El Viaje Dokumentation mit Rod von Die Ärzte

Kino: „El Viaje“ – ein Musikfilm mit Rodrigo González von Nahuel Lopez

Bei meinen diversen Roadtrips in diesem Jahr hat meine Reiseleiterin verlangt, dass ich meine alten Mixtapes mitbringe und vor allem die ohne Beschriftung waren spannend. Da haben wir dann festgestellt, dass Die Ärzte sehr wichtig für mich waren. War mir nicht so bewusst, aber es stimmt. Und so habe ich mir gern die Dokumentation „El Viaje“ angeschaut, in der der Bassist Rodrigo „Rod“ (die Kenner_innen singen das mit hoher Stimme) González in sein Geburtsland Chile zurückreist, um die dortige Musikszene zu erkunden.

Diktatur und Flucht

Rod’s Vater ist sehr musikalisch und wurde in der Pinochet-Diktatur verfolgt, weil er einer der vielen Protestmusiker war. 1974 konnte die Familie nach Hamburg fliehen und erhielt politisches Asyl. In einem Gespräch mit dem Vater über alte Weggefährt_innen, Musiker_innen und Bands wird Rod klar, dass er nichts mehr über Chile weiß und auch nicht viel über die dortige Musikszene. So macht er sich auf den Weg, um Geschichte und Gegenwart des Canto Nuevo, der chilenischen Musik, zu ergründen.

El Viaje Dokumentation mit Rod von Die Ärzte

Die selben Wurzeln – verschiedene Interpretationen

Sein erstes Ziel ist Santiago de Chile und dort trifft er Macha, eine kleine chilenische Legende. Er hat einen Haufen Musiker_innen um sich geschart und die interpretieren alte Lieder neu, um sie so der Jugend zugänglich zu machen. Macha muss ein unglaublich sympathischer Chaot sein, der auch ein riesiges Netzwerk um sich hat. Und so lernt Rod nach und nach immer mehr Musiker_innen der neuen und alten Generation kennen. Camila Moreno zum Beispiel, die der Shooting Star Lateinamerikas ist und sogar für den Latin Grammy nominiert war. Sie orientiert sich an den Riot Grrrls, aber auch an der chilenischen Heldin Violeta Parra.

El Viaje Dokumentation mit Rod von Die Ärzte

Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Städte und Begegnungen: Die Unterdrückung durch die Pinochet-Diktatur, die schließlich erst 1988 endete, hat Spuren hinterlassen und es gibt eine Menge aufzuarbeiten und dabei klingt alles immer wahnsinnig poetisch. Die jungen Leute wollen sich selbstverständlich auch von den alten Held_innen loslösen. Rod trifft jemanden, der im Land geblieben ist und der erzählt von der Folter unter Pinochet’s Schergen. Selbstverständlich singt er auch darüber, denn Rod will all diese Facetten auf CD brennen.

Das ist etwas, was mir so sehr an der Musik in dem Film gefallen hat: Die Akteure und Akteurinnen sind passioniert, die Texte, die übersetzt eingeblendet werden, sind schön und ernsthaft. Da geht es um gebrochene Herzen und Illusionen auf einer ganz anderen Ebene. Liest sich jetzt alles ein wenig kitschig, aber ihr müsst den Film sowieso schauen um mich zu verstehen.

Seit 11. August 2016 ist dieser in den Kinos und jetzt immer noch in kleinen Arthouses zu sehen. Es lohnt sich, auch wenn ihr denkt, ihr steht nicht auf südamerikanische Klänge.

Musiker_innen:

Macha und seine Band Chico Trujillo, Alonso Nuñez, Camila Moreno, Eduardo Carasco, Eduardo Yañez, Mauricio Castillo “Chinoy”, Gaston Avila u.m.

El Viaje / Deutschland 2016
93 Minuten – OmdtU
Regie: Nahuel Lopez

Auch interessant: „Mali Blues“.



Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.


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