Vorgestellt: Herbstlaub und Die Nachtstunde aus Berlin | Interview

Elektronische Musik mit Tiefgang

 

So speziell wie seine Musik, sind auch die Worte, mit denen er über sie und seinen musikalischen Werdegang spricht. Der Belgier Jens Vydt aka „Herbstlaub“ bzw. „Die Nachtstunde“ hat uns im Mail-Interview von Instrumentalem und Elektronischem, von der Stimmigkeit des Lebens innerhalb der Musik und vom Flüstern erzählt.

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Stell dich bitte erstmal vor. Wer bist du und woher kommst du?

Ich mache seit fünf Jahren Musik unter federleicht.be, einem Bindeglied, welches verschiedener meiner Projekte ein Gemeinsames gibt. Vorher, als Teenager, spielte ich Bass-Gitarre in einer belgischen Post-Rock-Band. Aus dem Instrumentellen bin ich dann langsam beim Elektronischen angekommen, obwohl viele meiner Lieder immer noch die Entstehung und Handlung aus dem Instrumentellen innehaben. Die Musik, die mehr aus dem Elektronischen hervorgeht, wird zu „die Nachtstunde“, die Musik mit analoger Rührung „Herbstlaub“. Die beiden Namen, unter denen ich veröffentliche, kommen daher eher einem Gefühl nahe, welches sich während der Schaffung erreicht. Namen – so wie man einer Farbe von verschiedenen Lichtwinkeln aus nahekommen kann.

Wie bist du zur Musik gekommen? Welche persönlichen Einflüsse hattest du?

Musik war für mich immer schon mehr als ein „Begleiter“. Das Faszinierende, dass Klänge deren Erscheinen gleichzeitig ihr Verschwinden ist, ruft etwas Unwiderrufliches hervor. Es ist diese Duplizität, die fasziniert, sodass einer zur Musik kommt, indem er sich mit dem Leben beschäftigt. Denn nur in Musik scheint das Leben zu stimmen, oder – richtig zu sein. Die persönlichen Einflüsse sind für mich daher eher extra-musikalisch. Es ist das Verhältnis zur Stille und vor allem das Wort und die Bewegung des Wortes, also Poesie und Literatur, welches mich bewegt und mich u.a. zur Musik bringt. Aber auch die Stadt manifestiert sich, und man könnte sicherlich behaupten, dass, seitdem ich in Berlin wohne, die elektronische Dimension sich in meiner Musik verbreitet hat.

„Flüstern macht gemeinsam“ ist meiner Meinung nach ein sehr schöner Titel für einen deiner Tracks und passt sehr zum Gefühl, was deine Musik hervorruft. Bist du eher intuitiv zu dem Titel gekommen oder gibt es zur Entstehung eine Anekdote?

Danke. Noch kurz: zum Glück muss man das soeben Gesagte als Zuhörer natürlich nicht erfahren – es bleibt Musik. Genau so wie dieses ein Interview bleibt; daher: diesen Titel – und das Flüsternde – trägt für mich das ganze Album. Ich mag es, eine Veröffentlichung mit einem Gefühl oder Ereignis zu begleiten. Meine letzte Platte „Hauch“ spielte mit dem Leichten eines Hauchs; ein Singen, welches nie ein Singen ist, um den Titel zu umschreiben. Die >musikalische< Umgrenzung dagegen ist eine Bewegung, die ich dem Zuhörer überlasse. Vom Hauch zum Flüstern, also das, was sich zwischen den zwei Releases und Titeln abspielt, ist für mich ein wertvoller Bewegungsraum, aber auch genau das, welches ich nicht zeigen kann, denn es liegt außerhalb der Veröffentlichungsmöglichkeiten und ist mir daher am Wertvollsten. Es ist genau das, was mich motiviert, rührt und die Farbe aus verschiedenem Licht nahekommen lässt.

Welche Bedeutung haben Live-Auftritte für dich?

Live nutze ich neben Midi-Controllers und Laptop (Ableton) Gitarre, Glockenspiel und Synthesizers. Welche „Stimme“ und wie die Musik gestimmt wird, also Herbstlaub oder die Nachtstunde, wird immer mit dem Veranstalter und je nach Bühne und Abend entschieden. So spiele ich im März in Berlin, Mme. Claude, ein mehr instrumentelles Live-Set, und in Hamburg im April im Conception ein mehr ‚Dub‘-orientiertes Liveset, entsprechend meinem Dub-Album Dreifarbenwelt (auf Entropie Records, fr). Anfang Februar spiele ich in Belgien auf Winterwoordennacht (Waregem) zusammen mit einer Tänzerin und Live-Visuals, sodass auch andere Bewegungen und Bedeutungen des Live-Spielens sich ergeben und ich selbst als ein dankbares Element an etwas Größerem teilnehme.

Wenn du den Leser_innen sonst noch irgendwas mitteilen möchtest, dann tu das gerne an dieser Stelle!

Wenn der Leser auch ein Hörer wird: dass ich hoffe, dass das Ganze, was ich soeben von meiner Musik behauptet habe, sich eigentlich sehr von dem unterscheidet, was meine Musik für sie oder ihn wird.

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Alben
Herbstlaub – Sonnenwende – 2010
Herbstlaub – Dämmerleben – 2011
Herbstlaub – Zwischenwelt – 2011
Herbstlaub – Per Sonare – 2011
Die Nachtstunde – Klangwandler – 2011
Herbstlaub – This Grace Is Only Reaching Out To Surrender – 2012
Herbstlaub – Remnants – 2012
Herbstlaub – Streets Aren’t For Dreaming Youth – 2012
Herbstlaub – Our Love Was Only Half Forgotten – 2013
Die Nachtstunde – Dreifarbenwelt – 2013
Herbstlaub – Hauch – 2014
Herbstlaub – Flüstern macht gemeinsam – 2014

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Live
12.03.2015 – Herbstlaub (live) @ Madame Claude Berlin
04.04.2015 – Die Nachtstunde (live) @ Conception Hamburg

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Corinna
Wer?

Ich schreibe nicht gerne über mich, viel lieber berichte ich über andere und insbesondere über Bands, zu denen mich "die Kanzlerin" schickt. In der Fotografie zu Hause, bin ich als Blog-Knipse jedoch hauptsächlich dafür zuständig, meine Eindrücke von Konzerten mit Euch in Form von Bildern zu teilen. Ansonsten erlebe ich gerne Dinge, Menschen, Musik, Orte (jeden Tag auf's Neue und immer wieder gerne Berlin) und was noch so alles erlebbar ist.


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  1. 19. Mai 2016 @ 22:52 Festivalübersicht + Spezialempfehlungen 2016 | MUSIKMUSSMIT

    […] Kafka Tamura Herbstlaub […]


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