Princess Nokia live im Huxleys Berlin MUSIKMUSSMIT

Don´t Waste Her Time: Princess Nokia live in Berlin | Konzertbericht

Konzert am 13. November 2017 im Huxleys Berlin | Support: DJ Vilify
Text und Fotos: Friederike Suckert

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Die Prinzessin ruft, die Club Kids kommen.

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Als wir Bummeltanten am Montag gegen acht Uhr endlich am Huxleys ankamen, gab es immer noch eine ewig lange Schlange und unsere dritte im Bunde stand schon über 30 Minuten an der selben Stelle. Die Stimmung war sonst ganz gut, die jungen Menschen um uns herum sahen aus wie aus einem 80/90er-Jahre-Bildband über New York und die eine vor uns ist extra aus einer anderen Stadt gekommen. Ich hatte mich eh schon gefragt, ob das Konzert stattfinden wird, wurde es doch schon mal verschoben und ihr Auftritt beim Spektrum sang- und klanglos aus dem Timetable gekillt, ich war bis zum letzten Moment gespannt, ob es klappen wird.

Endlich in der Wärme angekommen bekam ich meinen Fotopass, der aber ein Backstage-Pass war, mit der fünffachen Bitte, nicht in den Bereich zu gehen „Sie ist da sehr streng!“. Wer Destiny Frasqueri aka Princess Nokia mal googlet und Videos schaut findet sehr schnell heraus, dass man ihr niemals in die Quere kommen möchte. Niemals. Vorne an der Bühne haben wir der DJ Vilify beim Warm-Up zugeschaut, die bei ihren Hip Hop Tracks sehr viel Spaß hatte. Ich war aufgeregt und hatte mir ärgerlicherweise auch noch meinen neuen Pulli mit Sauce bekleckert und kam deshalb nicht so in Fahrt.

Princess Nokia live im Huxleys Berlin MUSIKMUSSMIT

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Sie rappt, wir tanzen.

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Irgendwann gegen zehne – angesagt war um neune – ging’s mit „Tomboy“ los. Destiny kam im quietschgelben Fummel, mit riesiger Brille und dem ultimativen Grinsekatzen-Ausdruck. Sie hatte Spaß, wir hatten Spaß. Im Fotograben mithopsen ist nicht so machbar, aber der Boden bebte, weswegen ich mir sicher war, dass alle hinter mir abgehen. Als nächstes kam „Kitana“, alle am Mitgrölen. Sie fragt uns wie es geht und dass wir alle wunderschön sind und gerade wir Frauen* die Welt retten werden. Sie ist halt unsere Königin, Princess Nokia lässt sich gar nichts sagen und will uns dieses Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben. Und so setzt sie zu einem Puerto Ricanischen Lied an und da geht der Ofen erstmal aus: ein paar Leute haben mitgesungen. „No, this is only for me to sing. You can join if you’re a woman of color or Puerto Rican.“ sagte sie mit einem leicht pissigen Lächeln. Ich fand das nicht schlimm, glaube nicht an schwarzen Rassismus in dem Sinne und war zudem kein Stück überrascht. Princess Nokia sind ihre Puerto-Ricanisch-Nigerianischen Wurzeln sehr wichtig. Und ihrem Publikum auch. Und als ein paar trotzdem mitgesungen haben – ich vermute, denen hatte es sie mit ihrer Beschreibung eigentlich erlaubt – schaute sie etwas säuerlich. Egal, die Show ging weiter und sie kann einfach gut rappen.

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Ist der Ruf erst ruiniert – eine Anleitung in drei Schritten.

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Irgendwie war auf einmal der Wurm drin. Obwohl ihre Hits wie „1992“ die Menge zum Toben brachte, wurde Destiny muffig. Tracks wurden gefühlt einfach abgebrochen, sie drehte sich immer wieder zum DJ, machte Selfies von sich und irgendwann bat sie uns mit dem Rauchen aufzuhören. „I have Asthma, I’m already sweating. If you want to smoke a little weed, no problem, but no cigarettes anymore, please, show some respect.“ Das fand ich natürlich super, es war so verquarzt in der Bude und mich nervt es, dass es manche einfach immer übertreiben müssen. Ich glaub, die Bitte fand niemand wirklich schlimm, die Leute waren wirklich gut drauf. Es war auch faszinierend, dass nicht die ganze Zeit Smartphones in der Luft waren, somit alle voll dabei. Sie kam auch mal in den Fotograben, Händchen geschüttelt: „I love you, Berlin!“

Princess Nokia live im Huxleys Berlin MUSIKMUSSMIT

Nach 40 Minuten aber sank bei mir so langsam die Stimmung, die abgehackten Tracks wirkten irgendwann wie runtergenudelt und der Groove war raus. Tja, und dann kam DIE Ansage. „Show the artist some respecht! You’re not dancing, you’re staring at me like you’re watching a movie! I don‘ want to waste your time and you shouldn’t waste mine!“ Und alle so: „Entschuldigung??? Dein Konzert hat 32€ gekostet und Du hast gerade mal ein 40 Minuten langes Album rausgebracht?!“ Das war eine richtige Klatsche, die jungen Leute fühlten sich irgendwie schuldig. Und weil wir ja alle so unmotiviert waren hat sie erstmal eine Ballade gespielt. Klar, Princess, dazu kannste richtig mit´m Arsch wackeln. Ich musste eh mal wohin und bin auch direkt zur Garderobe, aber die letzten drei Songs hat sie nur noch gesungen (was sie eventuell eher lassen sollte) und dann ist sie einfach gegangen. Kein Tschüss, Metal Song an und die Massen rannten raus.

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Überall lange Gesichter.

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„Rassistisch, dass wir da nicht mitsingen durften!“, „WIR verschwenden IHRE Zeit?!?!?“, „Wäre ich mal zu Jamiroquai gegangen!“. Ein wackerer Fanblock rief noch zehn Minuten ihren Namen, aber nö: The Princess was not amused. Heißt es doch so schön „Don’t you fuck with my attitude!“ bei ihr. Was für eine herbe Abfuhr! Mir tat es sehr für die Jungspunde leid, die sahen alle verwirrt und enttäuscht aus. Vorm Huxleys war eine Stimmung wie nach der Notenvergabe vom Abi: Fassungslosigkeit.

Ich bin vorhin meine Notizen durchgegangen und fand nur einen Reim, den ich in dem Moment super fand, aber jetzt hat er einen fahlen Beigeschmack: „You want that I fail but I won’t cause I can’t“. Schade, richtig schade. Seit Mai drauf gefreut, meine drei Lieblingssongs direkt am Anfang verballert und auch im Grunde der ganze Feminismus und die Black Power für den Po, weil DJ männlich und weiß, dabei hätte sie die großartige DJ Vilify einspannen können. Dass es Destiny in irgendeiner Form interessieren wird glaube ich nicht, ich bin aber trotzdem auf weitere Produktionen gespannt.



Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.


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