Ida Gard

Konzertbericht: Ida Gard in Berlin

2 Alben und eine große Portion Talent und Humor

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Ida Gard Drums

Konzert am 06. Dezember 2014 im Crystal Club
Fotocredits Beitragsbild: Deborah Lopez

What? Kann nicht sein. Doch. Und ich bin hin und weg.
Das war mal wieder so ein Konzert, wie ich sie liebe und am liebsten erlebe: lauschige Location, durchmischtes, wie sagt man, heterogenes Publikum (aus jeder Altersgruppe was dabei), gute Sicht auf die Bühne, kluge Musik und kommunizierfreudige Künstler_innen, die ein paar lustige Anekdoten zu erzählen haben. Die trotz Erfolg und Professionalität noch aufgeregt sind, wenn sie die Bühne betreten und auf dem Boden geblieben sind. Das alles ist und vermittelt Ida Gard aus Dänemark, deren Tour gestern im Crystal Club endete. Nut geht es in die wohlverdienten Weihnachtsferien, bevor sie im Februar nach Deutschland zurückkehrt. Einige Infos über Ida und ihren musikalischen Werdegang findet Ihr auf Idas Homepage.

Im Crystal Club war ich bisher noch nicht und freute mich darauf, einen neuen Konzertsaal kennen zu lernen. Auf dem Weg dorthin passierte ich die Columbiahalle, deren Türen geöffnet waren und mir einen Wind aus Bierfahne, Schweiß und Rauch um die Nase blies. Wummerndes Gedröhn irgendeiner Deutschgangstarapband malträtierte meine Ohren. Schnell weiter Richtung C-Club. Ähnliche Zustände, F**k, wo bin ich hier gelandet? Da kann unmöglich Ida Gard drin sein. Der Crystal Club, ganz versteckt, grenzt direkt an den C-Club, was an diesem Abend echt nicht wünschenswert war, da besagter Deutschgangstarapshit immer wieder den Weg in den kleinen Club fand. Krasses Kontrastprogramm, Alter!

Ida Gard Berlin Crystal Club

Der Crystal Club ist so klein und übersichtlich, dass es keine handelsübliche Konzertgarderobe braucht. Die Jacken wurden einfach an die Kleiderstange gehängt, die schließlich unter der Last der Wintermäntel zusammenbrach, haha! Kommen wir zum Auftritt: Ida hielt es schlicht und hatte lediglich Unterstützung von einer Dame am Schlagzeug (Anne Kirstine Winkler) und ihren Gitarren. Das hat auch völlig gereicht und mir wurde mal wieder bewiesen: es braucht nicht viel an Instrument, um gute Musik mit Herz zu machen, die einen abholt, mitnimmt und beseelt in das Mistwetter entlässt. Gekonnt verknüpft sie alltäglich Erlebtes mit Ironie, Humor und Sarkasmus und unterlegt das Ganze mit auskeglügelten Melodien und passenden Riffs, mal in E-Gitarren und mal in Konzert- bzw. Westerngitarren-Qualität. Nie schrill, übermäßig laut oder übertrieben.

Mit einigen Anekdoten im Gepäck verriet sie uns ein paar Details darüber, wie die Lyrics einiger Songs entstanden sind und was sie in den  letzten Tagen über die deutsche Kultur gelernt hat: da gibt es den Nikolaus, den sie nicht kannte und der ihr auch nichts in den Stiefel steckte, die unverständlichen Streitigkeiten zwischen Köln und Düsseldorf und dass ein Haarschneider eigentlich ein Friseur ist. Alle ihre Lieder entsprechen der Wahrheit, fast nichts ist erfunden, meistens. Wenn Ihr mehr darüber wissen möchtet besucht ihr Konzert, sie wird es auch sicherlich Euch verraten. Das Publikum sichtlich begeistert von ihrem Auftritt bettelte um Zugabe, welche gleich mehrmals gewährt wurde.

Nach dem Konzert drängten sich die Fans am CD-Stand, um ebendiese zu erwerben und ein Autogramm oder Foto mit Ida abzusahnen. Ich habe lange nicht mehr erlebt, wie sich Fans nach einem Gig so um eine Künstlerin scharrten. Es waren nicht viele Menschen dort, aber die, die da waren, wollten auch (fast) alle ein Autogramm. Toll. Sogar meine Begleitung war kurz davor, ihr die Hand zu schütteln, um „Danke“ zu sagen. Sie ist nun noch mehr Ida-Fan. Ich im Übrigen auch. Ach ja, auf dem Weg hinaus wurden wir noch mit einem kleinen Rap verabschiedet, der ging in etwa so: „…und ich mach ´nen Posta von Europa…“

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Probier´s doch auch mal mit: Jonathan Kluth oder Enda Gallery.

Fakten

Alben
2013 – Knees, Feet & The Parts We Don’t Speak Of
2014 – Doors

Termine
13.02.15 Bad Homburg – Speicher
14.02.15 Ravensburg – Studio 104
19.02.15 Bielefeld – Bunker Ulmenwall
20.02.15 Gera – Comma
24.02.15 Münster – im Hot Jazz Club
25.02.15 Unna – Kühlschiff
26.02.15 Hannover – Lux



'Konzertbericht: Ida Gard in Berlin' have 5 comments

  1. 1. November 2018 @ 15:10 Im Interview: Ida Gard + Konzertbericht (Berlin) + Tourdaten

    […] Musikerin Ida Gard erzählte, die sie bereits im letztes Jahr erstmals live erlebt hatte (lest hier ihren Konzertbericht). Ich war gespannt auf diese Künstlerin, von der ich hörte, dass sie nicht nur gute und kluge […]

  2. 3. März 2017 @ 11:03 Entdeckungen 2014 - Eine Playlist

    […] Bees Temples Burn Antares TSUN Israel Nash Gripka Jennie Abrahamson She Keeps Bees Boy & Bear Ida Gard Matthew E. White Sarah […]

  3. 6. März 2016 @ 20:46 Im Interview: Ida Gard + Konzertbericht (Berlin) | MUSIKMUSSMIT

    […] Musikerin Ida Gard erzählte, die sie bereits im letztes Jahr erstmals live erlebt hatte (lest hier ihren Konzertbericht). Ich war gespannt auf diese Künstlerin, von der ich hörte, dass sie nicht nur gute und kluge […]

  4. 20. Februar 2016 @ 21:16 Konzert-Tipp: Ida Gard | Neues Album "Womb" + Tour | MUSIKMUSSMIT

    […] Konzertbericht: Ida Gard in Berlin […]

  5. 29. Januar 2016 @ 15:21 Berlin – Konzerte + Veranstaltungen im Februar | Eine Übersicht | MUSIKMUSSMIT

    […] Ida Gard // Fr, 19.02.2016 // 20.00 Uhr // Privatclub (ca. 19 Euro) […]


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