Cover Black Sabbath Paranoid

Album-Tipp: „Paranoid“ (1970) von Black Sabbath

Gleich beim ersten Hören war mir jedoch klar, dass „Paranoid“ seinen Ruf als Meilenstein der Rock-Geschichte verdient hat.

Text: Arian Hagen

Inhalt

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Paranoid: Ein Meilenstein der Musikgeschichte

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Paranoid ist ein Album-Klassiker, mit dem ich erst vor einigen Jahren in Berührung kam. Gleich beim ersten Hören war mir jedoch klar, dass „Paranoid“ seinen Ruf als Meilenstein der Rockgeschichte verdient hat. Es ist zwar nicht unbedingt eins meiner persönlichen Lieblingsalben, aber sollte ich eine Liste mit den „besten“ Alben aller Zeiten zusammenstellen, würde ich es sehr weit vorn erwähnen. Für seinen Musikstil ist es einfach perfekt umgesetzt. Die Band hatte einen damals neuartigen Stil, der hier auf 8 großartigen Liedern vorgestellt wird, die textlich und musikalisch passend miteinander verknüpft sind.

Da dieser Stil so einflussreich werden sollte, eignet sich „Paranoid“ so heute als ein Paradebeispiel für ein Heavy-Metal-Album. Bevor ich genauer auf die Musik und den musikhistorischen Kontext eingehe, will ich darauf aufmerksam machen, dass ich es generell beeindruckend finde, dass die erste Hälfte des Albums mit „War Pigs“, „Paranoid“ und „Iron Man“ schon drei DER Heavy-Metal-Lieder und Gitarrenriffs schlechthin enthält und die Band es trotzdem geschafft hat, die zweite Hälfte des Albums noch stärker zu machen als die erste.

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Kontext und Einfluss

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Ein bisschen Kontext: Paranoid erschien 1970, zwischen 1967 und den frühen 70ern gab es in der Rockmusik eine Explosion an verschiedensten neuen Bands und Stilen. Während sich die Beatles von braven Beat- zu psychedelischen Konzeptalben trauten, arbeiteten The Who mit immer aufwendigeren Instrumentierungen und Liedformen. King Crimson gingen in eine ähnliche Richtung und schufen etwas, das später Progressive Rock genannt werden sollte. Led Zeppelin schrieben heftigere Hard-Rock Lieder, The Velvet Underground kreierten eine Grundlage für späteren Art Rock und Captain Beefheart lässt Hörer_innen bis heute wundern, ob er mit „Trout Maks Replica“ ein avantgardistisches Meisterwerk oder ein dadaistisches Blues-Rock-Disaster veröffentlicht hat. Kurz um, Rock wurde psychedelischer, härter und progressiver.

Mit diesen Adjektiven lässt sich auch Paranoid beschreiben. Black Sabbath spielt harte und unglaublich eingängige Gitarrenriffs in Blues-Tonleitern. Ihre Liedformen beinhalten längere Soli-Abschnitte, die man, aufwendiger instrumentiert, aus Progressive-Rock Liedern kennt.

 

 

Als psychedelisch könnte das hypnotische, ruhige „Planet Caravan“, die sparsam eingesetzten Stimmeffekte und Ozzy Osbournes häufig von Drogenerlebnissen inspirierten Texte bezeichnen. Es ist Hard-Rock, aber noch düsterer und lauter. Die Band spielt zwar Lieder, aber Ozzy´s Gesangs-Passagen scheinen nicht mehr im Fokus zu stehen als die Instrumente. Gleich mehrere moderne Metal-Subgenres werden hier vorgestellt. Die massentauglichen, bombastischen Singles wie „Iron Man“ oder „Paranoid“ sind Heavy-Metal Klassiker. Die von Drogen beeinflussten Lieder wie „Planet Caravan“ könnten als Frühform von Stoner-Rock und Metal gesehen werden. Und das langsame, schleichende Riff, sowie die drückende Atmosphäre von „Eletric Funeral“ erinnern an den sogenannten Doom-Metal.

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Eine gute Einführung für jede_n Metal-Interessierte_n

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Der Stil, in dem die Band hier spielt, gilt als der Ursprung für Heavy-Metal. Die Stücke sind hart und düster, aber trotzdem halte ich das Album für unglaublich unterhaltsam. Für heutige Verhältnisse ist das Album mit Sicherheit nicht das komplexestes Metal-Album, jedoch schätze ich hier ausnahmsweise die fast stumpfe Einfachheit der Riffs. Sie funktionieren im Kontext der Lieder einfach so gut. Und ich fordere jede_n heraus, eingängigere Gitarrenriffs zu schreiben. Mir gefällt diese Mischung, aus dem damals innovativen Stil und der gleichzeitigen Einfachheit und Verständlichkeit der Musik.

Das technische Können der Band ist im Vergleich zu Bands wie King Crimson weniger verblüffend, aber in den Solo-Passagen präsentiert jedes Bandmitglied genug davon, um es spannend zu machen. Ozzys Gesang bekommt durch seine Stimme und die ebenso eingängigen Gesangsmelodien Ohrwurmcharakter. Wenn man ein Album als eine Zusammenfassung von dem Können und Stil einer Band sieht, die eine in sich schlüssige musikalische Reise darstellt, erfüllt „Paranoid“ diese Aufgabe brillant. Ich kann nur immer wieder die eingängigen Melodien erwähnen, denn die geben „Paranoid“ eine gewisse Zeitlosigkeit und sind ein Alleinstellungsmerkmal, welches das Album zu einer so guten Einführung in den Heavy-Metal Stil machen.

 

 

Da die Melodien so einfach verständlich sind und das gesamte Album für keinen Moment schwächelt, stell ich es mir als eine Art Suite vor, die z.B. auch als klassische Komposition aufgeführt werden könnte, ohne dass die Melodien an Charme verlieren würden. Natürlich ist der Klang der E-Gitarren aber entscheidend und macht sie nur noch wirkungsvoller. Ich schätze als Komponist das Können der Band, auch Bassmelodien und Schlagzeug-Grooves einen großen Wiedererkennungswert zu verleihen.

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Überraschend politische Texte

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Nachdem ich die Texte verstanden hatte war ich überrascht, dass es sich bei Black Sabbath um eine britische und keine amerikanische Band handelt. Ozzy singt über die Kubakrise und die atomare Bedrohung, die Folgen des Vietnamkrieges und die psychedelischen Drogen der Hippie-Bewegung. Diese Themen verursachen insgesamt das Gefühl, dass mit dem Titel „Paranoid“ beschrieben wird. So ist das Album überraschend politisch und funktioniert auch auf textlicher Ebene als eine Zeitkapsel für sein Erscheinungsjahr. Die Ernsthaftigkeit der Texte verändert meine Wahrnehmung des Albums, das durch die simplen Riffs einen teilweise fast kindlichen, stupiden Charakter hat.

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Fazit: Eine musikalische und politische Zeitkapsel

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Insgesamt hat die Band hier einfach alles richtig gemacht. Sie stellen uns in schön knappen 42 Minuten eine neuartige Spielweise vor, die sie in 8 eingängigen Liedern zusammenfassen.  Gleichzeitig sind die einzelnen Titel massentauglich und haben dennoch eine textliche Tiefe. Die Band präsentiert gelungen ihr Können als Instrumentalisten und Songwritern. Kein Lied sticht als ein Schwächeres heraus. Das Album bleibt durchgängig unterhaltsam, auch wenn andere großartige Alben häufig eine größere Klangvielfalt aufzeigen können. Als Gesamtkunstwerk zeigt „Paranoid“ ein perfektes Abbild einer Band zu einer bestimmten Zeit, dem Anfang eines neuen Musikstiles, dem Gefühlszustand eines jungen Mannes und sicherlich vielen Menschen im politischen Klima um 1970 und die Entwicklung der Rockmusik zur selben Zeit.


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