Charlie Cunningham Konzertbericht MUSIKMUSSMIT Foto Inken Petersen

Konzertbericht: Charlie Cunningham live in der Philharmonie Berlin

Konzert am 27. März 2017 im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin | Support: Fenne Lily
Text: Anne Teuscher | Fotos: Inken Petersen

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Charlie Cunningham ganz groß

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Wir haben Montag, den 27. März 2017. Wieder eine neue Woche, wieder der typische Alltagskram, der anfällt, doch ich darf sie ziemlich gut starten. Zuzuschreiben ist dies Charlie Cunningham, welcher am besagten Tag in der Berliner Philharmonie spielt. So dürfen meine Begleitung und ich zum ersten Mal die Philharmonie genauer betrachten und sind überwältigt, dass hier gleich der britische Singer-Songwriter mit seiner Gitarre sein neues Album „Lines“ (hier erfahrt ihr mehr darüber) präsentieren wird. Sahen wir ihn einst in kleineren, ja fast „normalen“ Locations wie im Privatclub oder im Werk 2 in Leipzig, tritt er bei seiner aktuellen Tour in feinen Konzertsälen, Kirchen und an anderen besonderen Orten auf und erhält zudem musikalische Unterstützung.

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Guter Einstieg: Fenne Lily als Support

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Davor kam eine junge Dame namens Fenne Lily auf die Bühne, welche Charlie bei einigen Auftritten begleitet. Auch sie trat mit Gitarre auf und ließ in der halben Stunde, in der sie anwesend war, zarte Klänge ertönen. Es war angenehm, ihr zuzuhören und amüsant dazu, da die gesprächige Fenne Lily vor fast jedem Song eine kleine Anekdote preisgab. So schrieb sie z.B. den Song „Brother“, als sie betrunken nach Hause kam und er handelt, ihr glaubt es kaum, von ihrem Bruder, den sie scherzhaft als „favourite child“ bezeichnete. Fans von ruhigen Tönen sowie von London Grammar und Daughter sollten eine Hörprobe wagen, es lohnt sich.

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Aufgepeppt und doch so schlicht: Charlie + Unterstützung

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Auch ein zugeordneter Sitzplatz hat seine Vorteile, da es erstens zu keinem Gedrängel kommt und man zweitens einfach mal sitzen kann, was ich bei Konzerten eher selten erlebe. So habe ich es zumindest erfahren und bis auf wenige Ausnahmen neben uns herrschte im schicken Kammermusiksaal eine angenehme und entspannte Atmosphäre, welche sich über den ganzen Abend zog. Das Publikum war sehr durchmischt, von alt bis jung über vornehme Herrschaften bis Hipster war alles vertreten.

Punkt 21 Uhr kamen Charlie sowie zwei Herren für Schlagzeug und Electronics auf die Bühne und legten nach wenigen Worten auch schon mit dem Opener „An Opening“ des Albums „Lines“ los. Gespielt wurden so gut wie alle Songs, darunter „You Sigh“, „Answers“, „While You Are Young“ und „Born“, aber auch immer wieder Songs seiner bisherigen EP´s wie „Telling It Wrong“, „Lessleg“ oder „Breather“. Gekonnt wurden zarte elektronische Töne eingesetzt oder aber das Schlagzeug untermalte die Songs leicht, wodurch sie noch mehr hervorgehoben wurden. Neben Charlie´s sachten oder ausgelasseneren Gitarrenklängen, die immer wieder im Flamenco verweilten, was für seinen Stil typisch ist und seiner kraftvollen Stimme wirkte alles in allem jedoch keinesfalls überladen sondern harmonierte wunderbar.

Fenne Lily Support Charlie Cunningham Konzertbericht MUSIKMUSSMIT Foto Inken Petersen

Fenne Lily

Im Laufe des Abends legte er einmal die Gitarre ab und rutschte auf seinem Hocker etwas umständlich nach hinten, sodass er nun am Keyboard saß. Hier musste ihm sein Kollege, welcher selbst am Tasteninstrument zugange war, kurz helfen, da es ihm irgendwie nicht gelang, das Mikrofon richtig einzustellen. Alle nahmen es mit Humor und schon wurden zwei weitere Songs zum Besten gegeben, darunter das wunderschöne Stück „How Much“.

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Ein zu frühes Ende und eine akustische Überraschung 

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Nach nahezu jedem Song genehmigte sich der smarte Charlie ein Schlückchen Bier, was vielleicht nicht sonderlich gut für seine Stimme (die dennoch nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde), aber womöglich für die Besänftigung seiner Aufregung umso besser war. Zumindest wirkte er ein wenig nervös und betonte abermals, wie toll es hier doch sei und er hier auftreten darf. Auch ein „Dankeschön“ mit britischem Akzent huschte ihm ziemlich oft über die Lippen. Nach einer Stunde verkündete er dann auch schon den letzten Song. Unter tosendem Beifall verließen die drei die Bühne, doch Charlie kam natürlich noch einmal für eine Zugabe zurück auf die Bühne und, sehr zu unserer Freude, diesmal alleine. Er teilte seinem Publikum mit, noch ein paar Songs seiner ersten EP „Outside Things“ zu präsentieren, und so konnten wir ihm noch eine weitere Viertelstunde lauschen. Dieses Mal schien das Publikum nicht noch einmal davon auszugehen, dass der gute Charlie ein weiteres Mal zurück kommen würde und dementsprechend verhalten war der Applaus. Schade, für uns hätte er locker noch zwei weitere Stunden spielen können.

Charlie Cunningham Konzertbericht MUSIKMUSSMIT Foto Inken Petersen

Wie dem auch sei, das Konzert war eine wunderbare Erfahrung, Charlie Cunningham einmal in diesem Kontext erleben zu können und die dezenten Einsätze von Schlagzeug und Keyboard waren sehr stimmig. Als Solokünstler macht er dennoch auch mehr als eine gute Figur und in seinem Fall passt „weniger ist mehr“ ganz gut. Nichtsdestotrotz: ob nun solo oder mit Unterstützung, für mich ist er immer wieder aufs Neue hörenswert und ich hoffe sehr, dass der bodenständige Charlie sich und seinem Stil treu bleibt.

Auch gut: Gabriel RiosDeclan McKenna, RY X oder Marble Sounds.



Anne
Wer?

Wenn ich mal nicht auf einem Festival oder Konzert zu finden bin, kann ich durchaus gerade über einen Flohmarkt schlendern, mit meinem geliebten Drahtesel die Gegend erkunden, als Katzenmama fungieren oder einfach nur vor dem Laptop lümmeln und Serien schauen. Weshalb es mich hierher verschlagen hat, liegt vor allem daran, dass ich leidenschaftliche Konzert- und Festivalgängerin bin. Ich treibe mich z.B. auf dem Immergut, dem MS Dockville oder auch dem Skandalös rum. Hingezogen fühle ich mich zu Bands und KünstlerInnen wie Balthazar, Say Yes Dog, Kakkmaddafakka, Bombay, Golf, José Gonzalez, Charlie Cunningham, Whilk and Misky, Lost Under Heaven, Portugal. The Man, Metronomy, Royal Blood, Florence and the Machine, Cold War Kids und Chet Faker alias Nick Murphy. Dies ist nur eine klitzekleine Auswahl und lässt sich locker noch fünf Seiten weiterspinnen. In dieser Sparte werdet ihr also das eine oder andere Mal etwas von mir hören, was ich euch nicht vorenthalten möchte.


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