Hauschka Konzertbericht MUSIKMUSSMIT

Konzertbericht: Hauschka live im Funkhaus Berlin

Konzert am 04. April 2017 im Funkhaus Berlin
Text und Foto: Katharina Blum

In Berlin Köpenick ist es ruhig. An der Spree steht ein riesiger alter Backsteinbau. An einem versteckten Eingang eine Menschenschlange. Auch drin im alten DDR-Rundfunkgebäude ist es ruhig. In einem großen holzvertäfelten Konzertsaal sitzen hunderte Menschen rund um drei Klaviere herum, die im Orchestergraben stehen. Dann kämpft er sich seinen Weg durch das Publikum.

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Niveau ist keine Creme

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Googelt man Hauschka, wird man zunächst mit sämtlichen Cremes und Pflegelotionen konfrontiert. Damit hat dieser Hauschka aber nichts zu tun. Volker Bertelmann, so sein bürgerlicher Name, spielt Klavier. Auf und mit dem Klavier. Bevor er das im Saal des Funkhauses tut, erzählt er noch ein bisschen über die folgenden 75 Minuten. Ein ursympathischer Typ. Macht ein paar Witze und erzählt über das Album, das am Freitag zuvor erschienen ist: „What if“.

Es ist voller kleiner und großer Geschichten. Geprägt von der Faszination verlassener Orte, deren Vergangenheit und Zukunft. Hauschka erzählt von seinen Kindern, die er vielleicht irgendwann auf dem Mars besuchen wird und über Vergänglichkeit. Er genießt die Gesellschaft des Publikums, das ist merkbar. Er erwähnt es aber auch ein, zweimal.

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Spannung und sehr viel Gefühl

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Dann fangen zwei Klaviere an zu spielen. Von allein. Der Meister sitzt am Flügel, ausgestattet mit Touchpad, Effekten und sämtlichem Schnickschnack, der sich im Flügel befindet und für Klänge sorgt, die weiter gehen als die gewohnten Töne eines Klaviers. Gänsehaut. Ein Lied fließt in das nächste über, er spielt, die Klaviere spielen, er zupft, dreht und bastelt an einem dunklen Sound, der voller Spannung immer wieder eine neue Welt aufbaut.

Nach und nach packt er aus. Zu guter Letzt auch wortwörtlich. Er beginnt während des letzten Stückes all die Klangeffekte aus dem offenen Flügelkörper zu holen. Auf dem Boden neben dem Flügel häufen sich Folien, Krimskrams, ein Tischtennisball. Bis nur noch der klassische Klang eines wunderbaren Flügels den Raum erfüllt. Rein und verträumt.

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Applaus. Alle stehen sie auf, als Volker Bertelmann den Raum verlässt.
Er kommt wieder. Gibt eine Zugabe, bei der alle helfen müssen. Zusammen kreieren wir eine Atmosphäre, die etwas von entspannter Aufbruchsstimmung hat. Flaschen sollen klirren, man unterhält sich. Aber trotzdem ist die Aufmerksamkeit auf die Klänge gerichtet, die da aus dem Flügel kommen. Es ist gemütlich und man merkt, dass er es genießt seine Musik und deren Entstehungsprozess mit dem Publikum zu teilen.

Und dann präsentiert er sein Lieblingswerkzeug, dem er den allerletzten Song gewidmet hat: Gaffatape. Er versorgt die Saiten des Flügels mit ein paar Streifen und setzt sich noch einmal ran, an einen neuen Klang.

Und am Ende erheben sich wieder alle. Alle.

Ein wundervolles Konzert. Wer noch nicht in das neue Album gehört hat, sollte dies nun tun!

Livetermine:

27.04.17 Nürnberg – Künstlerhaus
04.05.17 Köln – Kulturkirche

Welche Musik mir sonst so gefällt und weitere Konzerte, die ich erlebt habe? Das erfahrt ihr hier.



Katharina

Als ich die Blockflöte irgendwann doof fand, wollte ich lieber Gitarre lernen. Das war cooler. Nach einigen Bandprojekten kam das durch die Welt wandern und dann ist das Musikmachen irgendwie immer mehr ein Bestandteil meiner privaten Sphäre geworden. In Berlin hängen geblieben mache ich immer irgendetwas zwischen Studium, das Leben genießen, irgendwo im Musikbereich arbeiten, tanzen. Viel Musik halt. Aber ich bin auch viel unterwegs, betätige mich gern sportlich oder kulinarisch. Und ich steh auf Milchreis.


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