Feel Festival 2015

Verliebt ins Feel Festival – So war´s am Bergheider See

Mit frisch gewaschenem Haar…

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Fotos und Text: Friederike Suckert

Feel Festival 2015 Baggersee

Der Baggersee

…und ein paar Alltagen mehr Lebenserfahrung ist es an der Zeit, Euch vom Feel Festival 2015 am Bergheider See zu erzählen. Zum ersten Mal fand das mauschelige, ganzheitlich entspannte Event auf dem Gelände des stillgelegten Eisentagebaus statt und der dazugehörige Baggersee war ein Segen. Freitag abend kamen wir an und da gab´s schon die erste Überraschung: wir waren auf dem Feste aller Feste auf dem Backstage-Campingplatz eingetragen. Also schnell im Dunkeln unser Lager aufgeschlagen (Sorry, Nachbar_innen!) und ab auf´s Gelände, welches fünf Meter vom Zelt entfernt war. Danke und entschuldigt, aber ein bißchen Angeben muss eben sein.

Im Dunkeln erkannten wir nur einen riesigen beleuchteten Koloss, der uns irgendwie gegruselt, aber auch beeindruckt hat. Aber erstmal ins Exit gestolpert, ’ne Lemonaid Wodka Mate gezischt und zu Lexer mit den anderen Glitzernasen den Boden beackert. Was für ein schönes Willkommen. Eigentlich waren wir einfach nur knülle, aber hey: im Zauberwald kam K-Paul und meine Begleitung wollte den schon immer sehen. Also noch ’ne Mate und so ging´s bis in den Morgen. Und ich kann Euch sagen: der Typ hatte Wumms im Gepäck!

Feel Festival 2015

Dickes Ding

Die erste Nacht war kurz, da wir im Zelt gebraten wurden und unsere Nachbar_innen über drei Zelte den kommenden Tag beschnattern mussten. Egal: ab an den See. Dort konnte man dann tanzen oder sich einfach braten lassen oder beides. Durch den Tagebau schimmerten der Sand und der See schon von ganz allen. In der knackigen Sonne war das ganz schön romantisch. Nachmittags enterten wir das Prince Charles. Ja, ganz genau: das wurde nämlich aus Holzbrettern nachgebaut. Eine sehr charmante Idee. Jedenfalls haben Monica Mayhem & Joana Jordan von EASYdoesit uns schön zu Hip Hop feiern lassen: von K.I.Z. bis Haftbefehl war alles dabei. Wir hatten Spaß und die beiden offensichtlich auch.

Feel Festival 2015

Nacht, Nebel und Lampen

Dann ab zur Hauptbühne. Die Hauptbühne war ein kleiner Knackpunkt, denn die Soundchecks haben immer ewig gebraucht und so war die Stimmung dann oft nicht mehr so pralle, dabei haben ja alle Bands einfach nur auf den besten Sound bestanden. Millarden standen auf dem Programm. Sie konnten das motzende Festival-Volk sofort beschwichtigen und bei „Vergiss mich nicht“ gab´s dann auch gleich Tränen in diversen Augen, weil auch noch jemand eine S.O.S.-Rakete abfeuern musste, die dann schön kitschig ewig in der Dämmerung über uns hing. Ehrlich, Freunde, sowas macht man nicht.

Und dann kamen sie, die Österreicher: Wanda! Nach dem ollen Soundcheck, bei dem die Leute schon wieder muffig wurden, gab´s Pompöses zu hören! Mit offenem Hemd wurde die Hüfte geschwungen und eines ist mal klar: „Wenn ihr mich liebt, gebt ihr mir Schnaps“! Meine Güte, waren die genial. Ganz anders als Bilderbuch, trotzdem fabelhaft. Die Wiener Schmäh macht halt viel aus. Nach diesem Kracher ging’s wieder zum Prince Charles. Ein bisschen bei den Beathovens den Mädels beim Twerken zugucken. Und danach zur Burg Schnabel. Das war ein schön ostiges Gemeindeheim oder ähnliches, aus dem ein schön schrabbeliger Technoschuppen gemacht wurde. Leider roch es auch so, aber in dieser heimeligen Mischung aus Speed-Schweiß und Rauch ließ sich Techno-Legende Mike Dehnert besonders gut genießen. Aber irgendwann ist jede Leber müde und so schmiss es uns schon um drei auf die Isomatte. Noch eben den Nachbar_innen zugehört, wie sie Mumford and Sons nachgrölen. Diese Hippies, was ist nur aus „Helgaaa!?“ geworden?

Feel Festival 2015

Die Hauptbühne im Regen

Na, nach sieben Stunden Schlaf erst mal wieder an den See. Das Leben chillen und so. Der Regen und Sonntag an sich dünnte alles aus und so kamen wir zu Teesy und mit uns leider nur 20 andere. Ojemine, das tat uns leid. Und dann wurde auch schon wieder beim Soundcheck rumgepöbelt. Aber sie sind Vollprofis – das Ding wurde durchgezogen. Kurz noch mal im Prince Charles in der Plastikplane den Beat gedropt und schon kam die Antilopengang. Gute Jungs, gute Texte. Kurzer Diskurs mit der Begleitung, dass deutscher Hip Hop endlich wieder gut ist. Mit Aussage und Spaß und so.

Dann musste ich leider durch den Matsch zu Mint-Resident Ena Lind in die Burg Schnabel waten. Publikum sah aus wie frisch geduschte Queer Club Kids, nur ich stand da wie ein begossener Pudel in meinem grauen Schlafpulli. Sind die nicht einmal aus der Burg raus gekommen? Werden die nicht nass, ist das Make Up mit Air Brush aufgetragen? Naja, egal. Das Set war natürlich großartig. Ob sie wusste, dass da vorher Mike Dehnert an den Tellern gedreht hat? In jedem Falle war es ein schöner Abschluss.

Mein Fazit lautet also: wenn Festival, dann das Feel! Warum? Die Dixies wurden immer rechtzeitig gereinigt. Die Mischung aus Elektro, Hip Hop und Bandfestival hat sehr gut funktioniert. Das Line-Up war eine super Mischung, alle Genres vertreten. Die Location war beeindruckend, die Getränke- und Essenspreise absolut fair, auch wenn es nur A.s.a und C..lsb..g gab. Jedoch durfte man Getränke mit auf das Gelände bringen, deswegen konnte ich das verkraften. Ich fand gut, dass die Veranstalter_innen absolut auf dem Schirm hatten, dass von allem gut konsumiert wird, weswegen das Wasser auch nicht überteuert war. Generell haben sich die Gesichtsdiscos sehr im Rahmen gehalten – es gab nur einen Vorfall, den ich gesehen habe und da waren die Sanitäter_innen sofort da.

Feel Festival 2015

Letz Dance.

Von netten Leute umgeben (bis auf die zwei, die die ganze Zeit die Ausdruckstänzer nachäffen mussten. Bad Vibes, Jungs!), konnte man auch die angebotenen Workshops besuchen, die allesamt toll waren. Ich habe natürlich keinen gemacht, aber man konnte sich das Gelände und dieses Bergbaumonstrum ansehen, Siebdruck machen oder sich erzählen lassen, welche Nahrungsmittel aus Deinem Kühlschrank Dich glücklich machen. Selbst wenn man nicht auf dem Freundes-Campingplatz war, ist es da so klein, dass man sehr schnell von A nach B kommt. Perfekt für Schussel wie mich. Und das Familiäre macht eben doch etwas aus. Allen Bühnen und Dancefloors hat man die Sorgfalt und Liebe angemerkt. Klar, die Soundchecks haben genervt, aber anscheinend gab es üble Stromausfälle durch den Regen. Für mich sind sowas Kinderkrankheiten: neues Gelände, neue Probleme.

Nicht ohne Grund war das Festival ausverkauft! // Leute, denkt an unseren Fotowettbewerb und schickt uns Eure besonderen Festivalmomente!

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Einige der Highlights, die ich erlebte bekommt Ihr bei uns auf Soundcloud in Form einer kleinen Playliste!

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Ihr wollt wissen, wie es mir 2016 gefallen hat? Oder wie uns das Immergut, Tag am Meer und Kosmonaut gefallen hat? Kein Problem, schaut in unserer Rubrik „Festivals“ vorbei.



Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.


'Verliebt ins Feel Festival – So war´s am Bergheider See' have 5 comments

  1. 4. Januar 2016 @ 23:48 Zappen´s Soundtrack 2015 – Best Of Alben, Lieder & Konzerte | MUSIKMUSSMIT

    […] 1. Florence + The Machine – Velodrom 2. Peaches – Huxleys 3. Bilderbuch – Columbiahalle 4. Sizarr – Volksbühne 5. Neneh Cherry – Berghain (PopKultur-Festival) 6. Patrick Watson – Gretchen 7. K.Flay – Kantine am Berghain 8. Jennie Abrahamson – Kantine am Berghain 9. Beatrice Eli – Urban Spree 10. Wanda – Feel Festival […]

  2. 19. Mai 2016 @ 22:49 Festivalübersicht + Spezialempfehlungen 2016 | MUSIKMUSSMIT

    […] zu Jahr mehr Zuspruch. Wir waren im letzten Jahr dabei und haben die Zeit sehr genossen, unseren Bericht könnt Ihr hier nachlesen. Das Festival ist ein „grünes Festival“. Es erwarten Euch 16 Bühnen von Indie […]

  3. 25. Mai 2016 @ 20:35 Festival-Tipp: Feel Festival am Bergheider See (7. -11. Juli 2016) | MUSIKMUSSMIT

    […] ich bin mir aber sicher, dass es erste Sahne wird, denn ich bin ja schon mal da gewesen (hier geht´s zur Review vom letzten Jahr). Trotzdem hätte es mir schon gefallen, vorher ein oder zwei Leckerbissen zu kennen, damit ich […]

  4. 20. Juli 2016 @ 19:06 Review: Feel Festival 2016 - So war´s am Bergheider See | MUSIKMUSSMIT

    […] habe auch in diesem Jahr immer wieder inbrünstige beeindruckte Kommentare um mich herum gehört. Im letzten Jahr habe ich die Nachtwanderung verpasst und schwor, sie dieses Jahr nachzuholen, falls sich jemand erinnert. Ehrensache. Es gab Gerüchte, […]

  5. 25. Juli 2016 @ 00:12 Feel Festival 2015 - Feiert den Sommer! | MUSIKMUSSMIT

    […] hat es mir gefallen, lest hier meinen ausführlichen Bericht. 2016 war ich auch da, ich bin noch immer verliebt ins Feel […]


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