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Review: Kate Tempest – Lesung in Berlin

Kate Tempest liest aus: “The Bricks that Built the Houses/Worauf du Dich verlassen kannst“ im Lido am 31.05.2016

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Text und Foto: Friederike Suckert

Kate Tempest ist Großbritanniens große Lyrikerin, sie ist im Theater und auch auf der Bühne zu Hause, aber ihre Worte lassen sich auch zwischen zwei Buchdeckel binden. Und dies hat sie mit dem Roman “The Bricks that Built the Houses/Worauf du Dich verlassen kannst“ getan.

So standen wir im unfassbar heißen Lido und schmolzen bis es mit zwanzig Minuten Verspätung losging. Kate Tempest war im quietschgrünen Sessel von den Leuten beeindruckt und froh über ihre Rückkehr nach Berlin: das Konzert 2015 – so Kate – war mit das Beste der Tour, sie fühlt sich jetzt irgendwie mit Berlin verbunden. Das Publikum sah das ganz genauso und so war dieses Gefühl auch wieder hervorgezaubert.

Über den Roman

Die Clique -Pete, Harry und Becky- die schon in ihrem Wahnsinns-spoken-word-Meisterwerk „Everybody Down“ (2014) durch die Straßen Londons straucheln und zu viel Zeug konsumieren, kehren in ihrem Roman ein letztes Mal zurück. Was sofort auffällt: Harry ist nun eine Frau. Tempest’s Kommentar dazu: als sie all die Pronomen bei Harry geändert hat, war Harry auf einmal eine coole queere Frau, die immer noch ein bisschen trottelig ist, aber nicht so „goofy“ wie ein Hetero-Mann (das gilt natürlich nicht für alle Männer, nicht?!). Ihr Tribute an all die coolen, feministischen und queeren Frauen in ihrem Leben.

Cover Kate Tempest Worauf Du Dich verlassen kannst

Sophie Hunger als Gast

Sophie Hunger wurde geladen, manche Passagen auf Deutsch zu lesen und das hat sie bei der einen, die sie durfte, auch sehr gut gemacht. Harry und Becky lernen sich in der Szene kennen und ihre Interpretation war passend und schön. Fand das vorwiegend englischsprachige Publikum nicht: sie dachten, die Lecture ist auf Englisch. Im Facebook-Event stand zweierlei. Jedenfalls wurden die, die die Antworten von Kate auf nachhakende Fragen noch einmal auf Deutsch hören wollten, direkt ausgeschmunzelt. Find ich unmöglich und das hat meine Stimmung etwas getrübt. Sophie wurde gefragt, was sie bei dieser Passage fühlt und sie konnte auch nur sagen, dass sie das Buch im Original gelesen hat und auch nur auf Englisch eine wirkliche Verbindung dazu hat.

Neues Album wird vermutlich im Herbst erscheinen

Sie, die ja nun musikalisch und lyrisch auch so einiges auf dem Kasten hat, hat Kate’s Art mit der einer Priesterin verglichen und das hat diese dann auch nochmal eindrucksvoll bewiesen, in dem sie selbst vorlas und Oh my goddess! Die Frau ist ein blonder Vulkan, die sich nicht auf Geschwafel einlässt! Davon wollen wir mehr und das wird auch kommen: im September oder Oktober wird es ein neues Album geben. Allerdings ohne das Trio aus Südlondon: deren Geschichte ist erzählt und Kate ist froh, sie nun nach all den Jahren aus dem Kopf zu haben, denn sie haben sie schon sehr bestimmt. Theaterstück, Album und Roman: mehr konnte sie nicht umsetzen.

Lest Bücher!

Nach der gut zweistündigen Veranstaltung hat Kate noch draußen die Bücher und ein paar Poster signiert und auch ein wenig geschnattert. Ich möchte Euch diesen Roman, beim rowohlt-Verlag erschienen, nur ans Herzchen legen und versucht es, im Original zu lesen. Bei einer Diskussion nach der Lesung waren wir uns einig, dass die Sprachgewalt von Kate Tempest vielleicht nur schwer zu übersetzen ist. Aber für welche Version auch immer ihr Euch entscheidet: lest mehr Bücher und fangt mit Kate an!

Kate Tempest im Mai und Juni auf Lesereise



Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.


'Review: Kate Tempest – Lesung in Berlin' have 3 comments

  1. 4. September 2016 @ 21:32 Kate Tempest Tourdaten Deutschland | MUSIKMUSSMIT

    […] Bei ihrer Lesung am 31. Mai 2016 im Lido von „Worauf Du Dich verlassen kannst/Bricks that build the houses“ hat sie bereits gesagt, dass die Geschichten über Harry & Co. nun ein Ende haben werden und sie ein neues Kapitel aufschlagen wird. Das Albumcover verspricht schon, dass es politisch wird und ihre im November 2015 erschienene Single „Europe Is Lost“ nicht einfach nur ein Kommentar, sondern vielmehr ein Vorbote war. […]

  2. 4. November 2016 @ 23:20 Konzertbericht: Kate Tempest in Berlin | MUSIKMUSSMIT

    […] sie noch bei ihrer Lesung gesagt, dass ihre Figuren aus „Everybody Down“ nicht mehr da sind, gibt es jetzt doch wieder viele […]

  3. 31. Dezember 2016 @ 18:04 2016. Alben, Konzerte und Songs des Jahres | Jahresrückblick Rike

    […] der ultimative Kommentar zur Weltlage. Ich war auf ihrer Lesung für ihren Roman „Bricks that build the houses“ und auch beim Konzert und ich beneide sie für ihre Leidenschaft und ihre Ausdruckskraft. Anohni […]


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