Best Of 2018 Claudia MUSIKMUSSMIT Rückblick

War da was? Jahresrückblick 2018 | Claudia

Das Jahr 2018 wird in meine Geschichte eingehen als eines, das ich so leicht nicht vergessen werde. Denkste!

Text: Claudia Dünckmann | Foto: Corinna Sauer

Das Jahr ist so schnell an mir vorbei gezogen, dass ich mich noch nicht einmal daran erinnern kann, was ich im November getan geschweige denn gehört habe. Wenn überhaupt kann ich mich an die letzten beiden Wochen erinnern und damit bin ich schon großzügig. Um also einen ersten Anhaltspunkt meiner musikalischen Reise durch 2018 zu bekommen, öffne ich Spotify – mein alltäglicher Begleiter, meine Existenzsicherung, mein Toilettenpapier auf dem Klo, mein Fahrticket in der U-Bahn, mein Leitungswasser aus der Wand…kurzum: ohne Spotify läuft bei mir nix mehr.

Doch als ich die App öffne, bin ich erst recht durcheinander. Meine Künstler_innenliste ist so lang, dass mir nach dem Runterscrollen mein Zeigefinger wehtut. Von der Albumliste fange ich erst gar nicht an zu reden. Fündig werde ich trotzdem nicht. Ahnungslos auf die App starrend sehne ich mich zurück nach Schallplatten und CDs. Irgendwie war die Welt damals greifbarer und nachhaltiger – so mit Plastikhülle und Albumcover in den Händen. Langsam drängelt sich die Frage auf: Was ist eigentlich zwischen Schallplatten/CDs und Spotify passiert bzw. wie kann es sein, dass ich heutzutage ständig musikalische Höhenflüge habe, aber keine Orientierung?

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„Bierdeckelgroße blitzende Schallplatte“

Erinnern wir uns noch einmal. Anfang der 80er Jahre berichtete ein Journalist der Tagesschau: „Bei dieser bierdeckelgroßen blitzenden Schallplatte tastet ein Laserstrahl die Oberfläche ab. 40 Mark soll die Mini-Platte kosten. Das Abspielgerät rund 2.000 Mark.“. Die CD war geboren.

Als Zehnjährige sparte ich jeden Pfennig für Maxi-CDs (Preis pro Maxi lag bei 5 DM, umgerechnet 2,50 Euro). Ich reihte meine Musikheld_innen stolz wie Bolle im Regal aneinander. Und wenn sie nicht im Regal standen, dann spielte mein CD-Player sie im Repeat-Modus bis meine Mutter völlig entnervt in mein Zimmer rannte und mich anflehte, doch bitte eine andere CD einzulegen. Dazu gehörten u.a.:

 

  • Sugababes – „Overload“
  • Die Söhne Mannheims – „Und wenn ein Lied“
  • Echt –“Sag mal weinst du“
  • Reamonn – „Supergirl“
  • Nelly Furtado – „All Good Things“
  • Maroon 5 – „This Love“
  • Tic Tac Toe – „Ich find‘ dich scheiße“
  • Die Prinzen – „Millionär“

Von meiner Oma erhielt ich meinen ersten tragbaren CD-Player. Die Dinger waren echte Batteriefresser. Mein Batterieverbrauch war sogar so groß, dass ich irgendwann anfing, die kleinen Teile zu klauen. Was darin endete, dass ich mit 13 Jahren von zwei Polizisten nach Hause gebracht wurde: „Hallo Mama! Sorry, aber ich bin musiksüchtig und brauche meinen Stoff“.

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Paradigmenwechsel beim Musikkonsum

Bisher war ich immer der Meinung, Musik sollte von Menschen kuratiert werden, nicht einfach in Massen konsumiert. Aber blicke ich auf mein eigenes Hörverhalten, dann ahne ich Übles. Anstatt CDs in meinen Regalen, reihen sich nun meine Playlists aneinander. Das Hören eines/einer neuen Künstler_in, aber genauso auch das Wegklicken ist so einfach und beliebig geworden wie das Wegwischen von Tinder-Profilen – ja, nein, ja, ja, nein, oh ja und so weiter und so fort. So wird das Album ein kurzweiliges Massenprodukt. Dabei vergesse ich schnell, dass hinter der Musik Künstler_innen stecken, die viel Zeit und Ideen investierten. Ich habe mich von der Leichtigkeit und dem grenzenlosen Zugang zur Musik mitreißen lassen. Soweit, dass ich am Ende eines Jahres noch nicht einmal aus dem Stehgreif meine Lieblingsinterpret_innen nennen kann, sondern hilfesuchend Spotify öffne.

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Claudia D. / O.S.T

Oh wie schnulzig, oh wie wahr: Was mir am Ende eines Jahres bleibt, sind die Erinnerungen an emotionale Momente. Sie bleiben deswegen unvergesslich, weil es in meiner Welt zu jedem Höhe- oder Tiefpunkt immer die passende Musik gibt. Fast schon wie ein Musical, in dem ich die Hauptfigur spiele. Somit teile ich mit euch nicht nur meine schönsten Alben und Künstler_innen, sondern quasi meinen ganz persönlichen Soundtrack. Und als guten Vorsatz für‘s nächste Jahr steht bei mir ganz weit oben: mehr CDs und Schallplatten kaufen!

 
1. MAIN THEME

Queen – „I want it all“ (Single, 1989)

 
2. HAPPY

Matt Corby – „No Ordinary Life“ (Album, 2018)
Erdmöbel & Judith Holofernes – „Hoffnungsmaschine“ (Single, 2018)
Luwten – „Luwten“ (Album, 2018)
John Metcalfe – „Absence“ (Album, 2018)
Christine and the Queens – „Chris“ (Album, 2018)
Depeche Mode – „Spirit“ (Album, 2017)
LUCA – „Wales“ (Single, 2018)
Nils Frahm – „All Melody“ (Album, 2018)

 
3. HEULBOJENALARM

Scott Matthew – „The Great Untold“ (Album, 2018)
Keaton Henson – „Romantic Works“ (Album, 2014)
Avec – „What if we never forget“ (Album, 2014)
Gregory Alan Isakov – „Liars“ (Single, 2017)
James Vincent McMorrow – „True Care“ (Single, 2017)

 
4. ARSCHWACKLIG

Albin Lee Meldau – „About You“ (Album, 2018)
Korey Dane – „Chamber Girl“ (Album, 2017)
Surgeon – „Luminosity Device“ (Album, 2018)
Nils Wülker – „On“ (Album, 2017)
Radio Elvis – „Ces Garçons-Là“ (Album, 2018)

 
5. LICHTBLICKE

Yann Tiersen – „All“ (15. Februar 2019)
Ry X – „Unfurl“ (15. Februar 2019)
Charlotte Brandi – „The Magician“ (15. Februar 2019)


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