Pretty Mery K Band Berlin Interview MUSIKMUSSMIT

Studiobesuch bei: Pretty Mery K | Interview + Videosession

Indie Pop von Pretty Mery K aus Berlin

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Text und Interview: Angela Beyer | Foto und Video: Stephan Noë

Letztes Jahr im Herbst veröffentlichte das Berliner Indie/Kraut Pop Trio Pretty Mery K ihre EP namens „Big Brown Eyes“. Bloggerkollege Niklas vom Musikblog Soundkartell schreibt darüber: „Sehr groovig auf der einen Seite, aber auch bewusst und dezent melancholisch. Düster, glänzend und schwarz gefärbt. pretty mery k klingen mit ihrem neuen Release nochmal ein gutes Stück gereifter.“ Eine Tour folgte sogleich, weshalb der/die ein oder andere die drei vielleicht bereits kennen könnte. Wir verpassten leider das Konzert im Berliner Privatclub, weswegen es uns eine Freude war, der Band einen Besuch in ihrem Studio abstatten zu dürfen. Ich verspreche an dieser Stelle: sollte die Band auf Tour kommen, werde ich euch darüber in Kenntnis setzen.

Seit 2009 feilen Meryem, Micha und Dirk gemeinsam an ihrem Sound, ihre erste EP entstand 2010 im Handumdrehen. Wann immer Zeit war, wurde der Proberaum aufgesucht, um gemeinsam Songs zu schreiben. Nachdem es mit zwei Bassisten nicht wirklich gut geklappt hat, entschied sich das Trio dafür, den Bass selbst in die Hand zu nehmen.

Wie ihr wisst, nehmen wir diese Besuche auch immer gleich als Anlass, die Videokamera herauszukramen und eine Livesession zu filmen. Das Video zum wundervollen Song „Collecting Memories“ –  ebenfalls auf o.a. EP zu finden – könnt ihr nun exklusiv, hier und heute bei uns sehen!

Als ich nach einer katastrophalen Busfahrt außer Atem im Studio ankam, öffnete mir Micha die Tür und führte mich in den Proberaum. Stephan war schon vor Ort und checkte bereits die Lage. Nachdem alle Lampen verteilt, die Stimmen geölt und die Instrumente gestimmt waren, ging es los. Auch, wenn ich den Song gefühlte 20 Mal an dem Tag hörte, so wurde er nie langweilig. Aber seht und hört selbst!

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Meryem hat uns ein paar Fragen beantwortet.

Stellt euch unseren Leser_innen doch kurz vor: wer seid ihr und wo seid ihr derzeit zu Hause?
pretty mery k besteht aus drei Leuten, das sind Meryem Kilic (Gesang) Dirk Häfner (Gitarre) und Michael Fromme (Schlagzeug). Wir sind alle drei in Berlin zu Hause.

Erzählt uns ein bisschen über eure Gründung. Wann hat pretty mery k das Licht der Welt erblickt? Habt ihr schon immer in dieser Besetzung gespielt?
Kennen gelernt haben wir uns 2009 als wir alle zusammen studiert haben. Dirk und Micha kannten sich schon länger und hatten auch schon in Bands zusammen gespielt. Die beiden sind ja ein bisschen älter als ich und hatten damals auch schon viel mehr Erfahrungen als ich mit diesem ganzen Musik-Kram. Micha hatte kurz vorher ein Solo Album gemacht und Dirk war mit verschiedenen Bands schon viel auf Tour gewesen. Das war total gut, weil ich echt viel lernen konnte und es hat mich natürlich auch motiviert. Das war für mich eine richtig tolle Zeit, wir hatten uns irgendwie gefunden. Es war eigentlich genau so wie man sich das vorstellt. Wann immer wir alle Zeit hatten, sind wir in den Proberaum gefahren, wo wir teilweise bis spät in die Nacht an neuen Songs gearbeitet und Aufnahmen gemacht haben. Bei uns waren auch von Anfang an alle gleichermaßen am Songwriting beteiligt. Deswegen hatten wir auch ziemlich schnell unsere erste EP geschrieben und wollten unbedingt damit auf Tour gehen. Dann haben wir uns einen Bassisten dazu geholt. Der hat uns aber dann irgendwann verlassen und mit dem zweiten Bassisten ging es auch nicht so lange gut. Seit 2015 sind wir wieder zu dritt und haben das dann auch live so durchgezogen. Jetzt haben zwar alle auf der Bühne ein bisschen mehr zu tun, Micha spielt zum Beispiel oft Schlagzeug und Synthie gleichzeitig und ich spiele in einigen Songs Bass oder Gitarre, aber es fühlt sich richtig gut an so.

Bisher sind zwei Alben und eine EP erschienen. Das Geld für das zweite Album habt ihr – soweit mir bekannt – über eine Crowdfounding Kampagne gesammelt. Würdet ihr diese Art der Album-Realisation anderen Bands/Musiker_innen weiterempfehlen? Worin liegen die Vorteile (oder Nachteile)?
2010 haben wir unsere erste EP aufgenommen. Die fällt immer ein bisschen unter den Tisch, wahrscheinlich weil wir keine mehr haben, die wir verkaufen können. 2012 kam dann unser Debüt Album “Oh”, das haben wir auch schon mit Crowdfunding finanziert und dann 2014 “Rowboat” und 2016 die “Big Brown Eyes” EP.

Crowndfunding ist an sich eine wirklich tolle Sache. Die Vorteile sind ganz klar: wenn man selber das Geld für die Produktion nicht hat, dann lässt man seine Freunde und Fans die ganze Sache vorfinanzieren, die bestellen sich alle die Platte, bevor sie überhaupt fertig ist und bekommen sie dann eben etwas später. Man muss sich also kein Geld leihen oder sich auf die verzweifelte Suche nach einem Label machen.

Bei unserem ersten Album war das auch noch ganz neu. Wir waren glaube ich eine der ersten Bands, die das gemacht haben. Das war damals ein völlig neues Konzept und natürlich auch interessant für die Leute. Heute ist Crowdfunding ja schon wieder ein alter Hut. Nachdem wir zwei Platten auf die Art finanziert hatten, war für uns auch klar, dass wir das das nächste Mal anders hinkriegen müssen. Ein bisschen komisch kommt man sich nämlich schon vor, wenn man das alle zwei Jahre macht.

Aber um deine Frage richtig zu beantwortet, es überwiegen eindeutig die Vorteile. Der einzige Nachteil ist eigentlich, dass es ziemlich viel Arbeit macht. Aber das ist ja irgendwie auch in Ordung, weil man auch viel zurück bekommt.

pretty mery k im Berliner Studio MUSIKMUSSMIT

pretty mery k im Berliner Studio

Produziert ihr die Alben selber oder bekommt ihr Unterstützung?
Wir machen schon viel selber und dadurch, dass wir schon immer ziemlich genau wissen, was wir wollen, bleibt für einen Produzenten auch nicht so viel Raum, um Einfluss zu nehmen. Aber wir hatten auch immer Hilfe in dem Sinne, dass die Leute, die mit uns im Studio sind, auch immer zu allem ihre Meinung sagen und Vorschläge machen. Früher waren wir da glaube ich aber auch extremer. Wir sind offener geworden, planen nicht mehr alles so genau durch, so dass im Studio mehr Raum für jemand dritten ist. Das war bei unserer letzten EP “Big Brown Eyes” auf jeden Fall so. Die EP haben wir im Impression Recordings Studio in Berlin bei Robbie Moore aufgenommen. Der ist selber ein super Musiker und hat einen echt guten Geschmack. Das macht viel aus, ob man jemandem geschmacklich vertrauen kann, besonders wenn man selber schon ziemlich genau weiß, was man will. Da lässt man sich dann auch eher mal was sagen. Also bei ihm haben wir auf jeden Fall mehr als sonst auch die Produzentenrolle an ihn abgegeben. Das fand ich total gut, weil man sich dann auch mal ganz anders auf sich selber konzentrieren kann und nicht immer das große Ganze im Blick haben muss.

Arbeitet ihr momentan an einem neuen Album oder einer neuen EP?
Wir arbeiten schon an neuen Songs aber sind noch nicht soweit, dass wir ans nächste Album denken.

Ihr wart in letzter Zeit immer wieder auf Tour – liegen demnächst Konzerte oder im nächsten Jahr Festivals an?
Also zur Zeit spielen wir nicht mehr so viel wie in den letzten Jahren. Wir haben das Booking ja immer selber gemacht und das ist ziemlich viel Arbeit und davon brauchten wir alle mal eine kleine Pause. Auf Festivals würden wir total gerne mehr spielen, aber es ist leider sehr schwer, da ran zu kommen als unbekannte Band. Aber mal sehen, es ergeben sich ja auch immer mal Sachen. Im März sind wir wahrscheinlich auf Tour, da habe ich aber noch keine konkreten Termine.

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Ihr alle seid Berufsmusiker_innen und spielt noch in anderen Bands. Warum? Klärt uns doch ein bisschen über diesen Berufszweig auf.
Warum wir in anderen Bands spielen meinst du? Na weil’s Spaß macht auf der einen Seite und weil man auch Lust hat, mit verschiedenen Leuten zu arbeiten. Dirk hat zum Beispiel immer parallel ein Trio gehabt mit dem er seine Jazz Stücke spielt. Das ist reine Instrumental Musik und völlig klar, dass das mit pretty mery k nicht geht. Ich habe noch ein Trio mit zwei Frauen, mit denen ich auch ganz was anderes mache. Das ist aber eben auch eine Seite von mir und auch eine Möglichkeit, mich auszudrücken. Micha hat auch immer noch in verschiedenen Bands Schlagzeug gespielt. Also, das machen wirklich alle Musiker so, die ich kenne. Außer natürlich, es geht mit einer Band richtig durch die Decke, dann ist ja meistens auch keine Zeit mehr für was anderes.

Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass wir mit pretty mery k nie wirtschaftlich so erfolgreich waren, dass das alleine gereicht hätte. Wir machen also auch noch andere Sachen, um Geld zu verdienen.

Wenn ihr für eure Band einen Wunsch frei hättet, welcher wäre das?
Ruhm, Ehre, Reichtum. Das, was alle sich wünschen!

Also, mal im Ernst. Wir würden natürlich gerne mehr Leute erreichen mit unserer Musik, weil wir einfach sehr viel Liebe, Energie und Zeit da hinein stecken. Dann wäre es schon schön, wenn man irgendwann die Früchte ernten könnte. Aber wir wissen natürlich auch, wie viele andere gute Bands es gibt, denen es genau so geht.

Weitere Haus- und Studiobesuche findet ihr in der Rubrik – Hausbesuche! Tadaaaa!


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