Schwupps, die alte Kamera eingepackt
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Text und Fotos: Inken Petersen
MS Dockville Festival vom 18. – 21. August 2016
Einmal Jährlich glitzert und funkelt der Hamburger Hafen – Das MS Dockville in Bildern | Eine Fotostrecke
Diesmal dachte ich mir, es wäre doch schön, mal wieder die alte analoge Kamera mitzunehmen. Ein paar Bilder schießen, ohne nachschauen zu können, ob sie auch wirklich etwas geworden sind, ohne auf Anhieb die ach so blöden Fotos löschen zu können. Heute hat jede_r Zweite eine Einwegkamera bei einem Festival am Mann/an der Frau. Es ist aber auch so schön aufregend, die Fotos erst nach ein paar Tagen und dazu auch noch unbearbeitet und schon gedruckt in den Händen zu halten. Umso größer ist die Freude, wenn ungefähr ¾ der Bilder ganz passabel geworden sind und nur das restliche Viertel dank Überbelichtung, nicht vorhandener Schärfe oder Dunkelheit in den Mülleimer wandern muss. Einige digitale Bilder sind jedoch auch dabei.
Ein paar Fotos von der Festivalatmosphäre, den Bühnen und Leuten habe ich versucht für Euch einzufangen und flux eingescannt.
In meiner MS Dockville Ankündigung zeichnete ich Euch grob auf, was das MS Dockville zu bieten hat. Am Wochenende waren über 100 Künstler und Künstlerinnen auf den verschiedensten Bühnen zu bewundern. Im Hintergrund: der Hafen mit seinen gigantischen Containersammlungen, Schafe, Pfandsammler_innen und allerlei Kunst.
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Am Donnerstag hieß es erstmal: Orientierung schaffen, irgendwo im Nirgendwo einen Parkplatz finden, ein Plätzchen fürs Zelt ergattern, diesen für weitere Freundeszelte verteidigen und das Gelände ein wenig unsicher machen. Eine Hand voll DJ´s legte bereits am Donnerstag auf. Darunter waren z. B. Dirty Doering, Coma, Lexer oder Weval. Die restlichen Tage gestalteten sich entspannter. Bühnen, Bands, Freund_innen und der Hamburger Hafen.
Apropos Glitzer und Konfetti – Das Dockville feierte seinen zehnten Geburtstag! Passend dazu eine Konfetti-Animation (siehe Beitragsbild).
Ein wenig Hafen-Atmosphäre möchte ich Euch freilich nicht vorenthalten.
In der Freihandelszone gab es einiges zu ergattern: Einhornkissen, glitzernde Beutel, Schmuck, Mützen, Schmuck. Und erwähnte ich Schmuck?
Dieses Geschöpf erstrahlte ganz anmutig im Dunkeln. Zudem war es ein beliebtes Fotoobjekt.
Das Zirkuszelt bei Tag. (Links auf dem roten Gebäude erkennt man eher schlecht als recht das Wort „Sekt“. Am Vortag stand dort „Peter“. Vielleicht ist unter Euch jemand, der dieses Rätsel lösen kann.)
…und bei Nacht.
Verrückt. Dieses Tierchen bestand aus Fahrzeugteilen aller Art. So konnte man ein Rad eines Fahrrads, ein Armaturenbrett, einen Motorradhelm der als Nase diente und verschiedenste Metallteile erkennen.
Im Butterland war immer etwas los. Hier brachten Dj´s und Bands die Soundanlage zum Glühen.
Orientierung, wo bist du?
Alle warten gespannt auf Half Moon Run. Die Mädels hinter uns freuten sich besonders: „Der Sänger ist ja eine heiße Schnitte! Warum sagt mir sowas niemand?!“
Hier ist das Großschot zu sehen. Rechts und links davon tummeln sich allerhand Essstände.
Wer hätte das gedacht? Wenn es ein Großschot gibt, dann gibt es auch ein Klein…ähhh Vorschot. Die Größe hat hier aber gar nichts zu sagen, denn die absolut GROß(artig)EN Boys von Bilderbuch gaben hier ihre erstklassigen Songs zum Besten.
Für maritime Stimmung sorgten unter Anderem diese fischigen Kollegen.
Ach, so ein kleiner Mitternachts-Snack geht immer.
Es war mir eine Freude zu Kakkmaddafakka zum gefühlt 2063. Mal abzutanzen. Drei Mal dürft ihr raten, welches Lied die Zugabe war. Richtig! „What Is Love“.
Es war gar nicht so einfach die bezaubernde, elfengleiche Aurora bei ihrem zappeligen, hüpfenden, sich verrenkenden Tanzstil auf einem Foto festzuhalten. Dafür war es ein wunderschönes Konzert.
Und da haben wir sie. Die wunderbar schmantige, herzzerreißende, urkomische Österreichische Band Bilderbuch. Ja, das Getanze und Gestikuliere waren bilderbuchwürdig.
Die Band um Fil Bo Riva war leider nur zu Hälfte anwesend. Totsterbenskrank seien der Bassist und der Gitarrist. Sänger und Schlagzeuger nahmen es also mit Witz, dass sie das Publikum als halbe Band überzeugen mussten. Das taten sie! Hätte ich keinen Vergleich zu einem vorigen Auftritt, wäre es mir kaum aufgefallen.
Nach einigen technischen Problemen bei den Foals konnte sich Sänger Yannis traditionsgemäß ins auf ihn wartende Publikum stürzen.
Eines meiner Highlights waren definitiv Oscar. Hier wurden jeglicher Ernst und jede schlechte Laune wie von Geisterhand vom Gelände gefegt. Selbst nicht allzu große Indie-Fans konnten an dieser Stelle die Füße nicht stillhalten.
Wow. Was für eine Energie auf dem überquellenden Platz vor dem Großschot. Alle in Weiß und alle mit einer kräftigen, mitreißenden Stimme. Die Crystal Fighters wissen, wie sie ihre treuen oder angehenden Fans zum Tanzen bringen.
Etwas versteckt, im grünen Smirnoff Sound Collective legte am Samstag Nachmittag Karl Friedrich aus Halle mit ganz viel Fingerspitzengefühl auf.
Wenn RY X nicht im Maschinenraum gespielt hätte, hätte es mindestens 50 schmachtende Blicke weniger an diesem Wochenende gegeben. Er hat es aber auch drauf. Diese Stimme…
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Wenn ich die letzten Stunden des Dockville-Montags der letzten drei Jahre Revue passieren lasse, sehe ich unzählige Pfandflaschen, vollkommen intakte Stühle, Tische, Zelte und Pavillons, sowie Nahrungsmittel aller Art auf dem Festivalgelände verwahrlost herumliegen. Unverständlich, aber ein Fest für alle Sammler_innen. Im letzten Jahr durften ein paar Leute aus der Hamburger Region sich nützlich machen, den Pfand und die Möbel einsammeln und damit machen, was sie wollten. In diesem Jahr wurden diese eiskalt weggeschickt. Und wieso? Damit die unterschiedlichsten Sachen dann von einer Servicefirma auf einen Haufen gekehrt werden. Und das wortwörtlich. Ab in den Müll damit. Warum gibt es denn auf dem Hurricane beispielsweise die Aktion „Euer Zelt kann ein Zuhause sein!“ von Hanseatic Help (wird übrigens vom Musiker Bosse unterstützt), welche die Zelte, Schlafsäcke und Matten sammeln und sie an Obdachlose und Geflüchtete spenden. Der Standort ist interessant: Hamburg!
Ich habe für mich festgestellt, dass mir das Festival zu groß wird. Dass alles etwas unentspannter ist als noch vor zwei Jahren. Vor fünf bis sechs Jahren muss das Ganze wohl noch mehr nach meinem Geschmack ausgesehen haben, aber so ist das eben. Alles ändert sich und viele Festivals wollen größer werden.
Die Liebe zum Detail und die gute Musikauswahl sind dem MS Dockville zum Glück nicht verloren gegangen, deswegen könnte ich auch nicht mit reinem Gewissen die Frage verneinen, ob ich im nächsten Jahr wieder dabei bin. Man hat eine große Auswahl an internationalen, nationalen und regionalen Künstler_innen, kann sich tagsüber Bands anhören und von den Nachmittagsstunden bis in den frühen Morgen zu DJ’s abtanzen bis die Beine lahm werden. Es ist schon verführerisch.