Panikherz von Benjamin Struckrad-Barre

Aus dem Drogensumpf ins Bücherregal: Benjamin von Stuckrad-Barre – „Panikherz“

Benjamin von Stuckrad-Barre wurde durch seinen 1998 erschienen Roman „Soloalbum“ bekannt und traf den damaligen Nerv der Zeit. Seine Nachfolgeromane „Livealbum“ und „Remix“ schlossen geradewegs an die Erfolgswelle an. Daraufhin begab er sich mit anderen Großmeistern der Popliteratur, wie Christian Kracht und Eckhart Nickel, ins Hotel Adlon und sinnierte über das trostlose Dasein einer ganzen Generation: „Tristesse Royal“. Nun schrieb Benjamin von Stuckrad-Barre ein neues Buch: „Panikherz“. Und wieder einmal bringt er die Feuilltonnerds Deutschlands zur Schnappatmung. Entstanden ist die Autobiographie – ironischerweise – in der Traumfabrik Hollywood und es lässt auch die dunklen Abschnitte seines Lebens nicht aus: Drogensucht, Essstörung und Selbstauflösung. In alter Manier dreht sich trotzdem alles um Musik: Udo Lindenberg, Nirvana, Oasis und Phil Collins.

„Es musste dringend was passieren – und da knallte die Musik von Udo Lindenberg in meine Kindheit. Es war, als habe jemand einen Lichtschalter in meinem Kopf betätigt.“

Es ist keinesfalls eine linear erzählte Lebensgeschichte, die vor sich hintropft, sondern vielmehr eine gehetzte Rekonstruktion verschiedener Lebensabschnitte, auch wenn sich Stuckrad-Barre oft nicht an einzelne Begebenheiten erinnern kann (was auch am lebensbedrohlichen Drogenkonsum liegt), eine Beschreibung von erlebten und dem Weg zu seinem Erfolg, sowie sein hektischer Abstieg.

„Charakter nein – Nightlife bis zum bitteren Ende – Koma. Das war der Plot für die nächsten Jahre.“

Er erzählt von seiner Jugend als Pastorsohn in der Einöde von Rotenburg (Wümme), von seinen ersten Kontakten zur Popkultur, die ihn seit seiner ersten Schallplatte fasziniert und begleitet haben und von seinen ersten Medienerfahrungen. Sein Weg führt über verschiedenste Jobs in der Medienbranche, als Redakteur beim Rolling Stone Magazin, als Produktmanager beim Motor Music Label, Gagschreiber für Harald Schmidt und auch als seine Zeit des Popliteraturstar. Langsam beginnt der katastrophale Weg in den Ruin.

„Und dann entdeckte ich das Kotzen, Magersucht wurde Bulimie. Hundertprozent Lesesaalauslastung, ein Prozent Fett – das ist Glück.“

Die Selbstauflösung durch Drogen und Essstörung passiert jedoch nicht unfallartig, sondern er versteht es, dieses langsame Hinabziehen eindrucksvoll zu beschreiben. Letztendlich torkelt der Ich-Erzähler vollgepumpt mit Drogen durch die wirrsten Situationen und ist glücklich, wenn das Koks den Hunger unterdrückt und weiterhin Geld aus der Wand kommt. Er versucht völlig wahnwitzige Projekte mit allen möglichen Leuten umzusetzen, quatscht sie in die Ideen rein und gibt sie selbst nach kurzer Zeit auf – aus Langeweile und Desinteresse durch die Drogen. Mit diesem Mix aus Extase und Askese versucht der junge Stuckrad-Barre seinen Körper zu bezwingen, geht mehrere Male in Kliniken, scheitert weiter und verliert irgendwann jeglichen Bezug zur Realität, ja sogar seine Krankenversicherung, seine Freunde und Freundinnen und sein Zuhause. Was ihn am Ende rettet ist die Musik und die Liebe zu ihr, die ihn stetig begleitet und letztendlich aus dem Sumpf der Selbstzerstörung zieht.

„Gutes Buch?, fragte ich Ellis. Ja, er könne es empfehlen.“

Und so wird die Autobiographie zu einem schmerzhaften Strip, keine Bekenntnisschrift oder Entschuldigung. Es ist die dunkle Seite des „Soloalbums“. Seine Begabung zu beobachten, zu beschreiben und rasant zu assoziieren waren seit seinem Debüt bekannt und haben ihn vermutlich auch bekannt gemacht. Diese Begabung nutzt er nun und richtet sie gnadenlos gegen sich selbst.

Benjamin von Stuckrad-Barre geht mit „Panikherz“ im April auch auf große Lesereise. Ich werde auch in Dortmund bei der Lesung dabei sein und euch gerne im Nachhinein davon berichten.

Wann? 20.04.16, 20 Uhr
Wo? Dortmund, Fritz-Henssler-Haus
Wie viel? Ca. 22€

Termine Lesereise:
09.04.2016 Kiel, Orange Club
10.04.2016 Bremen, Modernes
11.04.2016 Braunschweig, Brunsviga
13.04.2016 Oldenburg, PFL
14.04.2016 Hannover, Apollo
15.04.2016 Bielefeld, Ringlokschuppen
17.04.2016 Münster, Schlosstheater
18.04.2016 Osnabrück, Rosenhof
19.04.2016 Düsseldorf, Zakk
20.04.2016 Dortmund, FHH
21.04.2016 Essen, Stratmanns
23.04.2016 Fulda, Kreuz
24.04.2016 Frankfurt, Batschkapp
25.04.2016 Heidelberg, Karlstorbahnhof
26.04.2016 Stuttgart, Theaterhaus
27.04.2016 Karlsruhe, Tollhaus
28.04.2016 Freiburg, Fabrik

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Jenny
Wer?

Aufgewachsen in einer zugegebenermaßen recht unmusikalischen Familie fing ich früh mit dem Schlagzeug spielen an, das ich aber aus Platz- und Lärmgründen während meines Philosophiestudiums aufgeben musste. Seither beschäftige ich mich einfach passiv mit der Musik und versuche erst gar nicht mehr meinen Geschmack einzugrenzen, denn je mehr desto besser. Immer. Überall. Ich höre u.a. Musik von Beatsteaks, Chance Waters, Moop Mama, Ratatat, Dendemann, Miike Snow, Hein Cooper, Tüsn, LOT.


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