Kosmonaut 2016 Festivalbericht Foto Nele Hinner

Review: Kosmonaut Festival mit LGoony, Drangsal, Wanda uvm.

Kosmonaut Festival am 24. + 25. Juni 2016
Text und Fotos: Nele Hinner

Vier Jahre Kosmonaut

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In diesem Jahr konnte das Kosmonaut Festival sein vierjähriges Bestehen feiern. Auch 2016 fand es wieder im beschaulichen Karl-Marx-Stadt, direkt am Stausee Oberrabenstein, statt, und lockte an die 20.000 feierwütige Menschen und Chaoten.

Das Kosmonaut Festival wurde 2013 von der deutschen Indie-Rock Band Kraftklub gegründet. Der ausschlaggebende Grund dafür war die Tatsache, dass sich Chemnitz wieder nach einem Festival sehnte, nachdem das Splash! Festival erwachsen wurde, auszog und seinen Wohnsitz in die Ferropolis verlud. Aufgrund der ganzen positiven Resonanz, die das Festival 2013 erhielt, breitete es sich 2014 auf zwei Tage aus und die Besucheranzahl wuchs von 5000 auf 10 000 an. Ganz schön was los, da im Osten.

Friede, Freude, Sonnenbrand

Im Nachhinein bin ich froh, mein Hurricane-Ticket gegen ein Kosmonaut-Ticket eingelöst zu haben, da wir erstens nicht weggespült wurden und sich das Line-Up attraktiver für mich gestaltete!
Am Freitag begann ich erst ziemlich spät damit, mich mit der Musik auseinanderzusetzen. Wir hatten einen Grill, Bier und 15 Packungen Steaks. Warum also sich die Mühe machen und gefühlte 15 Minuten zum Gelände laufen. Zumal es 40 Grad im Schatten waren und sich jede noch so kleine Bewegung in Schweißausbrüchen äußerte. Ich klaute unseren Nachbarn ihre Dosen-Pappe, beschriftete diese liebevoll mit dem Ausruf „Turn Up!“ und schleppte mich gegen 18:30 Uhr zur Noisey-Bühne, auf der LGoony spielen sollte.

TURN UP! 

Es gibt nicht groß etwas zu dem Konzert zu sagen – Der Junge sieht aus wie 14, rappt wie 30 und versteht es, die Menge bei Laune zu halten! Zusammen mit Juicy Gay performte er einige Tracks, unter anderem auch „WKMSNSHG“ (für alle die, die nicht zur Anhängerschaft Money Boys gehören; gemeint ist: „Wie kann man sich nur so hart gönnen“). Die Sonne wollte nicht weichen und ich hatte sichtlich Spaß daran, mir den Rücken zu verbrennen. Ab 20 Grad hat niemand mehr so wirklich Lust zu pogen und Körperflüssigkeiten aller Art rumzuschleudern und aufzunehmen. Leider verstanden das viele LGoony-Fans nicht. Spätestens bei „Oida Wow“ schubste der Letzte seinen Frontmann ins Gewusel. Im Großen und Ganzen ein gelungener Start ins Festival-Wochenende! Zur Freude vieler Fans veranstalteten die Beiden um 20 Uhr eine Autogrammstunde und nahmen sich wirklich viel Zeit für ihre Fans – Das gibt `nen Daumen nach oben – Turn Up!

Turn Up! Quelle: Facebook Kosmonaut Festival

Turn Up! Nele in action. Quelle: Facebook Kosmonaut Festival

Lang lebe der Tod

Weiter ging es für mich um 22:45 Uhr auf der Hauptbühne mit Casper! Ja ich muss sagen, dass ich aufgrund der enormen Hitze viele Acts unter den Tisch fallen lassen hab‘. Hätte auch gern Karate Andi, Mule & Man oder Itchy Poopzkid gesehen, doch das war physisch einfach nicht umsetzbar. Da war er nun, der Mann, dem ganz Teenie-Deutschland zu Füßen liegt. War nie ein großer Fan seiner Musik, dennoch muss ich gestehen, dass er eine Wahnsinnsperformance ablieferte. Der Einsatz von Pyrotechnik machte seine Stimme noch rauchiger als sie ohnehin schon war und die Abenddämmerung verlieh dem Ganzen zusätzlich Dramatik. Er stellte an dem Abend erstmals seinen neuen Track „Lang lebe der Tod“ vor und verteilte 7000 Shirts mit dem Namen des Songs an Fans . Es dauerte nicht lang und jeder Zweite rannte mit dem Stück Stoff herum.

Kosmonaut 2016 Festivalbericht Foto Nele Hinner

SSIO, Nuttööö

Mein Highlight des Abends! SSIOs Ziel sei es nicht, Vorbild zu sein, er sei lieber Entertainer, wie er 16bars in einem Interview erklärt. Sein Debütalbum „BB.U.M.SS.N.“ aus dem Jahr 2013 glänzt mit Humor und Soundfestigkeit; seine Beats harmonieren perfekt mit seinen Lines und seine Shows sind erste Sahne. Kurzerhand holte er zwei Damen auf die Bühne, tanzte mit ihnen, startete während einer einstündigen Show ein Gewinnspiel, baute bei jedem Track die Masse mit ein, veranstaltete ein Moshpit… So ziemlich alles war dabei! Der in Bonn lebende Rapper rundete den Abend perfekt ab und verabschiedete die wildgewordene Festivalmeute in die Nacht.
Meine Nacht war um 1 Uhr vorbei, viele jedoch schauten sich auf der Aftershow Bühne Symbiz, Eskei83 und Drunken Masters an. Ich kann lediglich sagen, dass mir nur Gutes berichtet wurde!

HuSo am Absaufen

Um 7 Uhr stand auch ich Samstag wieder auf der Matte. Schön, dass die „Tankstelle“, bei der man belegte Brötchen und Kaffee bekam, und der Foodsharing-Stand keine 100 Meter von meinem Zelt entfernt waren. Bereits um 8 Uhr war es in der Sonne unerträglich und auch die Letzten krochen aus ihren Zelten hervor, die mittlerweile zur Sauna geworden sind. Die erste Idee, die uns in den Sinn kam: Ab zum See! Nur leider wurde vor 13 Uhr das Gelände nicht aufgemacht und wir saßen weiterhin im Trockenen, vegetierten dahin und schmolzen von unseren Campingstühlen. Gegen 12 Uhr erreichte uns die Nachricht, dass das Southside Festival bereits am Abend zuvor, aufgrund heftiger Unwetter, komplett abgesagt worden sei. Und auch die Leute vom Hurricane berichteten, dass dort Landunter herrschen würde. Bei uns war nicht eine Wolke am Himmel zu sehen. Pünktlich um 13 Uhr fing es auch bei uns an, ungemütlich zu werden. Ein Gewitter zog über unsere Köpfe hinweg und die Leute von der Security schickten alle Besucher_innen vom Gelände. Wir sollten das Nötigste mitnehmen und uns in unsere Autos begeben. Um Stress zu vermeiden, taten wir dies auch. Als wir dann endlich im Auto saßen, nieselte es nur noch, sodass wir kurzerhand wieder ausstiegen und zum Gelände marschierten. Der nette Mann von der Security fand das allerdings nicht so prickelnd und ließ uns vor 15 Uhr nicht auf’s Gelände. Acts wie Juicy Gay, Trettmann und MC Bomber wurden nach hinten verschoben und nachgeholt! Der Badebetrieb wurde vorerst für den kompletten Tag gestrichen, da aber hunderte Menschen trotzdem reinsprangen und herausgefischt werden mussten, wurde diese Regelung kurzerhand wieder aufgehoben.

Qualität top, Performance flop

Der Samstag begann für mich mit Drangsal! Einem Künstler, von dem ich bisher nur Gutes gehört habe. Ich würde ihn in die deepe Indie-Punk-Schublade stecken. Er erinnert stimmtechnisch sehr an Robert Smith! Nur was nützt Dir eine engelsgleiche Stimme, wenn Du nicht performen kannst?! Er bezog sich nur wenig auf’s Publikum, ratterte einen Track nach dem nächsten herunter und erzählte nicht viel. Bei aller Liebe, das Potential ist da, aber die Tatsache, dass ich nur wenige Erinnerungen an diesen Auftritt habe, spricht dafür, dass er nicht so toll gewesen sein kann.

1, 2, 3, 4, ich bin so gern bei Dir!

Hach ja, Wanda verbreiten überall gute Laune und schmettern einen Ohrwurm-Track nach dem nächsten! „1, 2, 3, 4“ ist zu meinem Kosmonaut-Song 2016 geworden. Die Sonne schien, die bunte Masse um mich herum tanzte, alle grölten mit. Wanda verstehen es, das Publikum zu bezaubern und mitzunehmen! Da sollte sich unser lieber Max Gruber von Drangsal eine Scheibe abschneiden und um Nachhilfe bitten.

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Du bist schön, aber dafür kannst Du nichts

Alligatoah galt als einer der Headliner überhaupt. Ich muss sagen, dass er mir gar nicht so gefallen hat. Liegt vielleicht auch daran, dass er nicht ganz meinem Musikgeschmack entspricht. Auf jeden Fall war er der Künstler des diesjährigen Festivals mit dem tollsten Bühnenbild! Ein riesiger Ballon und kleine Wolken schmückten die Bühne. Irgendwann stand aus irgendwelchen ominösen Gründen eine goldene Kuh neben ihm. Zwischen seinen Songs brachte er den einen oder anderen Witz, die zu seinem Pech alle überhaupt nicht lustig waren. Für mich war sein Auftritt mehr etwas für’s Auge als für die Ohren, ganz nach dem Motto „Du bist schön, aber dafür kannst Du nichts“.

Wenn es gut ist, wird es schön sein

…und das war es auch! Olli Schulz hat die anderen und mich im Sturm erobert. Wer ihn kennt, weiß, dass er ein Meister ist, was Witz, Wortgewalt und Entertainment betrifft. Da wir im Zeitalter der sozialen Netzwerke leben und kaum noch mit anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht kommunizieren können, forderte er kurzerhand alle auf, sich den Menschen um sich herum anzunähern und ein Pläuschchen mit ihnen zu halten – sehr amüsant und unterhaltsam!

Und geheime Headliner sind…

…die Fantastischen Vier! Ja, damit hätte wohl niemand so wirklich gerechnet und die Freude hielt sich bei den Meisten ebenfalls in Grenzen. Zugegebenermaßen hätte ich auch eher Deichkind, die Toten Hosen oder Seeed auf der Bühne sehen wollen, aber die Jungs legten keinen schlechten Auftritt hin und machten anfangs gut Stimmung. Allerdings kam irgendwann der Punkt, an dem sie nur noch langsame Tracks spielten und man konnte beobachten, wie tausende Menschen Richtung Zeltplatz marschierten. Vielleicht waren die Erwartungen, was den geheimen Headliner betraf, in diesem Jahr einfach zu hoch. Ich fand jedoch, dass Fanta4 würdige Headliner waren und ihren Job gut machten!

Kosmonaut 2016 Festivalbericht Foto Nele Hinner

Ich bin ein Berliner

Danach war ich eine Stunde beim Siggi und lauschte King Kong Kicks. Ein sehr gelungenes Set, das lediglich aus Trap bestand. Die Jungs stimmten mich sehr gut mit UFO361 ein, der später parallel dazu für ganze 15 Minuten spielen sollte. Nach einer Stunde tanzen war’s dann auch endlich soweit! Es waren nicht viele bei der Aftershow Bühne, allerdings reichten die Paar, um ordentlich Stimmung zu machen. Ich hätte mir schon den einen oder anderen Track mehr gewünscht und fand es ein wenig schade, dass da nicht mehr kam. Auf der anderen Seite war ich nach 15minütigem Mitgrölen von „Scottie pippen“ und „Ich bin ein Berliner“ vorerst nicht mehr in der Lage, meine Umwelt wahrzunehmen.

Surprise, Surprise

Bereits während des Auftritts von UFO regnete es wie aus Kannen und es sah fast so aus, als ob wir demnächst wieder evakuiert werden müssten. Aber das war glücklicherweise nicht der Fall und so warteten wir darauf, dass Holy Modee auftrat. Der Gute ist Mitglied der „Cosmo Gang“ und unter Trap-feiernden durchaus bekannt für Tracks wie „Dewit“ oder „Amen“. Wir waren jedoch hin- und hergerissen zwischen Schlafen-gehen-Zeltplatz und Im-Regen-stehen-Modee-feiern. Kraftklub erleichterten uns diese Entscheidung, da sie plötzlich auf der Bühne standen und „500k“ performten! Der Track ging langsam in „It G Ma“ von Keith Ape über, einem ebenfalls bekannten Track aus der Trapszene und schwupp, lief den restlichen Abend Trap. Modee rundete das Ganze mit „Rarri Rarri“ ab und der Abend wurde – aus meiner Trap-liebenden Sicht – perfekt.

Auf ein Wiedersehen

Das war das Kosmonaut Festival 2016! Wir haben mal wieder nur gelacht, das Line-Up war klasse, die Leute herzallerliebst, das Essen grandios – nicht zu vergessen. Ich kann jedem raten, sich die Sache vor Ort mal anzusehen. Das Kosmonaut glänzt mit familiärer Gemütlichkeit und ist jedes Jahr ein voller Erfolg, sowohl bei Fans, Veranstalter_innen als auch bei den Acts. Bis zum nächsten Jahr, liebes Chemnitz!



Nele
Wer?

Ständig auf Achse & meistens bei Festivals. Ich finde großen Gefallen am Gestalten, mich faszinieren Menschenmassen, ich hab’ nen Hang zur Dramatik und verfalle dem Schweren, so wie ich das Leichte liebe.   Am liebsten sind mir Indie und Elektro, doch ab und zu verirrt sich auch mal Trap in meine Playlist. Von mir werdet ihr Ankündigungen, Berichte und Empfehlungen über, von und für Bands wie La Femme oder Tocotronic, aber auch Künstler wie Weekend Wolves, ja womöglich sogar Rammstein, lesen. Von allem eben so 'n bisschen. Ach, und Festivals sind mir das Liebste! Lasst Euch überraschen, dies das (…)


'Review: Kosmonaut Festival mit LGoony, Drangsal, Wanda uvm.' has 1 comment

  1. 16. Dezember 2016 @ 22:41 Festivalübersicht + Spezialempfehlungen 2016

    […] Unser Nachbericht 2016 […]


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