MS Dockville Festival 2018 in Hamburg Review MUSIKMUSSMIT

Review: MS Dockville Festival 2018 in Hamburg

MS Dockville Festival vom 17. – 19.08.2018 in Hamburg
Text: Inken Petersen und Anne Teuscher | Fotos: Inken Petersen

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Wir möchten euch wieder mal unsere musikalischen Highlights, von welchen wir auch jetzt noch ins Schwärmen geraten und das diesjährige Drumherum des Dockvilles präsentieren. In der Ankündigung prophezeiten wir Euch schon unsere Favorit_innen und beschrieben dieses Festival etwas näher.

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Freitag: Everything Everything, Cigarettes After Sex, HONNE, Nilüfer Yanya

Autos und Dockville? Das passt nicht zusammen und da sich das wohl niemals ändern wird, waren wir auch in diesem Jahr auf der großen Suche nach einem Parkplatz. In der Zeit, in der Anne einen geeigneten Platz für unser Anreise-Mobil suchte und letztlich fand, wartete ich an der Drop-Off-Zone samt Gepäck und konnte mir schon einen kleinen Überblick über das diesjährige Publikum verschaffen. Wie sage ich es am Besten, ohne überheblich zu klingen? Die 15 Minuten gestalteten sich zu solchen, die sich wie eine ganze Stunde anfühlten. Das lag an besagtem Publikum, welches aus schätzungsweise 16 – 18-Jährigen bestand, die dieses Wochenende zu ihrem Wochenendausflug erklärt hatten und den Freitag in der Schule wohl schwänzten. Die Bierdosen flogen förmlich um mich herum und die Musikauswahl der Kids ließ ganz schön zu wünschen übrig. Hätte ich jetzt so erst mal nicht zum Dockville zugeordnet, aber genau da wollten sie hin. Das konnte ja nur lustig werden!

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Als wir irgendwann den perfekten Zelt-Stellplatz gefunden und all unsere sieben Sachen ausgebreitet hatten, nachdem wir den scheinbar endlos weiten Weg von der Drop-Off-Zone zum Camping-Gelände hinter uns gelassen hatten (jedes Jahr auf´s Neue eine Herausforderung!), begaben wir uns auf das Gelände und schauten uns erst einmal um, entdeckten ein paar neue Spielereien, altbekannte Bühnen und machten uns auf den Weg zu Nilüfer Yanya, welche in der warmen Augustsonne den Vorshot, die zweitgrößte Bühne des Dockvilles, bespielte. Die junge Dame hatte ein paar Fans unter der etwas rar besiedelten Publikumslandschaft, was aber leider der Uhrzeit geschuldet war. Ich mag die Stimme der 22 Jahre alten Dame sehr gerne. Äußerlich und auch von der Klangfarbe ihrer Stimme her erinnert sie etwas an Shakira. Ein wenig getanzt wurde, aber auf die Animations- und Gesprächsversuche der Band ging das Publikum leider nicht so richtig ein.

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Nilüfer Yanya

Bald schon machten wir uns auf den Weg zu einer unserer geliebten Live-Bands Everything Everything, welche auf dem Großshot, also auf der größten Bühne des Dockvilles spielten. Wir schafften es sogar, uns einen Platz in der dritten Reihe zu sichern und fühlten uns ein bisschen in Schulzeiten zurückversetzt, denn um uns herum waren ausschließlich 16-Jährige (wenn überhaupt?), wovon die meisten leider schon ziemlich betrunken wirkten. Das Konzert war von der Performance der Band her mal wieder ein absolutes Highlight und bestand aus einem bunten Potpourri ihrer Alben. Das ganze Drumherum gestaltete sich allerdings etwas ungemütlich. Warum muss man bei ruhigen bis poppigen Songs pogen und den Circlepit auf ungefähr 10 Meter ausbreiten? Mal ganz ehrlich!

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Everything Everything

Später spielten auch noch Cigarettes After Sex auf der Hauptbühne, was wir uns jedoch nicht von ganz vorne anschauten, da das Gequetsche und Geschubse bei Everything Everything erst mal verdaut werden musste. Ich mag ja die Stimme des Sängers Greg Gonzalez wirklich sehr, aber nach circa fünf Liedern schauten wir uns nur an und wussten, dass das genügt. Irgenwie fehlt mir dann einfach ein wenig Abwechslung und Vielfältigkeit.
Den Abschluss des ersten Tages und einen drei Tage anhaltenden Ohrwurm bescherte uns HONNE mit „Warm On A Cold Night“ und „Day 1“, die zwei einzigen Songs, die ich sofort erkannte, auch wenn sie nicht wirklich vor Anspruch strotzen, aber genau das macht sie wohl zum Ohrwurm und die Masse feierte HONNE auch ordentlich ab.

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Samstag: ISLAND, Nick Murphy, Oscar and the Wolf, Alt-J

Am Samstag verschlug es uns zur Alternativ-Rockband ISLAND, die auf der mit reichlich Holz verzierten Bühne Butterland spielten. Auf sie freuten wir uns wahnsinnig, da wir die vier Londoner schon seit geraumer Zeit verfolgen, sich bis dato aber noch keine Möglichkeit ergab, sie live wahrzunehmen. Es waren schon ziemlich viele Menschen versammelt, um ISLAND zu lauschen. Die Band gab Songs ihres in diesem Jahr erschienenen Debüts „Feels Like Air“ zum Besten und machte das Publikum unter anderem mit „The Day I Die“, „Try“ und „Horizon“ glücklich, aber auch mit Songs ihrer bisherigen EP´s. Das etwas geschwätzige Publikum konnte mit der Zeit doch ausgeblendet werden, was dennoch nicht so einfach war, doch darunter tummelten sich auch viele Fans, die die gleiche Absicht wie wir hatten. Da Sänger Rollo Doherty eine mit der Zeit doch etwas anstrengende Stimme hat, waren wir gespannt, wie sich das live „auswirkt“, und rückblickend ziehen wir das Fazit, dass es sich auf jeden Fall lohnt, ISLAND einmal live zu sehen.

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ISLAND

Im Anschluss machten wir einen kurzen Abstecher zu Nick Murphy fka Chet Faker. Sahen wir ihn vor einigen Jahren noch auf der drittgrößten Bühne „Maschinenraum“, stand er nun auf der ganz großen Bühne Großschot und begeisterte Tausende von Menschen. Da wir seine Live-Qualitäten bereits kannten, suchten wir auf dem Vorschot Oscar and the Wolf auf, was der wohl experimentellste Act war, den wir auf dem Festival sahen. Die Musik von dem aus Belgien kommenden Musiker Max Colombie lässt sich ziemlich schwer zuordnen, da sich hierin eine Ladung Elektronik, Pop, RnB und ein bisschen Hip-Hop wiederfindet. Neben diesem musikalischen Klangerlebnis lieferte der Belgier auch eine Show ab, welche aus einstudierten Tanzeinlagen und Ballett bestand, aber auch etwas an Striptease erinnerte. Das ziemlich junge Publikum fuhr jedenfalls sehr auf diesen Sound ab und tanzte mit dem Frontmann um die Wette.

Bis zum Schluss konnten wir uns Oscar And The Wolf nicht anschauen, denn wir wollten einen guten Platz bei Alt-J erhaschen, die unser absolutes Highlight und Headliner am Samstag waren. Gefühlt war kein einziger Zentimeter mehr frei und die Menschen drängten sich nur so vor die Bühne. Wir beobachteten das Konzert von etwas weiter hinten, hatten aber dennoch eine gute Sicht. Mehr als aufgeregt warteten wir auf die Briten und waren gespannt, ob und was von ihrem aktuellen Album „RELAXER“ gespielt wird und was es mit der im Vorfeld aufgebauten Konstruktion auf der Bühne auf sich hatte, was aus der Ferne nach irgendwelchen Stäben aussah. Ganz sicher sind wir uns nicht mehr, aber eröffnet wurde mit „Deadcrush“ und zugleich kamen die Leuchtstäbe zum Einsatz, die dem Sound entsprechend mehr oder weniger aufleuchteten und in die Höhe schossen sowie in unterschiedlichen Farben blinkten. Alt-J spielten eine ganze Palette ihrer bisherigen Alben, so z.B. vom neuesten Album die Songs „In Cold Blood“ und „Pleader“ sowie Hits der alten Alben wie „Matilda“, „Taro“ und „Every Other Freckle“.  Den Abschluss bildete „Breezeblocks“ und wir waren glückselig, hätten uns aber über eine Zugabe gefreut. Zwar trifft Sänger Joe Newman nicht immer alle Töne, doch darüber konnten wir hinwegsehen und mit diesen Klängen im Ohr und mehr als zufrieden ging unser Tag zu Ende.

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Sonntag: Hinds, Christian Löffler, Rhye 

Den Nachmittag heizte die vierköpfige Band Hinds (gesprochen „Heinz“, wie sie selber verlauteten) aus Madrid ordentlich ihren Fans ein. Dieser unbeschwerte und zugleich schrammelige Indie-Pop war genau das richtige für die heißen Temperaturen und auch die Mädels auf der Bühne schienen ihren Spaß zu haben. Sie animierten immer wieder das Publikum und zu einem Song gab es eine Choreo von Kindern, die auf die Bühne traten, wofür sie viel Applaus ernteten. Sehr sympathisch, diese Band!

Einen kurzen Abstecher machten wir zu Christian Löffler, der auf der Bühne „Maschinenraum“ spielte und entspannten währenddessen weiter abseits zu den elektronischen Klängen.

Zu guter Letzt möchten wir noch Rhye nennen, welcher auf dem Vorschot spielte. Der Mix aus Songwriting und elektronischen Elementen bezauberte nicht nur das Publikum, auch wir waren im Bann des mittlerweile Ein-Mann-Projektes, welches von Mike Milosh weitergeführt wird. Die hauchzarte Stimme vermischte sich perfekt mit den mehr oder weniger schnellen elektronischen Klängen, welche auch immer wieder von einem Klavier untermalt wurden.

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Drumherum

Wir möchten noch einmal das „Thema“ Publikum aufgreifen. Ja, auch die jüngste Festivalgeneration soll ihren Spaß haben, keine Frage. Und ihr vertragt auch noch die Massen an Alkohol so, dass ihr am nächsten Tag wieder vollkommen fit seid, aber denkt doch bitte einmal an eure  Mitmenschen. Die, die sich am  Montag nicht auf der Schulbank ausschlafen können und die, die die Konzerte genießen wollen, ohne dass sie dabei von anderen, die eindeutig zu betrunken sind, um gerade zu stehen, geschubst oder mit Flüssigem bekippt werden.

 

Was uns ebenfalls eine Herzensangelegenheit ist: Räumt euren Müll weg. Es gibt verdammt noch mal Müllpfand und auf dieser Wiese, auf der ihr drei Tage des ganzen Jahres haust, grasen sonst Tiere, die eure Dosen und Plastereste sowieso Kippenstummel nicht vertragen! Die Umwelt würde es euch wirklich danken, wenn ihr etwas umsichtiger das Gelände verlasst. Eure Zelte, Schlafsäcke, Stühle, Decken usw. könnt ihr spenden. Beispielsweise ist der Verein Hanseatic Help auf dem Hurricane und dem Deichbrand mit dem Motto „Ein Zelt kann ein Zuhause sein“ unterwegs. Auf dem Dockville leider (noch?) nicht, jedoch befindet sich der Verein direkt in Hamburg und nimmt Eure Sachen jederzeit entgegen.

Aber nun zum Positiven: Wir sind wirklich jedes mal über die kulinarische Vielfalt des Dockvilles erstaunt. Wer da nichts findet und mit leerem Magen in´s Zelt geht, der macht wirklich was falsch. Dies mal gab es bei uns Burger, Handbrot und Piroggen. Yammi!

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Hach… und die Kunst. Wer Zeit hat, macht natürlich einen kleinen Kunstspaziergang über das Gelände, was von Künstler_innen des MS Artvilles gestaltet wurde und trifft hier auf Kunst aus den vergangenen Jahren, die aufgepeppt wurde oder auf Installationen und Bühnen, die es so noch nicht gab. Spannend! Was wir am Rand mitbekamen war, dass es in diesem Jahr sogar Führungen gab und dabei auf die einzelnen Stadtteile eingegangen wurde, die mit den Installationen in Verbindung standen (ich hoffe, dass ich es richtig wiedergebe).

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Liebes Dockville, es war uns wieder eine Freude, ein Teil dieses Festivals gewesen zu sein, auch wenn z.B. die Parkplatzsituation noch nicht die idealste ist. Wir freuen uns dennoch auf ein Wiedersehen!

 


Anne
Wer?

Wenn ich mal nicht auf einem Festival oder Konzert zu finden bin, kann ich durchaus gerade über einen Flohmarkt schlendern, mit meinem geliebten Drahtesel die Gegend erkunden, als Katzenmama fungieren oder einfach nur vor dem Laptop lümmeln und Serien schauen. Weshalb es mich hierher verschlagen hat, liegt vor allem daran, dass ich leidenschaftliche Konzert- und Festivalgängerin bin. Ich treibe mich z.B. auf dem Immergut, dem MS Dockville oder auch dem Skandalös rum. Hingezogen fühle ich mich zu Bands und KünstlerInnen wie Balthazar, Say Yes Dog, Kakkmaddafakka, Bombay, Golf, José Gonzalez, Charlie Cunningham, Whilk and Misky, Lost Under Heaven, Portugal. The Man, Metronomy, Royal Blood, Florence and the Machine, Cold War Kids und Chet Faker alias Nick Murphy. Dies ist nur eine klitzekleine Auswahl und lässt sich locker noch fünf Seiten weiterspinnen. In dieser Sparte werdet ihr also das eine oder andere Mal etwas von mir hören, was ich euch nicht vorenthalten möchte.


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