Skunk Anansie in Berlin Konzertbericht

Konzertbericht: Skunk Anansie in Berlin

Von Ikonen und Menschen

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Konzert am 13. Februar 2016 im Astra Kulturhaus

Bevor ich mit dem Schreiben eines Artikels beginne, überlege ich mir manchmal zuvor, welche Ideen und damit verbunden Begriffe mir spontan zu einer/einem Musiker_in, einer Band oder einem konkreten Konzerterlebnis einfallen. Im Falle von Skunk Anansie und ihrem Auftritt, bei dem ich gestern im Astra Kulturhaus dabei sein durfte, kam mir immer wieder das Wort „Ikone“ in den Sinn, wenn ich an die Frontfrau Skin, die Gallionsfigur der Band, dachte. Aber was macht einen sterblichen Menschen zu einer Ikone, genauer gesagt, wie kommt es, dass andere Menschen eine Person als eine solche wahrnehmen? Der Begriff als solcher bezeichnet Kult- und Heiligenbilder orthodoxer Kirchen. Wikipedia sagt dazu: „Der Zweck der Ikonen ist, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten zu sein.“ Im modernen Sprachgebrauch bezeichnen wir auch bestimmte berühmte Persönlichkeiten als Ikonen. Persönlichkeiten, die etwas Bestimmtes verköpern, die wir bewundern, verehren, die makelloser erscheinen, als wir selbst und die ein gewisses Mysterium umgibt.

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Ein kollektives Phänomen

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Wer Sängerin Skin schon einmal live auf einer Bühne erlebt hat, wird Zeug_in eines kollektiven Phänomens geworden sein, bei dem die Menschen des Publikums augenblicklich zu einer staunend, sprachlosen Menge werden, die die Erscheinung, die sich ihnen präsentiert zu greifen versucht und sich schließlich der Anziehungskraft und der Energie hingibt, sich ergibt. Glückselig und verwundert zur selben Zeit.

Nachdem ich Skunk Anansie vor 17 Jahren schon einmal live erlebt habe (darüber habe ich bereits hier berichtet) und damals absolut hingerissen war, versuchte ich nun meine Erwartungen gering zu halten. Einfach, um nicht enttäuscht zu sein. Die Setlist, die ich zuvor eingesehen hatte, enthielt nur einige der alten Songs, die ich kenne und liebe. Der Großteil stammte vom aktuellen Album „Anarchytecture“, dass ich nur in Ansätzen kenne. Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Energie, die ich 1999 als überwältigend empfunden habe, heutzutage noch dieselbe sein könnte.

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Unangestrengte Perfektion

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Pünktlich um halb neun betraten die vier unter euphorischem Applaus die Bühne, um nicht zu sagen, sie wurde gestürmt – von drei zwar deutlich in die Jahre gekommenen, aber nicht weniger fantastischen Musikern und einer alterslosen Wildkatze, einer Dämonin, die mit fast unheimlichem Charisma und einer Stimmgewalt, die ich auf diese Weise noch nie erlebt habe, sich den Konzertsaal zu eigen machte. Gleich während des ersten Songs ließ sie sich furchtlos rückwärts in die Menge fallen, um von eilig entgegen gestreckten Händen über die Köpfe der Menschen getragen zu werden. Ihre Stimme während dessen ungebrochen, von einer unangestrengten Perfektion, die ebenso unmenschlich anmutete, wie ihre Erscheinung in ihrer Gänze.

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Ins Herz und in die Beine

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Obwohl ich keinen der Songs des ersten Drittels des Konzertes kannte, war die Verbindung zu dem speziellen Sound von Skunk Anansie sofort da. Rockig, rhythmisch, melodisch. Cass Lewis am Bass war nach wie vor tongebend, der volltönend groovende Herzschlag der Band. Trotzdem waren alte Songs aus ihren Vorgänger-Alben, wie „Paranoid and Sunburnt“ oder „Stoosh“ noch einmal besondere Highlights. „I Can Dream“ zum Beispiel ging mir wieder einmal direkt in Herz und Beine und ließ mich schwitzend, glücklich und nach Atem ringend zurück.

Nach fast zwei Stunden Spielzeit und drei Zugaben, beschloss „Little Baby Swastikkka“ von ihrem 1995 erschienen Debütalbum den Abend. Skin, die nach unzähligen Bädern in der Menge und fortwährendem Austausch mit Publikum und Bandmitgliedern die gehuldigte und gleichsam nahbare Königin der Show war, forderte die Menschen bei diesem letzten Song auf, sich auf den Boden zu setzen, was diese auch augenblicklich erwartungsvoll taten. Sie schritt darauf als stolze Amazone durch die Reihen, kniete sich zu uns herunter und schien dabei etwas von sich zu geben, stahlte und berührte und dankte für das, wie sie sagte, beste Konzert der ganzen Tour. Zusammen mit einer instrumentalen Eruption sprangen die Menschen in die Höhe, schlossen Skin mit ein und die Wellen trugen sie zurück zur Bühne, von der sie zusammen mit ihren Musikern wenig später verschwand und ein restlos begeistertes Publikum, mich mit eingeschlossen, zurückließ.

Diskographie:
1995 – Paranoid and Sunburnt
1996 – Stoosh
1999 – Post Orgasmic Chill
2010 – Wonderlustre
2012 – Black Traffic
2016 – Anarchytecture

Besetzung:
Gesang: Deborah Anne Dyer alias Skin
Gitarre: Martin Ivor Kent alias Ace
Schlagzeug: Mark Richardson
Bass: Richard Keith Lewis alias Cass



Corinna
Wer?

Ich schreibe nicht gerne über mich, viel lieber berichte ich über andere und insbesondere über Bands, zu denen mich "die Kanzlerin" schickt. In der Fotografie zu Hause, bin ich als Blog-Knipse jedoch hauptsächlich dafür zuständig, meine Eindrücke von Konzerten mit Euch in Form von Bildern zu teilen. Ansonsten erlebe ich gerne Dinge, Menschen, Musik, Orte (jeden Tag auf's Neue und immer wieder gerne Berlin) und was noch so alles erlebbar ist.


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