Midlake Konzert Berlin @Heimathafen

Konzertbericht: Midlake in Berlin

Es lebe die Querflöte!

Konzert am 10. März 2014 im Heimathafen Neukölln.

Support: Israel Nash (hört unbedingt mal ins Album „Israel Nash’s Rain Plans“ (2013)! live: Gitarre und Steel-Guitar // Alternative Country, Psychedelic Rock

Das war ein richtig schönes Heimspiel im Heimathafen. Die Meinungen innerhalb unserer Gruppe reichten von „gut!“, „ja, schön!“, „nett!“ über „ich glaube, dieses Konzert werde ich ganz schnell wieder vergessen.“ bis „ganz gewaltig gut!“ Fakt ist, diese Musik ist handgemacht, ehrlich und irgendwie anders: Mittelalterlicher Pop, der ohne Querflöte und Harmonie-Gesang nicht auskommt.

Just vor ein paar Monaten erschien Midlakes 4. Studioalbum „Antiphon“, welches einen spürbaren Richtungswechsel zu leichteren und poppigeren Klängen erfuhr und sich damit vom eher düsteren, schweren und melancholischen Sound seines Vorgängers „The Courage Of Others“ löste. Gut so, wie ich finde. Vielleicht, nein, mit Sicherheit liegt diese Ausrichtung an dem Ausstieg des Frontmanns Tim Smith im November 2012. Vielleicht war es außerdem der Wunsch aller, einfach mal frischen Wind in die dunkle Bude zu bringen. In Smith große Fußstapfen tritt nun Eric Pulido.

Midlake Berlin HeimathafenMidlake ist es gut gelungen, Alben, die unterschiedlicher nicht sein können, mit einem guten Gefühl für Klänge miteinander zu verknüpfen. Insbesondere die Tracks vom Album „Courage Of Others“ (2010), aber auch „Roscoe“ oder „Head Home“ vom Album „The Trials of Van Occupanther“ (2006) haben einen frischeren Tune eingehaucht bekommen und die neuen Stücke, die mir ohnehin schon gut gefielen, haben live an Volumen gewonnen. Etwas ungewohnt war es aber trotzdem, die alten Sachen vom gesanglich begabten Eric zu hören, denn irgendwie machte Tim diese Stücke zu dem, was die meisten Stücke eben sind: schwer, traurig und bedrückend. So war ich mir zwischendurch nie ganz sicher, wie ich diese Neuauflage finden sollte.

Die Vorstellung war lange nicht ausverkauft, die oberen Ränge waren geschlossen. Das hieß also völlig stressfrei kurz die Toilette aufsuchen zu können, dabei niemanden das Bier aus der Hand zu schlagen, auf fremde Füße zu treten oder genervte Blicke zu ernten. Auch gab es niemanden, der in drei Sätzen aus der letzten Reihe in die erste Reihe springen wollte, ohne Rücksicht auf Verluste. Es gab auch kaum dauer-fotografierwütige Besucher_innen, juhu! So ganz ohne Nervensägen kommt aber bekanntlich kein Konzert aus und so gab es sie auch bei uns, die Quasselstrippen, die beim Reden kaum Luft holten und um sich herum wirklich gar nichts mehr wahrnahmen und voller Eifer diskutierten. Und es gab zumindest einen, der uns ordentlich die Luft vermieste, pfui! Dafür hatten die Zwerge unter uns freie Sicht, denn wie erwähnt, jeder hat seine Lücke finden können.

Die Band hielt sich sowohl mit Gesten als auch mit Worten sehr zurück. Meist konnte man nur die Umrisse der Mitglieder wahrnehmen, denn die Strahler im Hintergrund ließen uns das ein oder andere Mal eine Sonnenbrille herbeiwünschen. Was es an Worten und Gesten zu missen galt machten Midlake jedoch mit ihrem perfekten Zusammenspiel und dem Können, eine besondere Stimmung zu erzeugen, wieder wett. Das Konzert gipfelte in einem ausschweifenden Gitarren-Solo und einer Scheinwerfer-Blinktirade, die einen direkt und wie gewohnt ohne Worte verständlich machte: THE END.

Midlake Berlin Heimathafen

Und die Sonne scheint so hell.


'Konzertbericht: Midlake in Berlin' have 2 comments

  1. 13. März 2014 @ 13:32 Konzerte im März 2014 in Berlin | MusikMussMit

    […] MIDLAKE – 10.3.14 Heimathafen Neukölln (Hier ein Konzertbericht) […]

  2. Avatar

    13. März 2014 @ 11:52 Frank

    Das Konzert von Midlake hat mich wirklich überrascht. Bin eigentlich nur wegen Israel Nash hingegangen (der super war!).

    Die Midlake-Alben finde ich alle nicht so wirklich packend. Ist mir etwas zu lieblich, zu viel Harmoniegesang. Als ich die Musiker dann auf der Bühne das erste mal gesehen habe haben sich meine Vorurteile bestätigt gefühlt. Musiker ohne Ausstrahlung, kein Charisma. Die Leute standen die meiste Zeit ruhig und still auf dem selben Fleck auf der Bühne und haben sich fest an ihr Instrument geklammert (zuminderst der Gitarist/Sänger).

    Was soll ich sagen? Ein supertolles Konzert! Ich bin vollkommen baff und würde meinen Hut ziehen wenn ich könnte. Die Jungs scheinen ihre Musik offensichtlich zu lieben und sind voll darin aufgegangen. Alles was mir bei ihren Studioalben fehlt (Dynamik! Power! Leidenschaft!) haben sie live, nun ja – nicht gezeigt sondern gespielt.

    Kaum auszudenken was wäre, wenn die Band noch etwas an ihrer Bühnenpräsenz feilen würde. Andererseits: Musiker die still und selig lächelnd in ihrer Musik aufgehen sind mir dann doch lieber als affektierte Poser die eigentlich nichts zu sagen haben.

    Tolles Konzert!


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