Artlake Festival Festivalbericht MUSIKMUSSMIT

Review: Das Artlake Festival am Bergheider See – Aller Anfang ist schwer

Artlake Festival am Bergheider See vom 17. – 20.08.2017
Text und Fotos: Katha Strophe

Zu kurz oder zu leise wurde der zweite Geburtstag des Artlake Festivals im vergangenen Monat auf jeden Fall nicht gefeiert. Bereits am Donnerstagnachmittag ging es los mit dem Programm. Meine Begleitung und ich kamen erst gegen Mitternacht auf dem Festival Gelände an, aber bereits von weitem ließ sich dank der weitreichenden Basswellen erahnen, dass die Party bereits voll im Gange war. Nachdem wir das Camp bezogen und einen kleinen Nachtspaziergang unternommen hatten, ging es erstmal in die Federn bzw. auf die Isomatte. An viel Schlaf war allerdings auch nach 8 Uhr morgens noch immer nicht zu denken, da der gesamte Campingbereich der Dauerbeschallung von etwa 3-4 Stages ausgesetzt war. Naja, für´s Ausschlafen waren wir ja eh nicht angereist, also starteten wir noch vor dem Frühstück mit einem morgendlichen Tänzchen und zogen uns dann mittags an den weitläufigen Sandstrand am Bergheider See nochmal für eine kleine (Ruhe-)Pause zurück.

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Begleitprogramm und Workshops

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Am frühen Nachmittag nahm ich dann spontan am Chakra Meditations-Workshop teil. Die Meditation wurde sehr liebevoll angeleitet, allerdings ziemlich durch die energische Musik des nebenliegenden Dancefloors gestört. Dies traf leider auch auf viele andere Workshops und Lesungen zu. In diesem Punkt hätten ich (und zahlreiche andere Besucher_innen) sich doch gewünscht, dass die parallelen Acts und Workshops eventuell etwas besser abgestimmt worden wären. Besonders weil die Zahl der Workshop-Teilnehmer_innen nicht selten der Anzahl der Tanzlustigen an der jeweiligen Stage gleichkam. Nichtsdestotrotz kamen Meditation, Klangyoga (mit harmonische Live Musik) und Soundhealing allesamt sehr gut an, sogar so gut, dass auch beim immer stärker werdenden Regen noch mehrheitlich weiter meditiert wurde. Und so ging auch ich nach der Meditation plitschnass aber voller Energie und mit einem Lächeln im Gesicht für einen kleinen Abstecher zurück ins Camp, bevor dann am Freitagabend das erste Mal so richtig abgesteppt werden sollte.

Leider wurde dieser Plan allerdings von dem ungefähr stärksten Gewitter durchkreuzt, das ich seit langem erlebt habe. Statt uns auf den Dancefloors zu tummeln, sicherten wir also mit reichlich trinkbarer Nervennahrung bewaffnet unser windempfindliches Zelt von innen und warteten bei Plausch, Donner und Trank einfach geduldig ab. Voller Elan ging es dann aber mit Gummistiefeln und Regenjacke gegen 3 Uhr aber doch noch auf die Floors.

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Unbekannte Acts mit Überraschungspotenzial

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Trotz geringem Bekanntheitsgrad der meisten Acts gab es auch in diesem Jahr den einen oder anderen Ohrenschmaus zu entdecken. Samstag Nacht ging das Publikum zum Beispiel total bei The Micronaut ab (eine meiner Vorab-Empfehlungen). Auch ich persönlich war sehr geflasht von seinem Auftritt, der vor energischer, tanzbarer Töne nur so strotzte. Gekonnt ließ er dazu abwechslungsreiche, inspirierende Vocals und live E-Gitarren-Einsätze einfließen und untermalte das ganze mit harmonischen Videosequenzen.

Neben viel gutem Elektro gab es aber auch zahlreiche Bands und Akustik Acts. Sanftere Pop-Rock Töne wurden zum Beispiel von Livy Pear angeschlagen. Das Duo, bestehend aus einer Berlinerin (Gitarre und Gesang/Lead) und einer Norwegerin (Synth/Vocals) bezauberte ihr Publikum mit schönen Stimmen, Authentizität und harmonisch abgestimmten Songs über das Leben und dessen Höhen und Tiefen. Dabei schafften die beiden durch den Wechsel zwischen musikalischer Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit zudem eine gute Abwechslung.

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Livy Pear

Am Samstagnachmittag brachte mich zudem das Set von SONNENSYSTEME (ziemlich talentierter DJ aus Halle) so richtig in Tanzstimmung. Passenderweise zum Namen stimmte zu dieser Afternoon Session alles, vor allem der Sound, aber eben auch die SONNE im Gesicht.

Durchaus tanzbar und mir bereits bekannt aus dem letzten Jahr waren zudem die Sets von Stefan Biniak und Djane Bebetta.

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Fazit: klein, fein aber Potenzial zu mehr oder besser gesagt weniger…

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Insgesamt hätte ich mir doch bei einer überschaubaren Größe von gut 4.000 Besucher_innen noch etwas mehr Entschleunigung gewünscht. Stattdessen wurde man unentwegt auf dem gesamten Gelände von etwa 3-4 Stages durch die Techno-Basswellen beschallt, wodurch man leider weder kurz mal zur Ruhe noch vernünftig an Workshops wie Yoga, Meditation oder Lesungen teilnehmen konnte. Auch der Fakt, dass der geplante Schedule selten eingehalten und mehrere Acts sogar kurzfristig noch an ganz anderen Tagen als ursprünglich geplant auftraten, führte bei mir und zahlreichen anderen Besucher_innen zu purer Verwirrung. Ein wenig schade fand ich es zudem, dass vieles in diesem Jahr doch eher einer Baustelle als einem liebevoll gestalteten Festivalgelände glich. Vieles, darunter auch teilweise die Stage-Namen, wurden zudem einfach von der großen Festivalschwester „Feel“ übernommen und stimmte damit mit dem Plan z.T. nicht überein.

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Trotz der genannten Kritikpunkte bleibt wohl anzuerkennen, dass die Geburt und das Heranwachsen eines neuen Festivals immer ein schwieriges Unterfangen ist. Das Artlake feierte in diesem Jahr eben auch gerade einmal den zweiten Geburtstag und damit sollte der ein oder andere Umsetzungsmakel wohl definitiv entschuldigt sein. Ich persönlich sehe jedenfalls Potenzial in einem kleinen, feinen Festival mit abwechslungsreichem (Musik-)Programm und bin gespannt, wie sich das Artlake in den nächsten Jahren entwickeln wird.

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Weitere Festival-Bericht bekommt ihr hier.

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Aftermovie 2017

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Katha Strophe

Pro: Ich esse gerne und viel und trinke tagsüber Tee und (abends) hin und wieder gerne auch mal Wein. Ich mag meine Heimatstadt Berlin, aber bin trotzdem häufig und gerne weit weg. Ich schlafe gerne, aber bin auch gerne lange wach. Ich bin gerne draußen, mit Freunden unterwegs aber ab und zu auch gerne mal allein. Des Weiteren mag ich übrigens auch Musik. Um genau zu sein mag ich besonders Musik aus der Indie-, Blues-, (Garage-) Rock-, Soul-, Elektro-, Folkrichtung und alles was sich sonst noch gut anhört. Contra: nicht-ergonomische Kopfkissen, Müsli mit Trocken-Früchten, H-Milch, vollkommen sinnfreie Ressourcenverschwendung, schlechte Filme, Uni-Gruppenvorträge vorzubereiten, Baulärm am Samstagmorgen, Menschen, die unentwegt ihre Nase hochziehen, im Stau-Stehen.


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