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Im Plausch mit: Julius Gale

Und deswegen finde ich Clubs, vor allem kleinere, in denen es intim, voll und schwitzig ist, am besten.

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Interview: Friederike Suckert

Zum Erscheinen seiner EP “*acapulco” habe ich mich mit dem Mannheimer Produzenten und Songwriter Julius Gale getroffen. Es wurde ein entspanntes Gespräch über die Szene in Berlin als Muss und ein kleiner Lobgesang auf die guten alten Club-Gigs.

Hallo! Wo kommst Du eigentlich her?
Ich bin in Stuttgart geboren und mittlerweile lebe ich seit acht Jahren in Mannheim. Ich bin da zum Studieren hin und dann einfach hängen geblieben. Es gefällt mir da, obwohl es nicht die schönste Stadt ist.

Deswegen warst Du auch der Support für Kid Simius in Frankfurt/Main! War es cool?
Ja, war cool. Der José ist ein sehr netter Typ und ich hatte an dem Tag auch Geburtstag und da haben wir danach noch ein bisschen gefeiert.

Waren es viele Leute beim Konzert?
Es waren so um die 200 rum. Der Club „Zoom“ geht sehr weit nach hinten und an der Seite sind Sessel. Und natürlich standen die eher weiter hinten als vorn an der Bühne, aber es war trotzdem gut.

Wie hast du eigentlich angefangen? Gab es erst ein Instrument oder hast Du direkt elektronisch angefangen?
Ich habe mit Klavier spielen angefangen. Ich habe eine relativ klassische Ausbildung gemacht. Ich hatte natürlich am Anfang nicht so Bock drauf, das klassische Zeug zu spielen, das kam dann alles als ich älter wurde. Mit 15 oder 16 habe ich angefangen in Bands zu spielen, eigentlich als Pianist und Keyboarder und das waren dann eher so Britpop- und Rock-Sachen. Mit 18 habe ich dann mit eigenen Sachen angefangen und auch mit dem Gesang und so. Ich habe auch erst vor ca. vier Jahren angefangen mich mit der elektronischen Musik zu beschäftigen.

Möchtest Du auf Dauer von der Musik leben?
Ja, absolut. Ich unterrichte auch nebenher noch Gesang und Klavier und arbeite auch noch in einem Club in Heidelberg und mache Technik- und Künstlerbetreuung. Im Moment ist die Musik ein Nebenjob, mit dem ein bisschen was reinkommt, aber ich möchte schon irgendwann davon leben können.

Bis jetzt gibt es nur die EP *acapulco. Ist ein Album in Arbeit?
Damit fange ich langsam an. Die letzten Wochen habe ich das Songwriting gemacht und hoffentlich sind bis Ende des Jahres die ersten Songs fertig. Wann es dann kommt steht natürlich in den Sternen, aber das Ziel ist es, es Ende dieses, Anfang nächsten Jahres zu veröffentlichen.

Machst Du eher alles allein?
Ja, das Songwriting schon. Ich bin, was das angeht, ein Eigenbrötler. Ich fange meistens allein an, bzw. ich arbeite ab und an mit Leander Bauer zusammen. Mit dem habe ich die EP gemacht und erst fing das alles mehr so als Spaßprojekt an. Und dadurch kam ich auch erst so richtig zur elektronischen Musik. Aber sonst bin ich jemand, der nicht mit vielen Leuten zusammen arbeiten kann. Da bin ich etwas schüchtern.

Und bei der Aufnahme? Holst du Dir dann Musiker rein?
Auch beim Aufnahmeprozess bin ich eigentlich mit Leander allein. Ich singe alles allein ein, spiele die Synthies ein, manchmal sogar die Drums und er hat die meistens dann schon vorproduziert und wenn ich ihm die Sachen dann schicke, dann macht er sie fertig.

Wie ist es denn, wenn man aus der Einsamkeit im Studio auf die Bühne wechselt und live spielt? Das ist doch bestimmt überwältigend?!
Der zweite Gig komplett allein war auf einem Festival in München vor 5000 Menschen. Und das Feedback war sehr gut. Das nächste war dann das Berlin Festival und später dann Support von M83 im Astra und da waren dann auch fast 1500 Leute da. Vorher habe ich immer mit Bands da gestanden und wenn man dann so allein ist und 1500 Leute gucken einen an, dann ist es schon schwierig. Da kommt ein Instinkt in einem hoch, einfach weg rennen zu müssen. Aber man genießt es auch. Ich mache das natürlich hauptsächlich dafür. Ich bin jemand, der für die Bühne lebt und da auch die Energie und Leidenschaft herzieht. Dafür mache ich Musik und Liveauftritte.

Bevorzugst Du Clubs oder Festivals?
Eigentlich Clubs. Vom Gefühl her schon. Ich bin selbst auch kein richtiger Festivalgänger, ich gehe lieber auf ein Konzert. Und deswegen finde ich Clubs, vor allem kleinere, in denen es intim, voll und schwitzig ist, am besten. Besser als auf großen Festivals, wo nur ein paar Leute vor der Bühne stehen.

Ja, so zehn Meter vor der Bühne! Die ganzen Musikblogger!
Ja, genau! Das sind dann auch immer die Musikkritiker!

Bist du denn privat auch ein Clubgänger?
Früher schon. Mittlerweile bin ich auch oft zu Hause, ich gehe nicht mehr oft weg. Da ich ja in Heidelberg in einem Club arbeite, bekomme ich ja immer viele Parties mit und da ich da nicht trinken darf, bin ich oft in der Beobachterrolle. Ich genieße es total, da auch Musik zu hören und mitzukriegen, was das neueste ist und das dann auch als Inspiration mitzunehmen.

Eine Frage zum Video „So He Stood“- ich habe das mit der Laterne nicht verstanden.
Wir haben das extra subtil gemacht, etwas gesucht, in dem wir die Wohnzimmer- und die Mofaszenen verbinden können. Man soll das mit dem Licht interpretieren wie man will, bei der Kunst ist es ja immer schön, wenn man nichts vorgibt, aber gedacht ist es tatsächlich als Symbol für die Liebe zwischen meiner Freundin und mir. Ich trage die quasi immer noch mit mir herum und versuche mit dem Mofa dem ganzen zu entfliehen und am Ende ist sie aus und ich stell sie ab.

Ach, dann hab ich es ja doch ein wenig kapiert. Ihr habt das Video schon in und um Berlin gedreht, oder? Das erkenne ich doch an den Chausseen.
Ja, da ist einiges in Brandenburg gemacht worden. Wir wollten eigentlich auf so einen ehemaligen Sowjetbunker fahren, eine Stunde nördlich von Berlin. Als wir da waren, konnten wir nicht richtig auf das Gelände, bzw. es war so riesig, dass wir den hätten suchen müssen. Aber das Betreten war eh verboten und vorbeikommende Fahrradfahrer sagten uns, dass dort überall Minen liegen würden. Da hatten wir einfach Respekt und hätten es auch zeitlich nicht geschafft, da jetzt auch noch den Bunker zu suchen. Und dann sind wir rumgefahren und bei einem alten DDR-Bahnhof gelandet. Dann fing es auch noch an zu regnen und wir meinten, dass wir irgendwas filmen müssen, damit wir
auch was haben. Und das war ein Glücksgriff, denn wir wollten so ein bisschen trostlose DDR-Kulisse filmen, aber die Dörfer sind ja schon alle saniert und gepflastert. Aufbau Ost hat geklappt!

War der Videodreh was für Dich?
Auf jeden Fall. Aber es war sehr anstrengend. Ich bin Freitagabend nach Berlin gekommen und Montag morgen wieder gefahren und hab in der Zeit insgesamt etwa acht Stunden geschlafen. Diese Wohnzimmerszene haben wir einfach in einer Nacht komplett durch gedreht. Bis morgens um sieben und sind dann noch mal nach Brandenburg und haben die Mofaszenen gedreht.

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Und hast Du das eher mit Freunden gemacht oder hast Du das alles bezahlt?
Das war ein Freund von meinem Produzenten. Ich kannte den schon, habe den öfter in Berlin auf Konzerten getroffen. Der hat im Grunde alles gemacht. Wir waren eigentlich auch nur zu zweit. Wir hatten natürlich an einem Tag die Katharina dabei, die auch geschauspielert hat. Eigentlich war sie nur für die Requisite zuständig, weil sie hier in Berlin beim Theater arbeitet und dann hat auch am ersten Tag der Bruder vom Produzenten geholfen und sonst hat er alles allein gemacht. Kamera, Schnitt, die Effekte und das Colour Grading. Ich habe wirklich selten jemanden erlebt, der so viel so gut kann und auch so viel arbeitet. Er hat 150% gegeben.

Und das als Freundschaftsdienst! Könntest Du dir vorstellen auf Dauer in Berlin zu leben? Wegen der Szene? Oder meinst Du, es ist eher nicht notwendig?
Ich kann nicht beurteilen, ob es notwendig ist. Ich hab Respekt davor und habe Angst, ein wenig unterzugehen. Auch von der Psyche her. Ich finde Berlin im Sommer schön, im Winter weiß ich eher nicht, denn den halte ich auch schon im Süden kaum aus. Ich würde schon für einen konkreten Grund nach Berlin kommen: Albumaufnahmen in einem guten Berliner Studio und dann würde ich mich auch freuen und das auch machen.

Ich denke, Mannheim hat ja auch eine ganz gute Szene. „Söhne Mannheims“ gibt es ja nicht ohne Grund.
Ich kenne da halt auch viele Musiker, die ich auch für mein Projekt oder für eventuelle Live-Auftritte fragen kann oder wenn was im Studio eingespielt werden muss. Da würde ich auch in Berlin Leute kennen, aber Mannheim liegt mir einfach auch von den Freundschaften her im Herzen.

Ich denke, man muss grad in der elektronischen Musik nicht unbedingt herkommen, das kann man doch überall machen.
Ja, und im Moment gehen viele nach Berlin und das schreckt mich auch ab. Wenn ich einer von fünfen wäre, der sagt, dass er nach Berlin geht, dann wäre das auch anders. Aber aus Mannheim sind so viele nach Berlin gezogen, da will man einfach nicht der Hundertste sein, der das macht.

Das versteh ich sehr gut. Bist Du denn eigentlich schon bei einem Label?
Das ist alles noch Eigenregie. Ich bin bei Melt!Booking und habe die EP allein veröffentlicht. Vor allem, weil es für mich wichtig war, die Sachen jetzt rauszubringen und neue Sachen zu entwickeln. Ich stehe schon lange damit auf der Bühne und wenn ich jetzt zu einem Label gegangen wäre, dann hätte sich das wieder alles bis zu einem Jahr hinausgezögert und das wollte ich nicht. Deswegen habe ich das mit meinem Management und mit meinem Produzenten gestemmt und ich bin froh, dass wir das gemacht haben, denn man lernt auch wahnsinnig viel dabei.

Und wenn Label, dann eher Major oder eher Indie?
Vom Arbeiten her eigentlich eher ein Indielabel oder etwas Kleines, aber ich bin niemand, der ein Majorlabel von vornherein ablehnt, weil das der Satan ist, aber es muss von den Leuten her passen. Und wenn man merkt, dass passt zwischenmenschlich und die verstehen meine Musik und mich als Künstler, dann würde ich auch das überlegen oder unterschreiben. Wenn die Möglichkeit bestehen würde, dann auf jeden Fall. Aber vom Bauchgefühl her tendiert man schon eher zu einem kleinen Label, wo man die Leute kennt und das alles nicht so eine riesige Maschinerie ist. Man muss sich eben verstehen und gut zusammen arbeiten. Pauschalisieren kann man nie

Ich danke für das Gespräch!

Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.

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