Zurück zu den Wurzeln Festival 2018 Bericht MUSIKMUSSMIT

Keine Mainstream-Mucke: Zurück zu den Wurzeln Festival | Review

Vielmehr geht es um das Miteinander, das kollektive Feiern und auch darum, kleineren, unbekannten Künstler_innen eine Bühne zu geben.

Zurück zu den Wurzeln Festival vom 07.06. – 10.06.2018 in Niedergörsdorf
Text und Fotos: Katha Strophe

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Vorwort zu einem tragischen Festival-Ende

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Wir haben etwas mit uns gehadert, ob und in welchem Umfang dieser Festivalbericht überhaupt angemessen ist. Beim diesjährigen Wurzelfestival in Niedergörsdorf kam es nämlich am Sonntag, also zum Ende des Festivals zu einem tragischen Vorfall: ein Besucher kam aus bisher noch ungeklärten Gründen ums Leben. Aus diesem Anlass erscheint uns ein „normaler“ oder zu „euphorischer“ Bericht über unseren Besuch nicht angemessen. Gleichzeitig möchten wir den wilden Spekulationen um den Todesfall nicht noch mehr Antrieb geben und bitten euch daher sich aus Respekt vor den Hinterbliebenden nicht von bisher unbestätigten Gerüchten anstecken zu lassen. Das Wurzelteam hat auf der offiziellen Facebook Seite des Festivals ebenfalls um Respekt und Verständnis gebeten. Sobald weitere, bestätigte Details zu dem Vorfall vorliegen, werden sie vom Team auf der Facebookseite kommuniziert. Falls ihr Fragen habt oder etwas zur Aufklärung beitragen könnt meldet euch bitte beim Wurzelteam bzw. der Polizei in Niedergörsdorf.

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Ein holpriger Start ins lange Wochenende

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Glücklicherweise kamen wir nicht wie die Mehrheit der Festivalbesucher_innen am Donnerstag sondern erst am Freitagnachmittag am Festivalgelände an. Warum? Weil Berichten zufolge der Einlass am Donnerstag teilweise 5 Stunden und länger in Anspruch genommen haben soll. Natürlich verstehen wir grundsätzlich das Motto „Sicherheit geht vor“. Warum allerdings wohl jedes einzelne Auto einer Kontrolle unterzogen worden ist, bleibt für uns und andere Besucher_innen ein Rätsel. Als wir am Freitagnachmittag ankamen war von dem vermeintlichen Chaos am Vortag jedenfalls nichts mehr zu spüren. Der Einlass samt kostenloser Autoeinfahrt ging zu unserem Glück soweit zügig vonstatten. Auf dem Campinggelände war es zwar recht beschwerlich noch ein vernünftiges Plätzchen zu finden, allerdings war das Festival ja auch schon einen Tag im Gange und wer zuerst kommt, der/die mahlt eben nicht nur zuerst, sondern findet eben auch schneller den besseren Campingspot. Tagsüber konnte man sich aufgrund der sengenden Hitze sowieso nicht wirklich am – geschweige denn im – Zelt aufhalten, uns somit war es auch eigentlich ganz egal, wo wir letztlich unser Zelt stehen hatten.

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Eine Dusche, die sich gewaschen hat

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Problematisch gestaltete sich während des Festivals die Wasserversorgung. Dass das Duschen eben wegen der langen Trockenheit und dem dadurch bedingten niedrigen Grundwasserspiegels nicht wirklich möglich war, das haben wir natürlich gut verstanden. Dass es allerdings zu wenig Wasserstationen und Schattenplätze auf dem Festivalgelände gab, das war problematisch. Eine fast schon heldenhafte „Notlösung“ brachte da die örtliche freiwillige Feuerwehr. Täglich um 12 und 15 Uhr gab es auf der großen Landebahn des ehemaligen Militärgeländes eine „Feuerwehr-Dusche“ vom Löschfahrzeug aus – ein wirklich großartiges Erlebnis und die beste Abkühlung seit langem!

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Feuerwehr-Dusche

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Ein Festival (fast) ohne Barrieren!?

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Da das Zurück zu den Wurzeln mit einer wirklich tollen integrativen Grundidee wirbt, haben meine Freundin Viktoria und ich das Festival auch auf seine Barrierefreiheit hin getestet. Durch die temporären Bodenmatten sind wir auch mit dem Rollstuhl soweit gut über das Gelände gekommen. Hier und da waren mal ein paar weitere helfende Hände notwendig, um bergauf zu kommen oder kleinere Hindernisse zu überwinden, aber zum Glück waren da schnell hilfsbereite Besucher_innen zur Stelle, um zu helfen. Insgesamt ist das barrierefreie Konzept eine schöne und wichtige Idee und für ein mittelgroßes Festival wie dieses auch schon ziemlich gut umgesetzt.

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Katharina und Viktoria

Allerdings gilt es, dieses Konzept noch weiter auszubauen, sodass letztlich auch alle Bühnen (die Live-Band Bühne war z.B. eingebaut und nur via Treppe zu erreichen) und nicht nur die hinteren Dancefloor Bereiche gut mit dem Rolli zu erreichen sind. Schotterwege sind für Rolli-Fahrer_innen zudem auch problematisch, da sich die kleinen Steine leicht in den Rädern verkeilen können. Warum es in barrierefreien Dixies zudem keine bzw. kaum Haltemöglichkeiten gibt, war uns auch ein Rätsel. Hilfreich wäre insgesamt auch ein Lageplan gewesen, um generell schneller ein besseres Gefühl für das Gelände zu bekommen, aber auch, um zu wissen, wo man gut mit dem Rolli lang kommt und wo nicht! Besonders toll war das Inklusionscamp, das insbesondere für Menschen mit Behinderung geschaffen wurde und mit großen Zelten und Feldbetten ausgestattet war. Die Helfer_innen im Inklusionscamp waren stets freundlich und hilfsbereit, ein großes DANKE dafür!

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Daumen hoch für Anti-Headliner-Kultur

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Das Wurzelfestival wirbt nicht mit großen DJs oder Bandnamen. Wer also ausschließlich auf bekannte Mainstream-Acts steht und keine Überraschungen mag, ist bei diesem Festival eher fehl am Platz. Vielmehr geht es um das Miteinander, das kollektive Feiern und auch darum, kleineren, unbekannten Künstler_innen eine Bühne zu geben. Wir finden das super und möchten an dieser Stelle festhalten, dass uns viele DJ-Sets tatsächlich mehr mitgenommen haben als einige zuletzt gehörte Sets aus der bekannten Berliner Techno- und Elektro-Szene. Ein solches Konzept ist auch perfekt, um sich das Gehetze von einer Stage zur anderen zu sparen. Wir waren vielmehr im Moment und eben da, wo die Musik gerade gut war, konnten unserem Herzen und unseren Ohren folgen und uns ganz ohne Druck treiben lassen. Musikalisch wurden wir insgesamt also mehr als zufrieden gestellt, auch wenn wir uns noch ein paar mehr Live-Bands gewünscht hätten. Es war alles in allem ein Ohrenschmaus.

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Ungetrübte Stimmung bis zuletzt – trotz Kritikpunkte

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Allgemein gesprochen haben wir ein schönes Wochenende auf dem Zurück zu den Wurzeln Festival verbracht. Wir möchten uns bei den fleißigen Helfer_innen und Organisator_innen bedanken, besonders dafür, dass es bei diesem Festival eben neben guter Musik auch um Nachhaltigkeit und Integration geht. Die Öko-Klos waren eine willkommene, ökologischere Alternative zu den Chemie-Dixies (die es in kleinerer Anzahl auch gab). Das Pfandsystem war allerdings etwas fragwürdig; es wurde 1 Euro Pfand (als Pfandmarke gab es ein Kondom in der Pappverpackung) für Einwegbecher verlangt. Zwar hieß es im Nachhinein, dass diese nicht aus Plastik sondern biologisch abbaubar seien, allerdings wusste darüber weder das Barpersonal Bescheid noch stand davon was auf den Bechern. Für das nächste Jahr würden wir uns an dieser Stelle also noch etwas mehr Hintergrundinfos und Aufklärung zum Konzept seitens der Veranstalter_innen wünschen, auch um mehr „Awareness“ bei den Besucher_innen zu schaffen.

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Abgesehen von einigen genannten Verbesserungsvorschlägen war es trotz der Hitze ein wirklich gelungenes Festival. Rückblickend sind wir aber wie bereits zu Beginn des Berichts erwähnt, äußerst bedrückt und traurig darüber, wie das Wochenende sein Ende gefunden hat. Wir hoffen, die tragischen Umstände werden bald aufgeklärt und dass durch Vermeidung von Schwachpunkten des Sicherheitskonzepts und/oder auch mehr geschulte Sanitäter_innen Unfälle oder sogar schlimmeres in Zukunft vermieden werden können. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt der Familie und den Freund_innen des Hinterbliebenen.

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Katha Strophe

Ich esse gerne und viel und trinke tagsüber Tee und (abends) hin und wieder gerne auch mal Wein. Ich mag meine Heimatstadt Berlin, aber bin trotzdem häufig und gerne weit weg. Ich schlafe gerne, aber bin auch gerne lange wach. Ich bin gerne draußen, mit Freunden unterwegs aber ab und zu auch gerne mal allein. Des Weiteren mag ich übrigens auch Musik. Um genau zu sein mag ich besonders Musik aus der Indie-, Blues-, (Garage-) Rock-, Soul-, Elektro-, Folkrichtung und alles was sich sonst noch gut anhört.


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