Berlin Syndrome Interview Konzert MUSIKMUSSMIT

Im Plausch mit: Berlin Syndrome

Konzert und Interview am 21. September 2016 im Auster Club (im Rahmen der Small Sessions)
Text, Interview und Foto: Nele Hinner

Vor einigen Wochen hatte ich die Möglichkeit, mit der wahrscheinlich bärtigsten Band zu plaudern, die die Alternative-Szene so zu bieten hat. Die Rede ist von – Trommelwirbel bitte – Berlin Syndrome! Fünf mehr als korrekte, unheimlich charmante Typen aus dem Großstadtdschungel Magdeburgs. Als sie am Abend des 21. September 2016 einen Gastauftritt bei den Small Sessions hatten (by the way eine der fabelhaftesten Musikveranstaltungen, die Berlin zu bieten hat.), verzauberten sie mal eben ihr Publikum – Sänger Graeme überzeugt mit seiner tiefen, rauchigen Stimme und rundet somit den rockig-deepen Sound der Band perfekt ab. Kurz und knackig: Es wird Zeit, sich mit den Jungs zu beschäftigen! Erfahrt im Folgenden mehr über die fünf Bärte – Wir lieben sie jetzt schon!

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Interview mit Berlin Syndrome

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Mit der Band kamen die Bärte – Meint ihr, irgendwann wird einer von Euch den Bart abrasieren oder wächst der mit Eurer Karriere mit?
Robert: Marvin…?
Marvin: Nee, ich kann ja nicht antworten (…)
(Das ist lustig, weil er als Einziger einen etwas mager wachsenden Bart hat.)
Robert: Die Bärte hatten wir tatsächlich schon vorher. Die waren zwar noch nicht so lang, aber sie waren eben schon da. Die sind aber sozusagen auch erst mit der Band gewachsen. Ist schon gut, weil es eben ein Wiedererkennungsmerkmal ist, das auf jeden Fall. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir sagen würden ok, wir müssen die Bärte haben, um in der Band zu sein. Graeme, do you wanna cut your beard? Maybe you want it shorter… Like, is it a rule for us to keep the beard whenever we play in the band?
Graeme: Haha no, why should that be a rule?
Mathias: Als wir unseren Vertrag gemacht haben, wurden wir gefragt, ob wir nicht so eine Regel mit einbringen wollen, dass sich keiner von uns den Bart abschneiden darf oder die Haare färben darf oder sowas.
Graeme: One reason why we never shaved our beards is because we all know what we look like without beards.

Aber schon auffallend, dass ihr alle solche Rauschebärte habt. Aber ihr habt Euch jetzt auch nicht wegen der Bärte gegründet und zusammengefunden; wie habt ihr Euch denn gefunden? Was war der Anlass?
Robert: Also Graeme und ich saßen mal vor Ewigkeiten in einer Küche zusammen, wo er dann Gitarre gespielt hat und das klang eben ganz schön krass. Dann haben wir lange Zeit überlegt, ob wir es machen und darüber gesprochen. Irgendwann meinten wir dann „ja, lass uns das mal tun.“ Dann kam der Zeitpunkt – das war glaube ich ein Jahr später, wo wir die Entscheidung getroffen haben, endlich mal eine Band zu gründen. Wir haben dann Marcel als weiteren Gitarristen gefunden, der hat mit mir zusammen angefangen zu studieren und dann haben wir die Beiden noch dazu geholt, Mathias am Bass und Marvin am Schlagzeug. Matze kam über Facebook, weil wir das damals da gepostet hatten und meinten „Wir brauchen dringend einen Bassisten, der Lust auf Musik machen in Richtung international hat“. Dann war er auf einmal da, hatte auf einmal einen Bart und einen Führerschein, konnte Klavier spielen und hatte ´nen Bass und dann haben wir gesagt „so, das passt perfekt.“ Und ja, dann haben wir überlegt, wen wir als Schlagzeuger nehmen, es war tatsächlich nicht ganz so einfach, Marvin zu finden. War schon so die Nadel im Heuhaufen. Und war eigentlich auch erst gar nicht geplant; der wollte uns nur am Anfang aushelfen.

Wie seid ihr auf den Namen gekommen, habt ihr irgendeine besondere Verbindung zu Berlin?
Robert: Graeme, it’s yours, why Berlin Syndrome, do we have any connections?
Graeme: I was picking Berlin as name because we are here in Germany I guess and it’s the closest big city, everybody knows it and the idea behind is more – It could have been any big city in the world, but we were close to Berlin and that’s the reason why we have chosen Berlin specifically.

Habt ihr sowas wie ein Ritual oder einen Glücksbringer?
Robert: Also der einzige Glücksbringer ist eigentlich Gin. Das ist auch das einzige Ritual, das wir haben, dass wir kurz vor der Show nochmal einen Kurzen trinken.
Mathias: Das klappt nicht immer, wir vergessen es auch oft.
Robert: Genau, manchmal ist es halt so, dass wir keine Zeit haben und der Gin eben noch irgendwo anders steht, wo wir dann vorher nicht noch hinlaufen können.
Mathias: Anfangs steht der immer noch im Proberaum. So wie der, den Robert mir zum Geburtstag geschenkt hat, den wir eigentlich mitnehmen wollten.
Robert: Ja, den haben wir wieder nicht mitgenommen! Aber sonst, also wenn wir ihn dabei haben, ist das immer so unser Ritual. Ansonsten macht halt echt so ziemlich jeder, was er möchte. Es gibt vor- und nach dem Auftritt mal so’n Highfive, aber ansonsten ist da nichts Spezielles. Also, dass wir nochmal Flunkyball spielen oder so, das machen wir nicht. Und einen Glücksbringer habe ich tatsächlich nicht. Das Einzige, was ich immer hoffe, ist, dass Graeme gut gelaunt ist, damit die Show gut wird.

Berlin Syndrome Interview Konzert MUSIKMUSSMIT

Berlin Syndrome und Nele

Welches ist Euer persönliches Lieblingslied von Eurer EP „All for the Good“?
Mathias: „Sorrow“, weil ich nicht weiß, warum wir den nicht mehr spielen. Ich mag den Song auch gerne hören, wir haben den lang nicht mehr gespielt, müssten wir mal wieder machen. Aber die EP ist ja auch schon zwei Jahre her und wir haben halt viele neue Songs geschrieben.

Also arbeitet ihr gerade auch noch an einem Album, so so. Wann können wir damit rechnen?
Graeme: When someone gives us 10.000 euros.
Marvin: Ja, das ist wirklich nicht so einfach, das erstmal zu finanzieren.
Mathias: Wir sind jetzt auch an dem Punkt, wo wir sagen können, dass wir Songs haben und dass wir das machen können. Wir wollten das auch schon eine Weile und sind seit diesem Jahr jetzt auch eigentlich immer auf der Suche nach Studios, haben auch mehrere Testsessions gemacht und haben uns eigentlich auch schon so fast für jemanden entschieden, mit dem wir es machen. Wir sind eigentlich dabei zu gucken, wie wir es realisiert bekommen, wo wir das Geld herkriegen und wie’s dann weiter geht.
Robert: Well Graeme, which one is your favorite song from our EP, that’s an interesting question.
Graeme: Probably „Turn the Lights off“ … ´cause I wrote it, haha. No, I don’t know. I just like the feeling of the song and we don’t play quite as often as awfully good and I also like „Sorrow“ and I like parts of „We remember well“ and yeah, probably it’s „Turn the Lights off“.

Habt ihr auf irgendwelchen Festivals dieses Jahr gespielt?
Robert: Dieses Jahr hatten wir gar nicht so viele, weil wir halt eigentlich auch schon in der Erwartung waren, dass wir im Sommer aufnehmen würden, was dann aber nicht geklappt hat, weil dann wieder Probleme da waren und dann hat sich das alles in die Länge gezogen. Deswegen war dann der Sommer relativ mau, was das anging. Jetzt gucken wir, was sich nächstes Jahr so ergeben wird, also spätestens zum Sommer hin wird dann ja das Album schon da sein und dann werden hoffentlich für nächstes Jahr noch ein paar Festivals reinkommen, wo wir dann spielen können. Das wäre ganz cool. Aber wir fliegen im Oktober ja auch noch nach Manchester und spielen dort auf der Indie-Week.

Was inspiriert Euch, wenn ihr Songs schreibt, habt ihr erst die Melodie und dann die Lyrics oder erst die Lyrics und dann die Melodie – Wie bastelt sich das Alles zusammen?
Robert: Das ist immer ganz unterschiedlich, also meistens bringt halt irgendwer irgendeine Idee mit, die wir dann im Proberaum mal so’n bisschen anspielen. Daraus entwickelt sich dann mehr, manchmal kommt es vor, dass einer einen ganzen Batzen dahin legt und sagt, hier das machen wir jetzt. Dann wird halt nur noch ein bisschen geübt und an kleinen Sachen geschraubt und die Texte macht halt meistens Graeme. Prinzipiell kann jeder alles machen, aber wir können auch zum Beispiel sagen, „Du, ich hab jetzt hier ´nen Text geschrieben, Graeme guck mal rüber“, dann legt er sich den irgendwo in die Schublade und bei irgendeinem Sound sagt er dann, ja das passt.
Mathias: Wir denken uns auch Parts für die anderen Instrumente aus, wenn wir gerade Ideen haben. Wenn jetzt jemand weiß, „ah da würde jetzt dieser Schlagzeugbeat passen“, dann kann man das ja einbringen oder da wäre es cool, wenn der Bass das und das spielt oder die Gitarre das und das, sodass man sich halt nicht nur seinen eigenen Kram ausdenkt, sondern auch das Big Picture so ein bisschen macht.
Robert: Das Galileo Big Picture, haha. Manchmal ist es eben auch nur einfach ein Jam, wenn wir im Proberaum sind, spielen uns halt gerade warm und dann ist da irgendwas dabei, wo wir uns sagen, „oh, das war ganz schick“.
Marvin: Manchmal sitze ich auch einfach nachts rum, morgens um drei und bastel an irgendeinem Beat und dann bin ich am nächsten Tag wahnsinnig verpennt, hatte aber vielleicht ´ne gute Idee – oder auch nicht – und das wird dann manchmal umgesetzt.

Fünf Platten, die Eurer Meinung nach in jeden Plattenschrank gehören und nicht fehlen dürfen:
Robert: Berlin Syndrome – All for the Good
Mathias: Unknown Pleasures von Joy Division
Marvin: Antidotes von Foals und ich weiß nicht, die Platte von Alt-J auch ganz cool, das erste Album von denen.
Graeme: Turn on the Bright Lights by Interpol, The Queen is dead by The Smiths and Unknown Pleasures by Joy Division

Habt ihr Ziele für die Zukunft bzw. wo seht ihr Euch in 10 Jahren?
Robert: Also in 10 Jahren würde ich das Melt! endlich mal spielen wollen, weil diese Location dort so geil aussieht. Für mich wär’s einfach schön, in 10 Jahren zu wissen, dass ich damit mein monatliches Einkommen habe, dass ich davon leben kann und gleichzeitig Spaß daran haben werde, das wäre schon ziemlich geil. Das muss nicht mal unbedingt der übelste Ruhm und Fame sein, es reicht mir halt schon, wenn ich weiß, dass ich meine Miete davon bezahlen kann, vielleicht noch ein bisschen oben drauf. Wobei der Fame natürlich auch geil wär‘, haha.

Sonstige Termine: 19.11.2016 auf dem MüDiWa Festival Neckargemünd, Altes E-Werk Neckargemünd



'Im Plausch mit: Berlin Syndrome' ist bisher ohne Senf.

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