Berlinale 2016 – 3 Musikfilme, die sich lohnen

Die Bären sind verteilt, die Vorhänge gefallen und ich gewöhne mich auch langsam wieder ans Tageslicht. Und so werde ich Euch von den drei Filmen berichten, in denen es musikalisch zuging und bei Euch irgendwann auch mal mit müssen. Meine Ankündigung könnt Ihr hier noch einmal nachlesen.

Text: Friederike Suckert

„Strike A Pose“ von Reijer Zwaan und Ester Gould

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Strike A Pose Musikfilm

Strike A Pose, Foto: Linda Posnick

Die zwei Regisseur_innen haben 25 Jahre nach Madonnas „Blond Ambition“-Tour die Tänzer der Tour aufgespürt, um mit Ihnen Erinnerungen und Veränderungen zu besprechen. Schnell wird das Ganze eine emotionale Tour de Force: einer der sieben Vogue- und Breakdancer, Gabriel, ist sehr jung an den Folgen von Aids gestorben. Gabriel war auch einer der drei, die Madonna verklagten, da sie im dazugehörendem Backstage-Film „Truth or Dare/In Bed with Madonna“ geoutet wurden, obwohl sie Maddie gebeten haben, dies zu lassen. Nur für einen war die ganze Erfahrung ein Karrieresprungbrett, für die anderen tat sich ein großes Loch auf: Drogen, Alkohol, Obdachlosigkeit.

Nach all den bewegten Jahren treffen sie sich dann wieder und es gibt einiges zu bereden.
Der Film ist manchmal etwas langatmig, aber trotz allem interessant, auch die andere Seite der Anklage zu hören. Ich bin ja kein großer Madonna-Fan, was das Zwischenmenschliche angeht, und nach dem Film bin ich es auch nicht geworden, aber vieles haben die Jungs auch einfach selbst verbockt. Angucken, es ist immerhin Musikgeschichte.

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„Kiki“ von Sara Jordenö

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Kiki Musikfilm

Kiki, Foto: Naiti Gámez

Vogueing und die Ballroom-Szene sind ein wichtiger Bestandteil der queeren Szene weltweit, aber vor allem in New York. Jugendliche, die durch das heteronormative Raster fallen und denen durch das Coming Out Obdachlosigkeit droht, finden eine neue Familie und darin Unterstützung. Gerade Transsexuelle brauchen diesen Background, da eine Geschlechtsangleichung im U.S.-amerikanischen System quasi kaum bezahlbar ist, was zu oft in die Prostitution führt. Diesen harten Fakten steht aber auch Freude gegenüber: die regelmäßigen Ballroom-Wettbewerbe. In New York werden sie „Kiki“ genannt und sie sind ein absolutes Highlight. Verkleidung, Choreographie und Attitude zählen.

Diese Dokumentation, die den Teddy Award für die beste Doku gewonnen hat, beeindruckt durch die Solidarität und die Stärke der jungen Leute. Die Regisseurin begleitet sie über mehrere Jahre und sie sind toll und beeindruckend, sie schaffen es, fast allen Widrigkeiten zu trotzen.

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„WEEKENDS“ von Lee Dong-ha

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Weekends Musikfilm

Weekends, Lee Dong-ha

In Südkorea ist Homosexualität immer noch nicht ganz entkriminalisiert, der Druck der christlichen Gruppen ist groß. Umso spezieller ist es, dass es den homosexuellen Männerchor „G-Voice“ seit zehn Jahren gibt. Der Regisseur Dong-ha war einst selbst Mitglied und wollte zum Jubiläum die alten Freunde porträtieren. Das Niedliche: der Chor covert nicht, sondern singt seine eigenen Texte und dazu wurden Musikvideos gedreht. Die Jungs sind wirklich charming. Das Schreckliche: die Feindseligkeit, die ihnen immer wieder von christlichen Hardlinern entgegen schlägt. Ein schöner Musikfilm, der ganz nebenbei auch die Situation in Südkorea darstellt.

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Fotos: offizielles Pressematerial Berlinale



Friederike

In einer Höhle voller Bücher von Plattensammlern aufgezogen, sozialisiert in idyllischer Randbezirkplatte durch ABBA, Elvis und Nirvana, schulternwippend in die Kaschemmen und Tanztempel der Stadt gewankt, bin ich jetzt graduierte Popnutte. Schon immer eher Beobachterin als Macherin, frage ich, was die Entscheidung für das Künstlerleben so mit sich bringt.


'Berlinale 2016 – 3 Musikfilme, die sich lohnen' ist bisher ohne Senf.

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