Album Cover Inner Song von Kelly Lee Owens

Album-Tipp: „Inner Song“ (2020) von Kelly Lee Owens

Die 32-jährige Produzentin und Sängerin perfektioniert darauf ihren originellen Klang. Owens macht geschickt  aus wenig sehr viel.

Text: Arian Hagen

Kelly Lee Owens veröffentlichte 2017 ihr vielversprechendes Debütalbum und machte sich mit ihren kreativen Kombinationen von atmosphärischen Dream-Pop-Liedern und clubfreundlichen Beats in kurzer Zeit einen Namen in der Musikwelt. So folgten seit der Veröffentlichung des spannenden Debüts offizielle Remixe für Größen wie St. Vincent und Björk und zuletzt „Luminous Beings“, eine Zusammenarbeit mit Jon Hopkins.

Ihr lang erwartetes Nachfolger-Album, „Inner Song“ erschien am 28. August 2020 auf dem Label „Smalltown Supersound“. Die 32-jährige Produzentin und Sängerin perfektioniert darauf ihren originellen Klang. Owens macht geschickt aus wenig sehr viel. So sind ihre schlichten, kühlen Produktionen gleichzeitig auch wahnsinnig lebendig und geben dem/der Hörer_in das Gefühl in einen Mikrokosmos eintauchen zu können, der ganz allein Kelly Lee Owens gehört. Auf „Inner Song“ haben wir nun auf 10 Stücken die Chance, diesen besser kennenzulernen.

Das Album beginnt mit einer instrumentalen Coverversion des Radiohead Liedes „Weird Fishes (Arpeggi)“, welches dieses Jahr bereits ein souliges Cover von Lianne La Havas erhielt. Dem Original wird auch Owens Version nicht gerecht, aber das Instrumentalstück ist ein passender Einstieg in die Odyssee, die uns bevorsteht. Stücke wie die beiden Singles, „On“ und „Night“ vereinen alles, was Kelly Lee Owens ausmacht: Die tiefen Bässe und verspielten, bildlichen Klänge ihres Korg Mono/PolySynthesizers, sowie dumpfe Drums und synthetische Streicher-Sounds sind stilgebend für ihr minimalistisches Klanggewand. Ihre düsteren Beats verbinden Einflüsse von Techno, sphärischem Pop und Hip-Hop und stehen im Kontrast zu Owens klarer, hoher Stimme.

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Häufig brechen die Stücke zwischen melodischen Gesangspassagen mühelos in tanzbare Abschnitte um, die die Träume jedes/jeder Clubbesucher_in erfüllen. Auch die Momente, die perfekt auf den Tanzflächen funktionieren, verleiht die Produzentin eine tiefere Bedeutung: Auf dem sperrigen und harten Techno-Track „Melt“ verarbeitet sie Samples von zerbrechendem Eis und sieht die Single als Kommentar zum Klimawandel, das euphorische „Jeanette“ verbleibt beständig auf einer euphorischen Synthesizer-Sequenz und fungiert als Hommage an das Leben der Großmutter der Musikerin.

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Das fantastische „Re-Wild“ zeigt eine Seite der Künstlerin, die auf ihrem ersten Album nicht zu hören war. Owens singt in R’n’B-Manier über einen lässigen Trap-Beat. Die Einflüsse der beiden Stile sind eine willkommene Abwechslung und werden von Owens geschickt in die Klangwelt des Albums eingefügt. Das längste Stück “Corner Of My Sky” bietet einen atmosphärischen Ruhepol und beinhaltet einen verwunschenen Spoken-Word Part von keinem anderen als der Velvet Underground-Legende Jon Cale.

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Vor dem großen Finale haut Owens dem/der Hörer_in den minimalistischen Beat „Flow“ um die Ohren. Das bearbeitete Hang-Drum-Sample und die synkopierten Rhythmen erinnern am ehesten an frühe Alben von Autechre, klingen aber auch wieder unverwechselbar nach Kelly Lee Owens. „Wake-Up“ ist schließlich das perfekte Outro. Es klingt sowohl nach einer zufriedenen Retrospektive, einer ereignisreichen Reise als auch nach einem vorfreudigen Neuanfang.

Insgesamt hat Kelly Lee Owens mit „Inner Song“ das Potenzial, was auf ihrem aufregenden Debütalbum zu spüren war, ganz erfüllt und eines der erfrischendsten und rundesten Alben von 2020 geschaffen.



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