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2016 – Alben, Konzerte und Songs des Jahres | Jahresrückblick Rike

Alben, Konzerte und Songs 2016

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Text und Auswahl: Rike

Puh, einen Rückblick für 2016 zu schreiben fällt mir wirklich schwer, denn es wird nicht einfach, den Pathos zu umschiffen. Im Oktober dachte ich noch, dass es irgendwie nicht in Ordnung ist, so sehr um Promis zu trauern, die man nicht kennt, wo es doch in meinem Umfeld so unfassbar traurige Geschichten und Abschiede gab. Nun sehe ich es aber so: Am 10. Januar starb David Bowie und das hat mir das Herz gebrochen, zwei Tage später musste meine Hütekatze eingeschläfert werden und nach drei tränenreichen Tagen hatte ich beschlossen, dass 2016 super werden muss. Nun 2016, du blödes Arschloch: Danke für Nix, außer ein paar außergewöhnlich tollen Alben (Playlist am Ende des Artikels).

1. David Bowie: Blackstar

Die traurige Melodie von „Lazarus“ geistert manchmal durch meinen Kopf und ist das Grundgefühl für 2016. Die Single ist mein Lieblingsstück vom Album und ich wollte mir das Video, das einen Tag vor seinem Tod veröffentlicht wurde, damals in Ruhe anschauen. Tja, der Rest ist Geschichte und beim Video habe ich Rotz und Wasser geheult. Ich find’s ja auch albern, aber David Bowie war mein Held! Hier geht´s zu meiner Album Review von „Blackstar“.

2. Anohni: Hopelessness

Was habe ich mich auf dieses Album gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. „Execution“ ist mein Sommerhit und absurder Weise passt es zu diesem blutrünstigen Kriegsjahr. Das Konzert im Tempodrom dazu war eher ein Happening, unglaublich toll. Dieser elektronische, manchmal fast fröhliche Ansatz und die apokalyptischen Texte sind ein Geniestreich. Hätte es die sonst üblichen Streicher_innen dazu gegeben: Wir hätten nicht zugehört. Ich hatte auch die Ehre zu Anohnis Vernissage von „My Truth“ zur Kunsthalle Bielefeld fahren zu dürfen. Dort wurden alte und neue Collagen und Installationen von ihr ausgestellt, es war großartig.

3. Kate Tempest: Let Them Eat Chaos

Wahrscheinlich der ultimative Kommentar zur Weltlage. Ich war auf ihrer Lesung für ihren Roman „Bricks that build the houses“ und auch beim Konzert und ich beneide sie für ihre Leidenschaft und ihre Ausdruckskraft. Anohni und sie, das wäre mal eine interessante Kombo, dieses Endzeitszenario würde ich gern sehen.

4. Shura: Nothing’s Real

Ein wunderschönes Pop-Album der jungen Britin! Das süße Video für „What’s It Gonna Be?“ beweist mir, dass junge Menschen im Popbusiness durchaus geoutet sein können und das Publikum beim Konzert war so gemischt, dass ich tief daran glaube, dass es vielen wirklich wurscht ist. Warum auch nicht, geht doch keinen was an.

5. Warpaint: Heads Up

Außergewöhnlich optimistisches Album und der „New Song“ stimmt einen doch zuversichtlich. Zudem freut es mich natürlich, dass die Ladies guter Laune sind und dies auch in ihrem Proberaumsound verpacken konnten.

6. Beyoncé: Lemonade

Queen B’s „Formation“ beim Super Bowl mit ausschließlich women of color in Black Panthers-Uniformen ist mit das Beste und Mutigste, was wir 2016 sehen durften. Ganz USA schauen zu und die Lady lässt’s im TV-Highlight des Jahres krachen. Das ganze Album ist ein großartiges feministisches Machwerk und Kampfansage an die rassistischen Weißbrote. Sie hat die Stimme und den Einfluss und sie nutzt ihn. Chapeau, meine Liebe.

7. SXTN: Asozialisierungprogramm

Deutscher Rap aus Neukölln kennen wir, aber nicht so eindringlich wie bei diesen beiden Kodderschnauzen. „Fotzen im Club“ ist der ultimative Partysong und ich habe viel darüber diskutiert, ob das nicht ein wenig zu vulgär ist? Ist es, aber ich meine, dass Typen nur so widerliches Zeug labern und wir Frauen den Begriff „Fotze“ wieder positiv belegen müssen. Weicheier sind immer Muschis, Pussys, Fotzen und so weiter. Eine Frechheit und ich mach das nicht mehr mit. Sonst hat das Album erschreckend eindringliche Songs: „Hass Frau“ und „Ready For Love“ bereiten einem Gänsehaut und leider glaub ich schon, dass Frauen so gesehen werden. Nicht, dass ich solche Typen kennen würde, aber ich musste 2016 mit Schrecken feststellen, dass der heterosexuelle weiße Mann immer Angst um seine Privilegien zu haben scheint.

8. Banks: The Altar

Sehr persönlich das Ganze. Liebeskummer, Ängste und ein wenig Esoterik gemischt mit feinen Beats. Das wummst nicht mehr so wie ihr Debüt, aber die Kleene ist jetzt ´ne Große. „27 Hours“ zerreißt einen trotzdem fast: So viele Selbstzweifel vor großer Soundkulisse.

9. Glass Animals: How to be a Human Being

Konzeptalbum über elf verschiedene Menschen, die den Indie-Boys aus Oxford nahe stehen. Feine Sache und sehr gut gelungene Experimente. „Life Itself“ ist auch ein Stimmungsmacher auf meinem Mixtape. Mehr über das Album lest ihr hier.

10. Drangsal: Harieschaim

Der Bub ist 1993 geboren und schon jetzt ein ganz großer mit Talent und Attitüde. Er klingt wie frisch aus den 1980ern, New Order und The Cure waren wohl in der Muttermilch. Alle sind begeistert, dass so ein Greenhorn so dunkle Klänge schaffen kann, aber das beeindruckt mich nicht so, denn so junge Leute schaffen es ja auch Vivaldi neu zu interpretieren. Ich mag an ihm, dass er auf dem Feel-Festival vor 50 Leuten gespielt hat, sehr viel Spaß dabei hatte und dass er wirklich talentiert ist. Er ist jung, sein Geschmack könnte sich noch ändern und ich würde mich wie Hölle freuen, wenn er ein richtig fröhliches Pop-Album aufnehmen würde. Unser Interview mit Drangsal könnt ihr hier nachlesen.

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Die besten Songs 2016

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Dies sind meine Top Ten der Alben, aber ein paar Songs gab es auch noch.

Sia: The Greatest

2016 war nicht nur das Jahr der Promitoten, sondern auch des blinden Hasses. War der Anschlag auf das Bataclan schon schrecklich, so hat mich das Attentat von Orlando persönlich sehr getroffen. Die Leute mussten wegen ihrer Homo-, Bi- und Transsexualität sterben oder weil es sie einfach nicht interessiert hat, wen ihre Freund_innen lieben. Da hätte ich auch drin sein können, in Berlin gibt’s, wie wir jetzt schmerzlich erfahren mussten, genug engstirnige, von menschenverachtenden Idealen verseuchte Geister und eine_r könnte immer durchdrehen. „The Greatest“ ist für viele meiner Freund_innen ein Motivationssong. Für mich ist er, vor allem auch durch das Video, eine Kampfansage und Solidaritätsbekundung an die Community.

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Noga Erez: Dance While You Shoot

Junge Frau aus Tel Aviv mit einer Stimme, die an whiskeyreiche Nächte erinnert. Die Beats sind ziemlich düster und ich bin gespannt, was da noch so kommt. Meinen  Konzertbericht gibt es hier zu lesen.

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ALMA: Dye My Hair

Finnische „Pop Idol“-Gewinnerin mit grünem Haar, die aussieht wie wir früher im Jugendclub. Sehr guter Elektro-Pop, der hoffentlich etwas düsterer wird.

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Die besten Konzerte 2016

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Meine Playlist Best Of 2016



Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.


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