Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

Festivalbericht: Primavera Sound in Barcelona | Mit: Björk, Fever Ray & Slowdive

Primavera Sound Festival vom 30. Mai – 03. Juni 2018 in Barcelona
Text und Fotos: Yvonne Hartmann

Nachdem ich 2017 mit dem Sziget Festival in Budapest meine Leidenschaft für die Kombi „Festival – Citytrip“ entdeckt habe und es in 5 Jahren Spanienaufenthalt nicht einmal nach Barcelona geschafft habe (ja – Schande auf mein Haupt), ging es dieses Jahr zum Primavera Sound in die kosmopolitische Hauptstadt Kataloniens. Das fünftägige Festival an der Ostküste Spaniens gewann in den letzten Jahren durch seine spektakuläre Location, aber nicht zuletzt durch seine abwechslungsreichen und hochkarätigen Line-Ups internationale Anerkennung und ist heute eines der größten und beliebtesten Festivals Europas.

Inhalt

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AUFWÄRM-PROGRAMM

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Nachdem ich mich nach meiner Ankunft in Barcelona mit einem Fahrrad (unbedingt empfehlenswert – die Stadt bietet ein sehr gutes Radwegsystem) und meinem Pressepass ausgestattet hatte ging es zu einer der Aufwärmveranstaltungen des Primavera Sound 2018 (PS18) in den Club Sala Apolo. Der zweistöckige Club im In-Viertel Poble Sec war mit seinem Rahmenprogramm beliebter Anlaufpunkt für eine Reihe von Konzerten abseits des Festivalgeländes im Parc del Fórum.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

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TAG 1 – GELÄNDECHECK

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Der erste offizielle Festivaltag im Parc del Fórum bot unter anderem mit Wolfparade, Belle & Sebastian und Mavi Phoenix einen guten musikalischen Einstieg und ließ genügend Zeit, um sich einzugrooven und sich einen Überblick über das Festivalgelände zu verschaffen.

Auf 14 Bühnen standen im Parc del Fórum internationale Künstler_innen verschiedenster Genres auf dem Programm. Die drei großen Hauptbühnen (Mango, SEAT und Primavera) beheimateten keine geringeren Namen als Björk, Nick Cave And The Bad Seeds, A$AP Rocky, Fever Ray, CHVRCHES oder Slowdive.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Fever Ray

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Fever Ray

Hinter der Primavera Stage „versteckt“ lag auf einer kleinen Anhöhe die zu allen Seiten offene Heineken Hidden Stage. Die als Amphitheater angelegte Ray-Ban Stage sorgte mit Thundercat, Cigarettes After Sex, Vince Staples, Ariel Pink, etc. für reichlich Beschallung. An einigen Stellen dröhnten die Bässe (für meinen Geschmack) allerdings etwas zu laut.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

Ein Stück weiter gelegen – die Pitchfork Stage, an der bei mehr als einem Konzert ein ungewöhnlich gedämpfter Sound der Vocals zu vernehmen war. Gleich nebenan schlug die Adidas Originals Bühne unter anderem mit Idles, Shellac und Mujeres gerne auch mal härtere Töne an.

Über eine Brücke gelangte man auf eine kleine Halbinsel zu den Primavera Bits: die Bacardi Stage, die Desperados Stage mit karibischem Flair und das Xiringuito Aperol direkt am Strand.

Wem es draußen zu heiß wurde, konnte sich in einer der Indoor-Bühnen abkühlen. Das Auditori Rockdeluxe am Eingang zum Festivalgelände, das mit über 3000 Sitzplätzen an das Haus der Kulturen der Welt in Berlin erinnerte und das düstere Warehouse mit House und Techno Tunes aus den Häusern WARP (Gaika, TuTu, .. ) und MOSAIK (Danny Daze, Radioactive Man oder Carl Finlow).

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Echo Collective

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Echo Collective

Wie erwartet für ein Festival dieser Kategorie war für alle Basics gesorgt. Getränke- und Gastrostände gab es in Hülle und Fülle, Preise waren fair und Wartezeiten überschaubar. Letzteres galt übrigens auch für die Toiletten, Wasserspender und Akku-Aufladestationen.

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TAG 2 – BÜHNEN-MARATHON

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Spätestens am Donnerstag war dann Schluß mit Chillen. Das Line-Up hatte es in sich und bei ca. 1,5km Distanz zwischen den Hauptbühnen und den Primavera Bits war kaum Zeit zum Trödeln.

Für den bewegendsten Festivalmoment sorgte schon am zweiten Tag die Formation von Echo Collective, Dustin O’Halloran & Guests mit ihrem Tribut an Jóhann Jóhannsson. Nach dem plötzlichen Tod des isländischen Komponisten im vergangenen Februar beschlossen sie die geplante Show auf dem PS18 nicht abzusagen, sondern das gemeinsame Set ein letztes Mal zu seinen Ehren zu spielen. Es erwartete uns ein emotionsgeladenes Konzert, das sowohl die Musiker als auch das Publikum sichtlich bewegte.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

Die Messlatte lag hoch, selbst für die großartige Björk, die auf der großen und weit entfernten SEAT Stage unnahbar schien. Wie erwartet war ihre Show eine der meist besuchten des Festivals. Von der 52-jährigen Isländerin haben wir nicht weniger erwartet als die fantasievolle und aufwändige Bühnenkulisse, die wir aus der Ferne bestaunen konnten. Neben vereinzelten alten Songs, wie Human Behaviour spielte sie vor allem Material von ihrem letzten Album Utopia.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Björk

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Björk

Da mir die großen Bühnen auf Festivals nicht liegen, zog es mich nach einiger Zeit zur etwas gemütlicheren Primavera Stage, wo Energiebündel Karin Drijer uns schnell aus dreamy Björk-Land in die skurrile Synthie-Pop Welt der Fever Ray holte. Mit ihrer Bühnenpräsenz und bester Partystimmung auf und vor der Bühne ohne Zweifel eines meiner Tageshighlights – neben Echo Collective und Nils Frahm. Letzterer scheute weder Kosten noch Mühen und reiste mit seinem halben Studio an analogen Synths an. Bei gutem Sound ließ er schweißgebadet Finger über die Tasten fliegen, drehte an Reglern und Knöpfen – wie immer ein Schmankerl für Augen und Ohren.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Nils Frahm

Nils Frahm

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TAG 3 – ENTDECKUNGSTOUR

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Tag 3 des PS18 stand ganz im Zeichen der Neuentdeckungen, angefangen bei Metá Metá. Das brasilianische Afropunk-Trio mit Kiko Dinucci (Gitarre), Juçara Marçal (Gesang) und Thi­a­go França (Saxophon) brachte das Publikum vor der Primavera Stage mit ihrem heißen Mix aus Punk, Avantgarde-Pop und Freejazz ordentlich in Tanzlaune. Ihren eigenen Sound runden Metá Metá kreativ mit brasilianischen Folk­traditonen ab.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Meta Meta

Metá Metá

Weiter ging die Entdeckungsreise mit der Noise-Rock Formation Shallac. Weniger minimalistisch als ihr Sound ist der Werdegang der drei Bandmitglieder Steve Albini (Gitarre, Gesang), Todd Trainer (Schlagzeug) und Robert Weston (Bass). Jawoll, richtig gelesen – Steve Albini, begnadeter Tontechniker und ganz nebenbei auch durch seine Arbeit als Produzent für Bands wie Nirvana, Pixies und Helmet bekannt. Was für mich eine Neuentdeckung war, wurde schon 1992 gegründet und versammelte auf dem PS18 vor der Adidas Originals Stage eine solide Fangemeinde.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Shellac

Shellac

Mehr harte Töne gab es an diesem Tag von IDLES. Kritisch und direkt thematisieren die fünf Jungs aus Bristol seit 2012 gesellschaftliche Missstände und persönliches Leid in ihrer Musik. Mit unvermittelter Klangwucht und unermüdlicher Dynamik brachten sie diesen Frust auf ihrem Debütalbum „Brutalism“ auf den Punkt. Politische Statements durften natürlich nicht fehlen und setzen ein Zeichen für die Einwanderung und das Gesundheitssystem in Großbritannien. Gute Nachrichten an dieser Stelle für alle Freund_innen des Punkrock: IDLES kommen im November nach Hamburg, Düsseldorf und Berlin.   

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Idles

Idles

Fusion-Jazz und dröhnende Bässe von Thundercat sowie Arca’s schrillen Outfits und Dance-Moves rundeten den Freitag gebührend ab.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Arca

Arca

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TAG 4 – NOCH MEHR MUSIK

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Ausgeruht und bereit für einen weiteren Tag voll von guter Musik, fröhlichen Menschen und Bühnenhopping ging es am Samstag zuerst auf die Insel zu den Primavera Bits wo Alicia Carrera’s Ambient House der perfekte Einstieg in diesen letzten Festivaltag war. In kürzester Zeit verhalf sie der noch in Hangover-Mode chillenden Truppe auf der Desperados-Tanzfläche auf die Beine.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT

Alicia Carrera

Das nächste Konzert war sowohl musikalisch als auch visuell eine willkommene Abwechslung. Der mit einem Doktortitel in Politischer Philosophie ausgestattete Künstler boxt mit den Händen in die Luft, dann gegen seinen Kopf, reißt sich am Hemd, bangt den Kopf von hinten nach vorne, von links nach rechts, schreit ins Mikro, springt in die Luft und kniet im nächsten Moment am Boden. Na, eine Idee, wer es sein könnte? Es ist natürlich John Maus, der uns hier ein apokalyptisches Zusammenspiel aus (im wahrsten Sinne des Wortes) wahnsinniger Bühnenpräsenz und düsterem Hypnagogic Pop bot.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT John Maus

John Maus

Vom Synthpop zum Shoegaze. Slowdive legten wie erwartet eine souveräne Show hin. Schon eine Stunde vor Konzertbeginn waren die ersten Fans vor der Bühne versammelt, um sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern und wurden belohnt – mit dröhnende Gitarrenriffs und einer strahlenden Rachel Goswell, die die ein oder andere Liebesbekundung aus dem Publikum bekam. Auf aufwändige Visuals haben sie diesmal verzichtet – zu recht, denn diese Band kann ihre Musik für sich sprechen lassen.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Slowdive

Slowdive

Gemma Planet, alias DJ TUTU heizte uns im Anschluß mit einem großartigen Set im Warehouse unermüdlich ein und brachte die Temperaturen in den bunkerartigen Gemäuern zum kochen. Die Spanierin erzählt Geschichten mit ihrer Musik, dabei experimentiert sie gerne mit tanzbaren Beats sowie abstrakten Sounds und heißt von Techno bis Ambient verschiedenste Stile willkommen. Bei ihrem Heimspiel auf dem PS18 war sie sichtlich in Partylaune und wollte garnicht aufhören. Da für das anschließende Set von Label-Kollege Gaika jedoch ihr Mixer gebraucht wurde, musste sie irgendwann doch die Regler runterfahren, wurde aber ausgiebig von der Menge gefeiert.

ABRA konnte mich zu späterer Stunde hingegen nicht überzeugen und so machte ich nach zwei Liedern mit viel Gewinke den Abflug. Nach einem kleinen Abstecher zur SEAT Stage und einer Bombenstimmung mit A$SAP ROCKY riefen meine Füße dann endgültig den Generalstreik aus. Das war allerdings nicht weiter schlimm, denn wie ich später hörte war das Set von John Talabot sowieso nicht den weiten Weg zur Desperados Stage wert.

Primavera Sound 2018 Fotos und Bericht MUSIKMUSSMIT Abra

Abra

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5 MUST-DOS FÜR PRIMAVERA SOUND 2019

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Alle Festivalfreund_innen, die Barcelona lieben oder noch gar nicht kennen, kann ich das Primavera Sound wärmstens empfehlen. Ein auf allen Ebenen abwechslungsreiches und vielfältiges Killer-Lineup ist mit Sicherheit auch für das nächste Jahr garantiert.

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Meine 5 Tipps für das PS19

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1. Der frühe Vogel fängt den Wurm…
… auch in Sachen Unterkunft. Bei rechtzeitiger Buchung ist auch hier über AirBnB eine günstige und festivalnahe Bleibe zu finden, aber auch in Barcelona werden derzeit die Spielregeln für das Mietportal geändert.

2. Mit’m Radl schneller und bequemer unterwegs
Wer nach einem langen Festivaltag (+Nacht) nicht noch eine Stunde auf einen Bus oder ein Taxi warten möchte, sollte sich in Barcelona unbedingt ein Fahrrad mieten. Damit kann man nicht nur schnell, günstig und bequem die Stadt erkunden, sondern löst auch die lästige Anfahrt zum Festivalgelände, vor allem auf dem Rückweg, wenn die Wartezeiten für Busse oder Taxis bis zu einer Stunde extrem lang sein können. Für Radfahrer_innen hat das Primavera Sound sogar einen eigenen kostenlosen Fahrradparkplatz eingerichtet.

3. Wer? Wo? Wann???
Eine gute Vorbereitung ist bei einem großen Festival die halbe Miete. Die Festival-Webseiten bieten alle nötigen Programm- und Künstler_inneninformationen, mit denen man sich sich einen eigenen groben Tagesplan anlegen kann. Festivaleigene Apps erleichtern die Sache und bieten zudem jederzeit alle nötigen und vor allem aktualisierte Informationen (z.B. über abgesagte Konzerte) vor Ort.

4. Who the f… is?
Bei dem immensen Aufgebot an renommierten Künstler_innenn eines so großen Festivals ist man oft dazu geneigt sich zwischen den Hauptbühnen aufzuhalten. Meistens birgt aber gerade das Programm auf den kleinen Bühnen viel größeres Spaßpotenzial und die ein oder andere Neuentdeckung. Wer sich also im Vorfeld noch nicht über die einzelnen Musiker_innen informiert hat oder sich sowieso lieber gerne treiben läßt, sollte trotzdem mal an den kleinen Bühnen vorbeischauen.

5. Primavera Bits – Wartezeiten umgehen
Wer sich zur Primetime nach 23 Uhr eine Show der Primavera Bits auf der kleinen Halbinsel anschauen möchte, sollte genug Zeit einplanen, um dorthin zu gelangen. Denn Headliner wie Floating Points oder Four Tet sind heiß begehrt und so bewegt sich eine enorme Menschenmenge zu den Stoßzeiten über die recht schmale Brücke. Aus Sicherheitsgründen wird deren Überquerung dann vom Festivalpersonal kontrolliert. Wartezeiten sollten somit eingeplant werden.

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