Im Plausch mit: Buddy Buxbaum

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  • Beitrag zuletzt geändert am:7. Februar 2017
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Und dann hab ich irgendwann so einzelne Lichtblitze aus irgendwelchen Tagen von mir und die schmücke ich zu einer konkreten Welt aus […]

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Interview & Foto: Friederike Suckert

Eine Rückkehr mit Groove

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Der Hamburger Jung und Mitbegründer von „Deichkind“ Buddy Buxbaum ist solo unterwegs. Sieben Jahre nach seinem Ausstieg aus der Erfolgscombo, die ihm zu technoid geworden ist, ist er jetzt mit seinem Soloalbum „Unkaputtbar“ zurück. Die Mischung aus Funk und Hip Hop ist entspannt und klingt tatsächlich manchmal so, als ob Buddy nach dem Ausstieg einen ganz schönen Hänger gehabt hätte. Hatte er aber nicht. Er hat als Produzent gearbeitet und irgendwie nach und nach das Material für seine Platte gesammelt, die durch seine Reibeisenstimme unverwechselbar geworden ist.

Und weil der Neuanfang schon spektakulär ist, hat er eine Sonderedition auf Vinyl pressen lassen: Zwei Songs eine Single. Großartig!

Was mich gleich als erstes interessiert: Warum Buddy Buxbaum? Ist das nicht der Junge aus der „Unendlichen Geschichte“? (Anmerkung: Er heisst nur Bastian Bux.)
BB: Aus der „Unendlichen Geschichte“? Gibts da auch einen Buxbaum?

Ich meine schon.
BB: Nee, bei mir war das viel einfacher, weil ich als DJ unterwegs war und da meinen ganzen Afro-Funk aufgelegt hab und dann war das klar, dass ich mit meinem grünen Buchsbaum in die Schublade gesteckt werde. Und den habe ich seit 2005 als DJ-Name. Hat bloß irgendwie keiner mitgeschnitten, weil ich bei Deichkind immer nur als Buddy unterwegs war. Und dann kam jetzt noch Buddy Inflagranti dazu, da herrscht jetzt die komplette Verwirrung. Aber eigentlich heiße ich seit 2005 Buxbaum.

Ich finde, das Album klingt so, als hättest Du die letzten sieben Jahre nach Deichkind einen Durchhänger gehabt, was ja natürlich nicht stimmt, denn Du warst ja viel als Produzent unterwegs. Manche Songs klingen aber wirklich so, als hättest Du rumgehangen, schlecht geschlafen und so. (Buddy lacht.) Wenn man dann so einen Hänger hat, wann kommt denn da der Moment, in dem man sagt: „So, das schreib ich jetzt aber mal auf.“
BB: Nenn mal die Nummern, die Dich da jetzt drauf gebracht haben?

„Roulette“, in dem Du nicht schlafen kannst, dann das mit dem Amt…
BB: Ich mach ja immer so Welten auf. Ich geh von der Musik aus und schreib darauf die Texte und lass mich immer auf die Stimmung ein, die das Lied vorgibt. Und dann hab ich irgendwann so einzelne Lichtblitze aus irgendwelchen Tagen von mir und die schmücke ich zu einer konkreten Welt aus, sodass man dann auch, wenn der Song anfängt, komplett reingezogen wird. Das ist nicht alles autobiografisch! Einerseits sitz ich ja da nicht sieben Jahre für 14 Songs, andererseits ist das natürlich auch nach Tagesform in verschiedenen Situationen entstanden. Und da kommt jetzt dieser Gesamteindruck, deswegen finde ich es lustig, dass es auf Dich so wirkt, als wäre ich durchgehend so ein Chiller mit Schlafstörungen.

Nein, das denk ich nicht. Nur „Roulette“ versteh ich sehr gut, da ich selbst auch immer mit Schlafstörungen kämpfe.
BB: Ja? Das war der letzte Song und da war ich tatsächlich in so einer Phase, in der ich die ganze Zeit, um fertig zu werden mit dem Album, jeden Song bis in die Nacht durchziehen musste. Und da war das ziemlich passend, das Thema. Aber an sich schlaf ich gut. Wie ein Stein.

Sehr gut. Das freut mich natürlich. Das Video zu „Ballast“, das ist dann auch eher eine Stimmung oder ist das persönlich?
BB: Ich bausch das ja immer etwas mehr auf, damit das Feeling auch rüberkommt. Aber das war auf jeden Fall eine autobiografische Pechphase, wo an einem Tag am Stück einfach nichts klappen wollte und ich es trotzdem durchziehen musste und mir gute Laune bewahren musste. Daraus ist dann irgendwann dieses Bild geworden und der Song mit dieser Stimmung und dann mit Peter Behrens (Anm. d. R.: ehemaliger Schlagzeuger der Band „Trio“. Sein Leben ist von riesigem Erfolg und immensen Rückschlägen geprägt.) als beste Übersetzung, um dieses Gefühl auf den Punkt zu bringen. Mit dem Schwarz/Weiß-Video hat er dann auch gleich ein Kino-Fass aufgemacht. Es ist persönlich, aber nicht so dramatisch.

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Und bei „Medizin“? Hattest Du es schwer mit der Motivation?
BB: Also, ich bin ein Sportmuffel. Und für das Video musste ich mich ganz schön viel durch die Welt bewegen, das war auch wieder ein ganz schöner Aufriss. Das war ja auch alles in Eigenregie mit einem guten Freund, der auch Regisseur ist und wir sind schon lang unterwegs gewesen, um die ganze Geschichte in Bilder umzusetzen und wir sind dementsprechend viel gereist.

Du warst ja all die Jahre busy als Produzent, wie kam es dann zu dem Album? Hast Du das eh schon alles über die Zeit so für Dich als Buddy Buxbaum geschrieben oder gab es dann einen Startschuss wie „Jetzt mache ich ein Album!“ und dann hast Du abgeliefert?
BB: Tatsächlich habe ich gesammelt. Verschiedene Layouts, weswegen die auch alle nicht in die eine Kerbe hauen, von Hip Hop bis Reggae oder Rock. Das habe ich gesammelt und dann selbst einen Piloten eingesungen, obwohl ich ja eigentlich kein richtiger Sänger bin. Ich habe versucht, für andere diese Songs rund zu kriegen und dann haben mich ein paar meiner Jungs angesprochen und meinten, dass das alles doch schon gut zu mir passen würde und dass ich ein Album daraus machen sollte. So habe ich dann wirklich gezielt daran gearbeitet. Und so ist es auch ein Buddy Buxbaum-Album geworden, da es durch mich als roten Faden zusammenhängt, egal wie unterschiedlich die Athmos oder Moods oder Beats sind.

Findest Du es aufregend so alleine?
BB: Ja, ist spannend! Auf jeden Fall. Jetzt fängt ja wieder etwas komplett anderes von vorne an.

Ich find Dein Album ja schon recht funky. (Er lacht.) Wo kommt das bei Dir her? Deine Wurzeln sind ja eigentlich im Hip Hop.
BB: Ich habe klassisch mit Hip Hop angefangen, mit Public Enemy. Bzw. Public Enemy hat mit mir angefangen. Und dann ging das alles mehr so in die Groove-Ami-Beat-Geschichten und dann hab ich als Produzent natürlich die ganzen Samples-Kisten gehabt. Dadurch hab ich dann beim Durchhören immer mehr diesen ganzen Library-Jazz und irgendwelche Funk-Scheiben entdeckt und mich hat es dann interessiert, wo das herkommt. Später habe ich auch mal die ganzen Songs gehört und nicht nur die Passagen gesucht, aus denen man was machen kann. Ich habe mir die Strukturen angesehen und so bin ich dann eher in der handgemachten klassischen 60er und 70er-Mucke zu Hause und höre das in meinem iTunes-Random-Player querbeet. Ich lasse mich davon inspirieren und so kommt dann dieser Mischmasch aus Country, Blues und Funk heraus. Hip Hop ist ja auch noch mit dabei. Wenn ich dann aber mit meinen Live-Mucker-Freunden zusammen bin und wir da noch Gitarre und Bass drauf spielen, dann haben wir das Problem, dass es wie aus dem Übungsraum klingt und dass wir das dann wieder kaputt machen mussten, damit es wieder nach Studio und Hip Hop klingt. Es schmilzt halt alles zusammen, wenn man live drüber spielt, über meine klassischen gesampelten Hip Hop Beats, durch das ganze organische Drumherum klingt das wie eine Band.

Cool, oder?
BB: Wundert mich auch immer wieder, wie das vom Effekt her funktioniert.

Spielst Du denn auch ein Instrument?
BB: Ich spiel ein bisschen Percussion, Keys und Slide Guitar. Die ganzen Beats sind auch von mir selbst live eingespielt, mit Midi-Tasten und nicht wirklich am Schlagzeug. So richtig virtuos bin ich nicht. Ich komme eher von der Computermucke.

Und lass uns doch mal über dieses Schmuckstück hier sprechen? Sind das alle Songs einzeln auf Vinyl gepresst?
BB: So verrückt bin ich, ja.

Das ist echt geil.
BB: Schau Dir das mal an. Und da kann ich dir auch so einiges drüber erzählen, Du!

Wer hat denn die Fotos gemacht?
BB: Also, hauptsächlich Benne Ochs, das ist eigentlich ein Fotograf, der mehr so aus der Buch- und Kunstszene kommt und macht nicht Plattencover. Das war ein Experiment, dass man halt nicht so die typischen Fotografen nimmt, die man so kennt oder die das täglich machen. Und der zweite ist Mathias (Matze) Knoppe.

Den kenn ich vom Namen her.
BB: Auch Ex-Berliner, jetzt in Hamburg?

Hm, ich habe es nicht so mit Namen.
BB: Der ist auch relativ bekannt, der macht sehr viel in Schwarz/Weiß.

Aaah, cool. Und wie lang habt ihr dran gesessen? Die Fotos an einem Tag gemacht?
BB: Nee, die Fotos sind über die ganze Zeit entstanden. Wenn die mal Zeit hatten, haben wir mal hier und da welche gemacht. Und an der Grafik und dem zusammenbasteln saßen wir jetzt bestimmt ein halbes Jahr.

Das wird dann aber eine Very Very Special Edition, oder?
BB: Das ist jetzt die Berliner Edition, da steht ja die 030 auf dem Rücken. Und es wird 555 geben.

Gute Idee. Und warum eigentlich „Unkaputtbar“?
BB: Weil das Album niemals kaputt geht. Also, die Musik. Die Verpackung kann weg, deswegen ist die nicht besonders hübsch und nur aus Karton.

Ich dachte, das soll von der Haptik her später vielleicht abgegriffen, geliebt und benutzt aussehen. Schöne Idee. War es schwer einen Produzenten zu finden?
BB: Nein, aber die Faltung des Schubers und so, das war tricky.

Findest Du es gut, dass man heute als Musiker etwas ganzheitlicher arbeiten muss? Am Layout und allem?
BB: Ich mag das. Ich finde die Entwicklung gut. Bloß könnte man wie ein Kraken 15 oder 16 Hände mehr am Körper gebrauchen.

(Kurze Unterhaltung mit dem Manager über Interviews und was noch alles kommt.)
BB: Noch gehts ja, noch hält die Stimme. Aber beim Gesang wird’s langsam schwierig, da blubbert’s so vor sich hin. Ich brauch jetzt langsam einen Vocal Coach, damit ich nach dem zweiten Song noch einen Ton rausbringe.

Stimmt! Bist Du ja gar nicht gewöhnt als Hip Hopper.
BB: Luft und Technik und Durchhalten, das kann ich. Aber die Technik mit den Stimmbändern… Wenn du da die ganze Zeit laut bist und einen Ton unkontrolliert raus lässt und die ganze Zeit schreist, dann ist der Ton weg. Und da muss ich aufpassen, denn ich bin einfach kein gelernter routinierter Sänger.

Klar, wo soll das auch herkommen, wa?
BB: Unter der Dusche, das reicht noch nicht.

Hast Du schon immer unter der Dusche gesungen?
BB: Nee, da pfeif ich eher.
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Das Album „Unkaputtbar“ ist am 14. August 2015 erschienen. Am 29.08.2015 ist Buddy für Mecklenburg-Vorpommern beim Bundesvision Song Contest angetreten.

Konzerttermine:
Hamburg – 07.02.2016
Bremen – 02.04.2016
Hamburg – 02.07.2016

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Weitere spannende Interviews findet Ihr hier.

Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.

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