzeln hat. Den Namen Gonzalez habe ich von meinem Vater, der aus Kuba kommt. Ich würde nicht sagen, dass die Musik beider Kulturen mich stark beeinflusste. Aber sicherlich das Aufwachsen in zwei verschiedenen und gleichstarken Traditionen trug dazu bei, dass ich schon früh die unterschiedlichen Musikstile hörte und ich dadurch musikalisch zumindest sehr offen bin.

Bisher hast du vier Singles – „Unarmed“, „Riptide“, „Falcon“ und „Images“ veröffentlicht. (Tolle Arbeit übrigens!) Arbeitest du gerade an einem Debütalbum?
Vielen Dank! Ich bin so froh, dass den Leuten meine Musik gefällt. Momentan arbeite ich an einem neuen Projekt, das hoffentlich Ende dieses Jahres veröffentlicht wird!

Die Single „Unarmed“ ist mit fast 300.000 Streams bei Spotify mit Abstand am beliebtesten. Könntest du uns mehr über die Single erklären? Was bedeutet sie für dich?
„Unarmed“ war der erste Song, den ich veröffentlichte, und er scheint in der Tat beliebt zu sein. Man weiß nie, welcher Titel gut ankommt und welcher nicht. Deswegen freue ich mich ganz besonders, dass „Unarmed“ so gut ankommt. Der Song handelt vom Spannungsverhältnis zwischen Distanz und Intimität, von Beziehungen und persönlichen Grenzen. Es ist auch meine Geschichte, aber auch etwas, das ich heute bei jungen Menschen sehe, wie wir uns gegenseitig unterstützen, wie wir miteinander umgehen und wie wir wirklich mit diesen Dingen zu kämpfen haben.

Glaubst du, dass die turbulenten (politischen) Zeiten, in der wir gerade leben, die Musikwelt beeinflusst? Beeinflusst es dich als Künstlerin?
Ich denke, das beeinflusst uns alle. Ob wir direkt davon betroffen sind oder nicht. Wir sollten uns gerade jetzt fragen, warum wir Musik und Kunst machen und mit welchem Ziel. Natürlich sollten wir (auch) in den Gerichten für unsere Rechte kämpfen oder an der Landesgrenze stehen und weniger im Studio. Aber die Menschheit hat schon immer Kunst als ein Mittel genutzt, um ihre Menschlichkeit auszudrücken, um schlafende Köpfe und Seelen zu wecken. Daher ist es nicht überraschend, dass gerade in diesen Zeiten spannende Musikprojekte entstehen. Für mich geht es vor allem um die Wahrheitsfindung, über die Verwundbarkeit und wie die öffentlich zur Schau gestellte Wut andere Menschen ermutigt bzw. stark macht.

Welche Freude gibt dir das Leben einer Musikerin? Wo bist du wirklich glücklich: auf der Bühne oder im Studio?
Das ist eine gute Frage. Ich bin sowohl auf der Bühne als auch im Studio glücklich. Studio- und Live-Performance sind so unterschiedlich. Es gibt nichts Besseres als meine Musik live zu singen. Die Energie und Magie, die durch die Verbindung mit dem Publikum entsteht, begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Im Studio geht es natürlich auch um diese Magie, aber auch um Präzision. Das kann sehr herausfordernd sein. Aber ich liebe beide Erfahrungen, gerade weil sie so unterschiedlich sind.

Du lebst derzeit in New York. Hast du vor, bald nach Europa zu kommen?
Ich habe noch keine Pläne, aber ich würde gerne eine Show in Europa machen!

Gibt es noch etwas, dass du unseren Lesern über sich oder dein Musik sagen möchtest?
Hört weiter Musik, lasst euch davon inspirieren und nimmt darüber Kontakt zu euch selbst auf. Vielen Dank für das Gespräch!


Please introduce yourself to our readers. Who are you and where do you come from?
Hey all! My name is Raina Sokolov-Gonzalez. I am a singer/composer from New York City.

Did you start this year differently than you did last year? What are you excited for in 2019?
This year did start differently! Last year at this time, I was about to release my first single ‘Unarmed’. This New Year, after releasing four songs, I am in a very full moment of concerts and collaborations. I am excited this year to dive into my work headfirst, to build and release new projects, and to expand my network.

Growing up, did you always want to be a musician? Can you recall your earliest musical memory? What do you think it finally was that pushed you to this career?
When I was really little I wanted to be a Veterinarian I think haha but yes music has always been a huge part of my life. Both of my parents are musicians and my brother too (he is the producer on Unarmed, Riptide, and Falcon) so I grew up in a very musical world, always singing and playing music with my family. One of my earliest memories is in the car with my mom and brother and playing improvisational singing games. We would sing for hours on long drives. Those games were a big part of my music education. I don’t know if anything pushed me to this career per se, pulled is more like it. Writing music, performing music is something I have to do. I am pulled to it so deeply.

Your name discloses that you have a multicultural background. If so, has it influenced your music?
Yes, it’s a long one for sure! Sokolov is Russian-Jewish on my Moms side, and Gonzalez is Cuban on my Dads. I wouldn’t say that either musical tradition influences my music that heavily but more that growing up in two different and equally strong musical traditions allowed for wide ears.

So far you have released four Singles – Unarmed, Riptide, Falcon and Images. (Great work by the way!) Are you working currently on a debut album?
Thank you! I’m so glad that the music reached you! I have a new project in the works now that will hopefully be released by the end of this year!

 

 

The Single “Unarmed” is with almost 300.000 streams by far the most popular on Spotify. Could you explain us more about the Single? What does it mean to you?
‘Unarmed’ was the first song I released and it does seem to be a favourite! You never know how each song will sit with listeners and its so interesting to see! For me, ‘Unarmed’ is about distance and intimacy, how much we can give to another person and what our limits are, how often there is too much to hold. It’s a personal story and also something that I see among young people today, how we support each other, how we relate, and how we really struggle with those things.

Do you believe that the intensely politically charged time we live in right now is influencing the music being created? Is it affecting you as an artist?
I think its definitely affecting all of us. Whether we are in direct dialogue with it or not. I think it’s a moment of questioning why we make art and to what end – we should be in courthouses or at the boarder not cooped up in studios making work. But we have always looked to art as a way to bring us into our humanity, to wake up sleeping minds and souls. And there is amazing work coming out of this tension in the States. For me, it’s about truth telling. About vulnerability and process. How the demonstration of courage in uncertainty sparks strength in others.

What joy gives you the life of a musician? Where are you truly happy: on stage or in the studio?
It’s a good question. I find joy in both. Studio performance and live performance are so different. There is nothing like live performance, the energy and the magic of connecting with an audience in real time. And the studio is about that magic too, but also about precision. So that can be a challenge, to deliver precision and spirit to the studio. But I really do love both of them in their differences.

You are based in New York. Do you have plans to come to Europe soon?
I have no plans as of yet but I would love to do a round of shows in Europe!

Is there anything else that you would like to share with our readers about yourself or your music?
We covered most of it I think! I would just say, keep listening to music that inspires you and connects you to yourself. Whatever that may be. Thanks for having me!


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