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Im Plausch mit: END

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  • Beitrag zuletzt geändert am:5. April 2018
  • Beitrags-Kategorie:Interviews / Musik
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  • Lesedauer:13 min Lesezeit

Nein, die Schweiz ist zu klein. Es gibt keine Nischen, es gibt gar nichts.

Interview und Foto: Friederike Suckert

Die Baseler Band END war gerade mit The Boxer Rebellion auf Tour und so haben wir und der Manager uns nach ihrem tollen Konzert im SO36 auf einen Plausch im „Salon Schmück“ getroffen. Eigentlich alte Freunde sind sie jetzt eine Indie-Rock-Band, bei der es irgendwie einfach flutscht. Das erste Album „People of the Stream’s Mouth“ ist in der Schweiz sehr erfolgreich, was mit Sicherheit nicht zuletzt an den schönen Videos liegt. Auf jeden Fall eine tolle Entdeckung und ich denke, da geht noch einiges im Indie-Himmel.

***

Ihr seid ja alte Freunde und es heisst, Ihr hättet Euch zusammengetan, um Eure verschiedenen Einflüsse zu einem Ganzen zu verschmelzen. Was sind denn Eure Einflüsse?
END: Wir haben schon so einige Bands bei denen wir auf einem Nenner sind. Zum Beispiel Radiohead finden wir alle ziemlich geil und auch R.E.M. Dann haben wir aber auch Einflüsse aus dem Heavy Metal Bereich, Tool zum Beispiel. Und einer mag Hip Hop, deutschen Hip Hop.

Echt? Naja, der wird ja wieder besser.
Aber auch elektronische Musik, auch viel Techno. Alles Querbeet. Bei jedem Song steckt sehr viel von jedem Einzelnen drin und natürlich spielen die verschiedenen Einflüsse eine recht große Rolle und so kommt alles zusammen und ergibt ein Ganzes, das eine gewisse Eigenständigkeit hat.

Ihr seid alle aus Basel, nicht? Kennt Ihr Euch seit kleinauf oder durch die Musikszene?
Wir sind von kleinauf Freunde. Wir haben schon immer Musik gemacht, aber es war nie etwas Konkretes. Es war immer alles aus Spaß bis vor ca. zweieinhalb Jahren, als dann die Songs da waren und das Management dazu kam. Auf einmal gab es einen Plan. Für ein Konzert gab es dann gute Resonanz, es war wie ein Zug der ins Rollen kam. Jetzt sind wir hier in Berlin.

Das ist also ein Selbstläufer gewesen.
Ja, es war alles sehr organisch. Es war schon immer von allen eine große Leidenschaft und als am Ende die Songs da waren, da ging es halt weiter.

Seid Ihr nun nach Berlin gezogen oder bleibt Ihr in der Schweiz?
Wir sind in der Schweiz, Zürich und Basel. Aber wir haben unsere CD hier aufgenommen und waren dadurch schon ein paar Male hier und haben auch schon im Mai hier gespielt.

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Ihr seid ja jetzt im Moment als Support von The Boxer Rebellion unterwegs, oder?
Ja.

Da ergeben sich zwei Fragen: kommt Ihr bald als Mainact auf Tour? Ist doch bestimmt geplant, oder?
Ja, schon! Hätten wir nichts dagegen.

Und macht Euch das Tour-Leben soweit Spaß?
Ja, das macht uns riesigen Spaß. Das ist fast das Beste!

Wie seid Ihr unterwegs? Im Bus?
Ja, wir haben zwei große schwarze Nightliner mit einem END-Zeichen drauf.

Ja, geil.
Für die hundert Menschen, die für uns arbeiten.

Und die Groupies, die auf Euch warten an der Stripstange!
Absolut. 30 in einem Bus!

Find ich gut. Und wo waren die schönsten Mädchen? In Wolfenbüttel? (Alles lacht) Aber habt Ihr sowas schon mal erlebt? Groupies und so?
Öööööh. (Lachen) Nee, eigentlich nicht. Nein, das müssen wir nicht beantworten.

Nein, ich mein ja jetzt nicht so explizit. Man sieht ja nur oft auf Konzerten Frauen, die irgendwie nicht die Musik hören, sondern einfach nur aufgebrezelt auf die Bühne starren oder quatschen und man fragt sich: Warum ist sie hier?
Also, wir empfinden es als Leute, die unsere Musik wirklich mögen. Aber vielleicht ist das ein Prozess, der sich noch entwickelt. (Lachen)

Ja. Die Läden, in denen Ihr jetzt spielt, sind eher klein oder eher groß?
The Boxer Rebellion ziehen halt ziemlich viele Leute an und für uns ist das schon groß. Bis jetzt waren es immer 300-800 Leute. Gestern, im SO36, war es bis jetzt die größte Venue und morgen spielen wir im Mojo in Hamburg, das ist noch größer. Bis jetzt waren die Clubs auch wirklich immer voll. Eine super Gelegenheit für uns.

Das macht bestimmt auch viel Spaß, oder? Mit so großem Publikum?
Unglaublich! Es ist eine ganz andere Energie! Du bist halt Support einer Band von der du weißt, dass die Gas geben und dann geben wir auch Gas und zusammen gibts dann einen richtig fetten guten Abend. (Lachen)

Nochmal zurück: eine eigene Tour ist geplant?
Wir waren ja viel unterwegs und wir wollen mal schauen, was 2015 so bringt. Wir sind natürlich extrem offen.

Wie ist Euer Name END zustande gekommen? Ich meine, fröhlich ist er ja nicht.
Der ist relativ simpel entstanden. Wir haben wirklich lange gesucht und wir hatten den ersten Videoclip „Disconnected“ rausgebracht, der eher ein Experiment war. Wir haben uns mehrere Versionen zugeschickt und dann stand unter einer „End-Version“ und dann war es irgendwie sehr schnell klar, dass das passen könnte.

Ah, das klingt wie eine schöne klassische Namensfindung. Beziehungsweise: der Name hat Euch gefunden.
Ja, es war wirklich so. Wir haben gesucht und dann war es so klar.

Was denkt Ihr: ist die Szene in Basel oder der Schweiz eher sehr klein und familiär?
Sie ist sehr lebhaft. Gerade in den letzten Jahren hat sich da einiges getan. Es gibt auch lokale Unterschiede. In Basel, wo wir herkommen, da gibt es sehr sehr viele Bands und eine sehr lebendige Szene und gute Auftrittsmöglichkeiten. Generell ist aber festzustellen, dass sehr viele Bands wie selbstverständlich ins Ausland gehen. Nach Deutschland und versuchen dort, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Anna Aaron zum Beispiel oder auch Sophie Hunger aus Zürich, es gibt gerade einige Bands aus Basel, die hier erfolgreich sind.  Ja klar, die Schweizer Szene ist sehr weit weg von der englischen, aber sie ist im Moment auf einem sehr gutem Wege.

Ist als Band irgendwann notwendig aus der Schweiz weg zu gehen? Was meint Ihr?
Ja, auf jeden Fall. Wenn Du nicht so krasse Mainstream-Musik machst, die es in die besch(piep) Schweizer Radiosender schafft, dann kannst du einfach nicht in der Schweiz überleben. Sobald Du nicht komplett Mainstream bist, musst du ins Ausland.

Wirklich? Ich hätte das nicht gedacht.Ich dachte, das funktioniert ganz gut, weil es eben klein ist.
Nein, die Schweiz ist zu klein. Es gibt keine Nischen, es gibt gar nichts.

Okay, ich hab mich mal mit einem DJ unterhalten und der meinte, es reicht in seiner kleinen Stadt zu produzieren. Als DJ ist es aber sicher anders.
Na, bei einer Band sind es eben mal schnell sieben Leute, die profitieren müssten. Man muss mehr Umsatz machen.

Könnt Ihr denn schon so halbwegs von der Musik leben oder ist es grad noch so ein Balanceakt?
Nein, nicht so ganz.

Ihr habt alle noch nebenher einen „richtigen“ Job, aber der Plan ist schon, davon leben zu können? Oder haltet Ihr das für unrealistisch?
Wir nehmen das wirklich Schritt für Schritt. Wir hätten nie gedacht, dass wir heut in Berlin sind und mit Boxer Rebellion spielen. Gehofft haben wir so etwas schon, aber das kannst du nicht voraus sagen. Wir genießen das wirklich und versuchen auf diesem Weg noch mehr Türen aufzustoßen.

Ihr habt also quasi die Geduld, das langsam anzugehen und jetzt nicht auf Teufel komm raus Zeug zu produzieren?
(Alles schaut zum Manager, der lacht.) Das sind verschiedene Aspekte: wir haben die Musik, die unsere Leidenschaft ist und wir wollen gute Songs schreiben. Dann haben wir das Management, das man als Portal nutzt und uns rausbringt. Es sind zwei verschieden Sachen. Wir haben schon einen klaren Plan, so plus minus, und wir müssen uns den für das nächste Jahr noch anschauen. Aber wir wissen schon, welche Dinge wir in Angriff nehmen wollen. Aber eben Schritt für Schritt.

Könnt Ihr Euch denn vorstellen, dass Ihr alle mal zusammen nach Deutschland in die selbe Stadt zieht? Bei so vielen Leuten ist so ein gemeinsamer Bandumzug ja schon eine große Sache.
(Schweigen, große Augen, kleine Panikattacke meinerseits, plötzliches Gelächter.) Bisher war Deutschland ja immer so gut zu erreichen und… Na, du bringst uns ja auf Ideen! (Wieder Gelächter)

Ich meine, München könntet Ihr ja zum Beispiel gut machen. Das ist ja nah an der Schweiz, es wäre ein guter Kompromiss.
Ja, aber die Musiker sind ja in Berlin und…

Ja, ich mein ja nur. Vielleicht steht Ihr ja auf´s P1 oder guten Fußball…
Den haben wir auch in Basel.

Das weiß ich nicht. Ich krieg ja nur Deutschland mit und Berlin ist ja nicht sooo…
Ach, wir lieben Berlin!

Ja, ich auch. Ich bin von hier, ich weiß, was Ihr meint. Also, ich würde nicht unbedingt nach Basel für einen besseren Job ziehen. Das sind aber meine Belange, wir wissen ja, dass viele Deutsche in die Schweiz gehen, weil vor allem auch in Pflegeberufen die Bezahlung so viel besser ist. Aber würde es euch keine Angst machen, unter zu gehen? In Berlin gibt es unfassbar viele Bands. Klar, Ihr habt ein Management, da sieht es wieder anders aus, aber das schockt Euch nicht?
Es ist halt die Frage, was es bringt. Aus welchen Gründen zieht man hierher? Für eine Band muss es Gründe geben. Ist das Label hier? Sagt man, für ein Jahr ist man jetzt hier, nimmt ein Album auf, eben in Labelnähe und ich denke, wenn man solche Gründe hat um hierher zu ziehen, dann kann das gut gehen! Wir kennen auch andere Bands aus Basel, die auch einfach mal eben nach Berlin gegangen sind und dachten, sie kommen mega weit und diese Bands sind jetzt gestorben.

Ist es nicht auch für die Entwicklung ganz gut, wenn man mal in eine andere Stadt kommt? Neuer Lebensabschnitt, neuer Input.
Ja, wenn man ein Album schreibt und eine Luftveränderung braucht, dann kann das einer Band auch helfen und sie inspirieren. Aber wenn jetzt eine Band ohne Management und Plan sagt: „Komm, wir gehen jetzt mal eben nach Berlin!“, dann würde ich wirklich davon abraten. Einfacher ist es nicht hier, ganz im Gegenteil: die Konkurrenz ist nochmal größer und nochmal besser, auch wenn der Markt in London oder Amerika noch größer ist.

Ja, das stimmt schon. Ich glaube aber auch, dass es hier in Berlin trotz allem noch einen ganz guten Zusammenhalt gibt. Das sehen nicht alle so, aber ich schon. Sagt doch mal: wer macht denn Eure Videos? Die sind ja schon schön. Macht Ihr die zusammen oder habt Ihr einen Regisseur?
Wir haben einen guten Freund, der ist Regisseur und der kennt uns schon länger. Mit ihm gehen wir auch Schritt für Schritt vor und da entwickelt sich langsam eine Sprache. Bis jetzt
hat es funktioniert.

Die sind super! Vor allem das eine, das so dunkel war… Entschuldigt, ich kann mir so wahnsinnig schwer Titel merken.
Ah, „In Amber“.

Ja, das war wirklich toll. Wie schreibt Ihr Eure Songs? Zusammen?
Es entsteht sehr viel im Bandraum. Wir jammen und diskutieren und jammen und so stellt sich dann einfach was raus.

Großer Spaßfaktor dabei?
Ja, definitiv.

Schon wichtig, oder?
Ja, nachher ist es Arbeit, aber zuerst ist es Inspiration und man versucht, irgendwelche Sachen zu bekommen und weiter zu blicken. Das Telefon funktioniert immer wie ein Notizblock und man nimmt alles auf. Es ist immer sehr viel, alles so Zeugs, dass wir extrem geil finden für den Moment. Einer von diesen hundert Fetzen schafft dann in einen wirklichen Song umgewandelt zu werden. Ganz zum Schluss kommen da noch die Lyrics drauf.

Seid Ihr da im Gleichgewicht oder gibt es nur zwei oder drei von Euch, die da „abliefern“?
Nein, die Basis machen wir eigentlich alle zusammen. Melodie kommt dann meistens von einem, aber in der Band ist das am inspiriertesten. Die Fetzen werden einfach weiterentwickelt. Geschliffen, geschliffen, bis er umfällt.

Seid Ihr nach so einer Tour durch oder sammelt Ihr auch da Inspirationen?
Eine Woche ist nicht lang.

Achso, ja… das stimmt!
END (Manager): Also, wenn ich das so von außen beurteilen darf, dann sind die Jungs nach einer Tour viel aktiver als vorher. Vor der Tour ist immer ein bisschen zu viel zu organisieren, es geht um finanzielle Fragen, was der Band meist nicht so gut tut und das ist schwierig. Nach der Tour steht wieder die Musik im Vordergrund und alle Jungs haben wieder Bock auf die nächste Tour. Weiter geht’s. Jede Tour war einfach eine Steigerung, die Resonanz war immer sehr sehr toll und das gab auch wahnsinnig viel Energie und Motivation. Man sieht, dass das Ganze Früchte trägt. Und wenn es dann so läuft, dann ist das eine gute Motivation!

Vielen Dank!

Fakten

Aktiv seit 2009.

Facebook | Homepage

2013 – Parabol (EP)
2014 – People of the Stream’s Mouth

Termine
24.01.2015 Biomill / Laufen
30.01.2015 Schüür / Luzern
05.03.2015 Kiff / Aarau

Luca Daniel (Gesang, Gitarre)
Patrice Vogt (Gitarre)
Stefan Biedert (Bass)
Raphael Bottazzini (Schlagzeug)
Thomas Breitenstein (Keyboard)

Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.

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