Johannes Motschmann Trio Konzerte

Studiobesuch beim: Johannes Motschmann Trio | Interview + Videosession

Text und Interview: Katharina Blum | Foto und Video: Stephan Noë

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich das Johannes Motschmann Trio durch Zufall entdeckt habe. Da war Johannes bei flux.fm zu Gast und hat über das bevorstehende Konzert geredet. Dann lief noch ein Lied und ich war überzeugt. Am gleichen Abend stand ich in der Kantine am Berghain und habe mir das live angehört. Sehr zu empfehlen!

Johannes Motschmann komponiert klassische Musik, auch für Film produziert er zusammen mit Boris Bolles und David Panzl elektronische Musik. Teils düster, teils experimentell, in allem sehr sphärisch, getrieben und schön.

Am 9. Juni 2017 erscheint nun Johannes‘ neue EP „Waves At Boundaries“ und am Samstag (10. Juni 2017) spielt er mit Boris und David im Quasimodo in Berlin.

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Vorab hat Stephan Noë die drei im Studio besucht und „Waves At Boundaries“ mitgeschnitten:

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Per Mail haben Johannes, Boris uns David uns dann noch ein paar Fragen beantwortet.

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Stellt euch doch mal ganz kurz vor.
Das Johannes-Motschmann-Trio sind Johannes – Komposition, Klaviere, Synthesizer und Produktion; Boris – Produktion, Elektronik und Violine, David – Vibraphon und Multipercussion.

Wie habt ihr euch gefunden?
Boris: Johannes und ich kennen uns schon aus dem Jugendsinfonieorchester in Bremen, seit den 90ern. Als Johannes ca. 2002 im Kompositionsstudium nach Karlsruhe wechselte, wo ich damals E-Technik studierte, kam er in unser Studentenwohnheim. Dort gab es im Keller ein sogenanntes „Musikzimmer“, das wir uns als Studio umgebaut hatten. Ich habe mir damals nebenher Klangsynthese und digitale Tonaufnahmen beigebracht und sehr intensiv Geige gespielt. Darum fingen wir bald an, gemeinsam Musik für kleine Filmmusik-Projekte zu produzieren und an Stücken mit elektronischer Musik zu arbeiten. Als ich dann später das Tonmeisterstudium in Detmold begann, habe ich seitdem fast alle Konzerte von Johannes‘ „klassischen“ Werken aufgenommen und ziemlich viele Studioproduktionen mit ihm gemacht, unter anderem auch in Wien die „3 Stücke für Klavier und Schlagzeug“, bei denen David einen der unfassbar schweren Schlagzeugparts übernahm. Seitdem ist auch David mit im Boot.

David: Ich hab Johannes sozusagen zu Weihnachten geschenkt bekommen und Boris war im Lieferumfang dabei. Meine Schwester, die auch in Karlsruhe an der Musikhochschule studierte, hat bei einem Klassenabend Johannes‘ Klavier-Schlagzeug-Trio gehört und war überzeugt, dass ich die Musik super fände. Sie hat sofort die Noten gekauft und mir zu Weihnachten geschenkt. Ich war begeistert, wollte die drei Stücke im ORF Radiokulturhaus aufnehmen und kontaktierte Johannes. So nahm alles seinen Lauf.

Gibt es bestimmte Themen, die ihr im Hinterkopf habt, wenn ihr euch an neue Sachen setzt?
Johannes: Manche Stücke haben ein vorgegebenes Thema, wie etwa Method Acting. Oft passiert das, wenn der Titel ganz am Anfang schon existiert. Dann gibt es gleich ein Bild, das ich mit Klängen ausfüllen kann. Vieles entsteht aber auch in der Realisation der Idee mit Boris am Rechner – gutes Material zieht neue Ideen an. Und meistens kann man, wenn man erstmal mit dem Komponieren begonnen hat, der Komposition folgen. Die will selber irgendwo hin. Ich finde es am schönsten, wenn die Impulse, die die entstehende Komposition einem aufzeigt, stärker werden als diejenigen, die man ihr von außen aufzwingen will. Fremdes stößt die Komposition dann irgendwann sowieso ab. Wenn erstmal Musik da ist, passt manches eben nicht mehr zu ihr. Die Methoden ändern sich daher zwangsläufig in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Input braucht das Stück vor allem am Anfang.

Boris: Johannes komponiert die Stücke, allerdings habe ich immer sofort Bilder und eine klangliche Richtung für die Ausarbeitung im Kopf, wenn ich seine Sachen zum ersten Mal im Rohzustand höre.

Am 9. Juni erscheint deine neue EP Waves at Boundaries. Erzählt etwas darüber!
Johannes: Ich hatte für ein anderes Projekt Aufnahmen von Kontrabassblockflöten gemacht und festgestellt, dass sie sich extrem gut mit Schlagzeugspuren kombinieren lassen. Außerdem habe ich einige Klavieraufnahmen gemacht und immer weiter verfremdet, am Ende habe ich die neuen Sounds wieder mit Klavier begleitet.

Boris: Wenige Tage vor der Abgabe zum Mastering sind erst die wilden Schlagzeugparts hinzugekommen, die das ganze Stück praktisch um 180° gedreht und es vom Kopf auf die Füße gestellt haben. Die Drums hat David in Wien eingespielt und per Internet geschickt, ich habe sie dann in Detmold in die Mischung integriert.

Gibt es etwas worauf ihr euch bei der bevorstehenden Tour besonders freut?
Boris: Ja. Darauf, die neuen Stücke, die ich besonders mag, dem Publikum zu präsentieren. Besonders „Waves at Boundaries“ und „Method Acting“.

Johannes: Wir haben ganz unterschiedliche Orte – vom kleinen Jazzclub bis zum klassischen Konzertsaal. Ich bin gespannt, wie es in diesen unterschiedlichen Räumen aufgeht.

Habt ihr denn Träume, wo ihr mit der Musik hinwollt?
Johannes: Ich fänd es reizvoll, das Trio immer mit weiteren Instrumenten zu kombinieren. Am besten solche, die wir selber spielen können. Aber ich würde auch gerne andere Musiker irgendwann dazu einladen, Gitarren, vielleicht auch Blechbläser, was ich bei den Electric Fields schon mal ausprobiert habe.

Boris: Ich fände es super, wenn ein größeres Tanztheater die komplette Musik für ein choreografiertes Programm einsetzen würde – dafür ist sie nämlich bestens geeignet, glaube ich. Als Live-Performance mit uns zusammen, natürlich!

Jeder zwei Wörter; was macht eure Musik aus?
Boris: Tricky Rhythmen und leuchtende Klangfarben.

Johannes: Melancholie und Virtuosität.

David: Reduktion und Dunkelheit.

Tourdaten
08.06.17 Düsseldorf · FFT
10.06.17 Berlin · Quasimodo
29.06.17 Hamburg · Elbphilharmonie/ausverkauft



Katharina

Als ich die Blockflöte irgendwann doof fand, wollte ich lieber Gitarre lernen. Das war cooler. Nach einigen Bandprojekten kam das durch die Welt wandern und dann ist das Musikmachen irgendwie immer mehr ein Bestandteil meiner privaten Sphäre geworden. In Berlin hängen geblieben mache ich immer irgendetwas zwischen Studium, das Leben genießen, irgendwo im Musikbereich arbeiten, tanzen. Viel Musik halt. Aber ich bin auch viel unterwegs, betätige mich gern sportlich oder kulinarisch. Und ich steh auf Milchreis.


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