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Konzertbericht: Johannes Motschmann in Berlin

Konzert am 26. April 2016 in der Kantine am Berghain Berlin
Text: Katharina Blum | Foto: Harald Hoffmann

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Eine Kombination aus Klassik und elektronischer Musik

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Ich muss gestehen, dass ich vorher noch nie etwas von Johannes Motschmann gehört habe. Bis er kürzlich bei Stadt Land Flux von seiner frisch gedruckten, ersten Platte erzählte. Vom Release Konzert am selben Abend und auch von seiner Instrumentensammlung an Schätzen aus den 70ern und 80ern. Dann kamen noch ein, zwei Tracks – und ich er hatte mich. Johannes Motschmann und seine Kollegen David Panzl und Boris Bolles fabrizieren unheimlich schöne Musik. Ich stehe total auf düstere, elektronische Klänge mit abgefahrenem Beat.

Am Abend mache ich mich auf in die Kantine. Vorfreude. Das Trio präsentiert sein Debüt-Album „Electric Fields“. Darauf befinden sich neun Tracks, die hauptsächlich für Multipercussion, elektronische Klaviere und Synthesizer konzipiert sind.

Die ersten Stücke sind recht ruhig. Mit der Zeit wird es auch tanzbar. Wunderschöne elektronische Musik. Alles komplett live eingespielt. Obwohl vieles experimentell wirkt, ist jedes einzelne Stück bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Lange Papierbahnen mit Noten stehen inmitten der raumfüllenden Installation von Musikinstrumenten. Motschmann hat klassische Komposition studiert und komponiert für gewöhnlich Orchesterstücke.

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Die Ansagen kommen ein wenig zaghaft. Man merkt, dass die Drei ihre Musik nicht jeden Abend mit so vielen Menschen teilen. Dabei sollten sie es. Die Musik ist zu hundert Prozent da. Und das Publikum auch. Am Drumrum kann noch gefeilt werden. Der Sound der Kantine ist dem Bass nicht gewachsen. Die Wände scheppern. Eigentlich schade. In der Musik steckt so viel. Besseres Licht wäre auch noch was, denke ich. Dann könnte es perfekt sein.

Ein bisschen wie Nils Frahm verschwindet der Mann mit dem witzigen Namen zwischen seinen ePianos und Synthies. Taucht in die Tiefen seiner Klänge ein. Seine Kollegen bewegen sich mit großen Kopfhörern zwischen den verschiedensten Instrumenten hin und her. Boris Bolles mal an der Violine, mal an einem der Synthies und David Panzl, eingebaut in seiner Multipercussionburg mal an den Drums, mal am japanischen Tennisschlägerinstrument. Mal streicht er mit Cellobögen das Vibraphon. Das Trio reizt die klanglichen Möglichkeiten der Instrumentensammlung voll aus.

Und das Publikum geht mit. Verschwindet in einer Atmosphäre aus Spannung, die sich immer weiter aufbaut. Und verliert sich in den tiefen Bässen, unkonventionellen Melodien und versetzten Rhythmen. Auch wenn manches etwas holprig daherkommt; die Ansage und auch mal eine Rückkopplung zwischen den Tracks. Eins sitzt, und das ist die Musik!

Es lohnt sich, mal ein Ohr auf die Platte zu werfen. Ich bin mir sicher, in Zukunft kommt noch mehr sehr Schönes von Johannes Motschmann und Co. Vielleicht dann auch in einer großen Location mit richtig geiler Anlage und abgefahrenem Licht. Das Wichtigste ist ja aber schon da.

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Katharina

Als ich die Blockflöte irgendwann doof fand, wollte ich lieber Gitarre lernen. Das war cooler. Nach einigen Bandprojekten kam das durch die Welt wandern und dann ist das Musikmachen irgendwie immer mehr ein Bestandteil meiner privaten Sphäre geworden. In Berlin hängen geblieben mache ich immer irgendetwas zwischen Studium, das Leben genießen, irgendwo im Musikbereich arbeiten, tanzen. Viel Musik halt. Aber ich bin auch viel unterwegs, betätige mich gern sportlich oder kulinarisch. Und ich steh auf Milchreis.

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